Geld für den FC Barcelona – und für Terroristen

Im Konflikt mit Katar zeigt sich Saudiarabien zwar versöhnlich, stellt aber auch kaum annehmbare Bedingungen. Das Nachbarland unterstütze nicht nur Fussballclubs, sondern auch Terrorgruppen.

Krise und Krach am Golf: Katarische Marinesoldaten während einer Übung vor der Haupstadt Doha. Foto: Karim Jaafar (AFP)

Krise und Krach am Golf: Katarische Marinesoldaten während einer Übung vor der Haupstadt Doha. Foto: Karim Jaafar (AFP)

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Für Saudiarabiens Herrscherhaus war es der Höhepunkt des Riad-Besuchs des US-Präsidenten: König Salman präsidierte neben Donald Trump ein Gipfeltreffen mit 54 arabischen und islamischen Staaten. So demonstrierte das Haus Saud zum einen seinen Führungsanspruch in der sunnitisch-muslimischen Welt – nicht eingeladen waren lediglich Syrien und der Iran. Zum anderen verpflichtete es diese Staaten und die USA auf einen gemeinsamen Kampf gegen Extremismus und Terrorismus – schon ein diplomatischer Coup, nachdem sich Trump im Wahlkampf noch notorisch feindlich gegenüber dem Islam als Ganzem geäussert und für einen «Muslim-Bann» geworben hatte.

Das Ganze fand Ausdruck in der Gründung eines globalen Zentrums, das extremistische Ideologien bekämpfen und Finanzströme an Terroristen kappen soll. Um die Welt ging das Bild von der Eröffnung, bei der Salman und Trump zusammen mit Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi ihre Hände auf einen leuchtenden Globus legten. Diese Szene hat einiges damit zu tun, warum zwei Wochen später Saudiarabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain jäh ihre diplomatischen Beziehungen zum Nachbarn Katar abbrachen und damit die tiefen Risse sichtbar machten, die den sechs Staaten umfassenden Golfkooperationsrat spalten.

Gefragt nach dem Zeitpunkt und der Heftigkeit des Vorgehens gegen Katar, sagte Saudiarabiens Informationsminister Awwad al-Awwad dem «Tages Anzeiger»: «Keine 48 Stunden nachdem mehr als 50 Staaten eine Erklärung mit dem US-Präsidenten in Riad unterzeichnet hatten, gemeinsam Terrorismus und ­Extremismus zu bekämpfen und Geldflüsse an solche Organisationen abzuschneiden, hat sich Katar entschieden, diese Einigung zu unterlaufen.» Das Emirat habe Kontakt zur palästinensischen Hamas aufgenommen, die sowohl in den USA als auch (noch) in der EU als Terrororganisation gelistet ist und ausser von Katar auch vom Iran unterstützt wird, zur libanesischen Schiiten-Miliz Hizbollah, die der Iran direkt kontrolliert, zu den schiitischen Huthi-Milizen im Jemen, ebenfalls von den Iranern unterstützt, und zur Muslimbruderschaft, die Ägypten und den Emiraten als grösster Feind gilt.

Überdies habe Katars Aussenminister Mohammed bin Abdulrahman Al Thani «ein geheimes Treffen mit Qassim Soleimani abgehalten, einem der meistgesuchten Terroristen der Welt». Der iranische General ist Chef der Quds-Brigaden, jener Spezialeinheit der Revolutionsgarden, die für Auslandseinsätze zuständig ist. Derzeit spielt sie vor allem in Syrien und im Irak eine grosse Rolle, in der Vergangenheit war sie aber auch an Anschlägen auf Diplomaten und anderen Terroraktionen auf verschiedenen Kontinenten beteiligt. Katar bestreitet vehement, dass es dieses Treffen in Bagdad gegeben hat. Wurde es bisher nur in saudischen Medien kolportiert, so in der Zeitung «Okaz», äussert nun erstmals ein ­Regierungsmitglied in Riad diesen schwerwiegenden Vorwurf.

Sorge um die Brüder in Katar

«Über Jahrzehnte hat der Iran den Terrorismus im Nahen Osten unterstützt und ist die primäre destabilisierende Kraft im Jemen, im Irak, in Syrien und in unserer eigenen Nachbarschaft am Golf», sagte Awwad weiter, der von Oktober 2015 bis April 2017 Riads Botschafter in Deutschland war. «Das hat uns gezwungen, schnell und entschieden zu handeln.» Zugleich schloss er ein militärisches Vorgehen gegen das kleine Nachbarland aus, ebenso einen Ausschluss aus dem Golfkooperationsrat. «Wir haben keinerlei Absichten, Katar in irgendeiner Weise zu verletzen», sagte er. Die Sicherheit «unserer katarischen Brüder» sei für Saudiarabien sehr wichtig. Auch brauche man Katar im Golfkooperationsrat. Und es gebe Wege, diesen Konflikt «augenblicklich» zu lösen, wenn Katar den «Sorgen friedlicher Nationen Gehör schenkt und entsprechend handelt», sagte er weiter.

Die Katarer halten dem entgegen, dass ihnen bislang kein konkreter Katalog von Forderungen übergeben worden sei – ein Schritt, den Saudiarabiens Aussenminister Adel al-Jubeir am Freitag in London für die «nächsten Tage» angekündigt hat. Er wollte allerdings nicht von Forderungen reden, sondern von einer «Liste von Beschwerden», auf die Katar eingehen müsse. Die Vermittlungsversuche des Emirs von Kuwait und jetzt auch von US-Aussenminister Rex Tillerson und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron dürften dadurch nicht einfacher werden.

Saudiarabien und die Emirate haben eine Liste mit 59 Namen und 12 Organisationen vorgelegt, die sie als Terroristen betrachten. «Wir haben kein Problem damit, wenn Katar den FC Barcelona finanziert, aber wir haben ein Problem damit, wenn sie Terrorismus finanzieren», sagt Awwad. Auf der Liste findet sich etwa der Salafisten-Scheich Hajjaj al-Ajmi, ein Kuwaiter, der sich zeitweise in Doha aufhalten soll; er gilt in den USA und der EU als Unterstützer der mit ­al-Qaida verbundenen Nusra-Front in Syrien. Ebenso gelistet sind aber staatsnahe Stiftungen und Wohltätigkeitsorganisationen sowie Ex-Innenminister ­Abdullah bin Khalid Al Thani, ein ­Mitglied der Königsfamilie – kaum vorstellbar, dass Doha in diesen Fällen nachgibt.

Andere Namen werfen die Frage nach politischen Motiven auf, so der von Yussuf al-Qaradawi. Der Ägypter gilt als Spiritus Rector der Muslimbruderschaft – was aber 2015 den saudischen Botschafter in Doha, Abdallah al-Ayfan, nicht davon abhielt, sich anlässlich des saudischen Nationalfeiertags mit dem umstrittenen Prediger in der saudischen Botschaft fotografieren zu lassen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.06.2017, 20:45 Uhr

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