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Friedens-Dschirga: Schüsse, Rakete und ein Selbstmord-Attentat

Radikal-islamische Talibankämpfer haben versucht, die afghanische Versöhnungsversammlung in Kabul mit Gewalt zu verhindern.

Scharfe Sicherheitsvorkehrungen: Uniformierte am Mittwoch in Kabul.
Scharfe Sicherheitsvorkehrungen: Uniformierte am Mittwoch in Kabul.

Ein Selbstmordattentäter der Taliban hat sich kurz nach Beginn der Friedensversammlung in der afghanischen Hauptstadt Kabul nur wenige hundert Meter von dem Konferenzort entfernt in die Luft gesprengt. Weitere Taliban-Mitglieder lieferten sich ein Feuergefecht mit der Polizei; ausserdem schossen sie eine Rakete ab. Nach Behördenangaben wurde kein Delegierter der sogenannten Friedens-Dschirga verletzt. Zwei Angreifer wurden getötet, ein weiterer festgenommen.

Ein Taliban-Sprecher bekannte sich in einem Telefonat mit der Nachrichtenagentur AP zu der Tat. Eine Gruppe von vier Selbstmordattentäter, die in afghanischen Soldatenuniformen steckten, habe das Feuer auf die Versammlung eröffnet. Ziel sei es, «diese Friedens-Dschirga zu sabotieren und zu zerstören». Und fügte hinzu: «Unsere Kämpfer werden weiter bis zum Tod kämpfen.»

Hoffnung auf eine Versöhnung

Bei der dreitägigen Konferenz geht es um Möglichkeiten zur nationalen Aussöhnung mit den Taliban. Im Mittelpunkt steht das von Geberländern mit rund 130 Millionen Euro finanzierte Friedens- und Versöhnungsprogramm. Es verheisst den Kämpfern der Aufständischen Arbeits- und Ausbildungsplätze sowie Entwicklungshilfe für ihr Heimatdorf, wenn sie die Waffen niederlegen.

Die Delegierten der Dschirga haben sich in einem riesigen Zelt auf dem Gelände der Polytechnischen Universität Kabul versammelt. Karzai will dort sein Programm zur Wiedereingliederung von Taliban und anderen Aufständischen vorstellen, die mit wirtschaftlichen Anreizen zur Aufgabe bewogen werden sollen.

Die Taliban kritisieren, das Treffen diene lediglich dazu, unrealistische Pläne abzusegnen. Die Teilnehmer der Konferenz stünden im Sold der Invasoren und dienten ihren eigenen Interessen, hiess es in einer am Dienstag von den Taliban verbreiteten Erklärung. In der vergangenen Woche hatten sie in einer Botschaft allen Teilnehmern mit dem Tod gedroht.

Zelt mit deutscher Hilfe renoviert

Die Friedensdschirga findet traditionell in dem grossen Zelt statt, das gleichzeitig hochmodern ist. Deutschland unterstützte die Veranstaltung, indem sie das Zelt mit 480'000 Euro instandsetzen liess, wie das Auswärtige Amt am Dienstagabend mitteilte. Mit Hilfe afghanischer Unternehmen wurde unter anderem die Plane ausgebessert, Elektroinstallationen, Konferenz- und Übertragungstechnik erneuert, sowie Stühle beschafft.

Das Zelt war bereits 2002 von Deutschland und den Vereinten Nationen für die erste Ratsversammlung angeschafft. 2003 war es auch Versammlungsort der zweiten Loja Dschirga, auf der unter anderem über die neue Verfassung Afghanistans beraten wurde. Am Mittwoch wollten die rund 1600 repräsentativ ausgewählten Vertreter des afghanischen Volkes in dem Zelt den Prozess der nationalen Versöhnung vorantreiben.

AFP/raa

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