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Fundamentalisten räumen im Süden Ägyptens ab

Die radikalen Islamisten hängen in der letzten Wahlrunde ihre Konkurrenzparteien ab. Derweil spricht der Anwalt im Prozess gegen Hosni Mubarak von einer Mitschuld für den Tod Hunderter.

Säkuläre Parteien mit wenig Chancen: Ägypterinnen im Niqab warten vor einer Wahlstation in Kairo.(4. Juni 2012)
Säkuläre Parteien mit wenig Chancen: Ägypterinnen im Niqab warten vor einer Wahlstation in Kairo.(4. Juni 2012)
AFP

Bei der Parlamentswahl in Ägypten haben die radikalen Islamisten in der dritten und letzten Runde noch besser abgeschnitten als in den ersten beiden Wahlgängen. In der Provinz Nord-Sinai erhielt die islamistische Partei des Lichts (Al-Nur) sogar die meisten Stimmen.

Auch in der südlichen Provinz Al-Wadi Al-Jadid liege die salafistische Partei auf Platz eins, berichtete das staatliche Nachrichtenportal «Egynews» heute unter Berufung auf erste Ergebnisse der Auszählung der Wählerstimmen.

Mehrheit immer wahrscheinlicher

Damit wird eine Mehrheit der islamistischen Parteien im ersten Parlament nach der Entmachtung von Präsident Hosni Mubarak immer wahrscheinlicher. Die als moderat-islamisch eingestufte Partei der Muslimbrüder könnte rund 40 Prozent der Mandate erhalten; die radikale Partei des Lichts mehr als 20 Prozent.

In der letzten Wahlrunde errang die Partei der Muslimbrüder in der Provinz Süd-Sinai, wo die Badeorte Scharm el Scheich, Dahab und Nuwaiba liegen, mit rund 60 Prozent die meisten Stimmen. Die säkulare liberale Ägyptische Allianz, als Gegengewicht zu den islamistischen Parteien in die Wahl gegangen, erhielt den Angaben zufolge zehn Prozent der Stimmen.

Ergebnis wird sich kaum noch ändern

Am Gesamtprofil des Ergebnisses werde sich kaum noch etwas ändern, schätzt Islamwissenschaftler Reinhard Schulze aufgrund der ersten Berichte über Wahlergebnisse in den Provinzen Süd-Sinai, New Valley und Qina. Die Trends deuteten an, dass der Wahlsieg der Partei der Muslimbrüder bestätigt werde und die Nur-Partei ihren zweiten Platz behaupten können, teilte Schulze auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda mit.

Am Dienstag und Mittwoch dieser Woche war in neun Provinzen gewählt worden. In einigen Wahlbezirken steht in der kommenden Woche noch eine Stichwahl zwischen den bestplatzierten Direktkandidaten an. Das endgültige Wahlergebnis für alle 27 Provinzen wird Ende kommender Woche erwartet.

Mubarak mitschuldig

Gestern sagte Staatsanwalt Mustafa Suleiman vor Gericht in Kairo, dass es im Prozess gegen Hosni Mubarak laut Staatsanwaltschaft «unwiderlegbare Beweise» gäbe, die die Mitschuld des Machthabers am Tod hunderter Demonstranten belegen.

Diese zeigten, dass Mubarak und seine Mitbeschuldigten «zur Tötung unschuldiger Demonstranten» angestiftet hätten,

Die Massenproteste, bei denen rund 850 Menschen getötet wurden, hatten im Februar zum Sturz Mubaraks geführt. Den Angeklagten - dem 83-jährigen Mubarak, dem früheren Innenminister Habib al-Adli und sechs Polizeioffizieren - droht bei Verurteilung die Todesstrafe. Die Angeklagten plädieren auf nicht schuldig.

«Die Angeklagten waren nicht am Tatort. Dennoch, sie haben ihre Macht ausgenutzt, um die eigentlichen Täter anzustiften», sagte Suleiman.

Die Anhörung hatte mit mehr als zwei Stunden Verspätung begonnen. Der Helikopter, der Mubarak aus einem nahen Militärkrankenhaus einfliegen sollte, konnte wegen schlechten Wetters zunächst nicht starten.

Mubarak mit Verspätung

Ohne Mubarak wollte der Richter nicht anfangen. Ägyptens Ex-Präsident hatte an allen Anhörungen seit dem Prozessbeginn am 3. August auf einer Krankentrage teilgenommen.

Im Gerichtssaal, untergebracht in einer Polizeiakademie am Stadtrand von Kairo, wurden Videos von den Anti-Mubarak-Protesten im Januar letzten Jahres gezeigt. Auf den Bildern war zu sehen, wie Polizisten vom Dach des Innenministeriums aus auf Demonstranten nahe des Tahrir-Platzes schossen. «Es war wie ein militärisches Gefecht», sagte Suleiman unter Applaus der Angehörigen der Opfer und ihrer Anwälte.

Mubarak und seinen Söhnen Alaa und Gamal wird auch Korruption und die Verschwendung öffentlicher Gelder vorgeworfen. Das Verfahren wurde auf Donnerstag vertagt. Es wird erwartet, dass die Staatsanwaltschaft dann ihre Argumentation fortführt.

SDA/kle

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