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«Ghadhafi ist tot, Assad ...?»

Die Tötung Ghadhafis verleiht den Protesten in Syrien und dem Jemen Aufwind. Doch auch militante Islamisten nutzen die Gunst der Stunde. Viele Demonstranten fühlen sich von der Nato im Stich gelassen.

Die Stimmung wird zusehends gehässiger: Anti-Assad-Demonstranten im Libanon. (21. Oktober 2011)
Die Stimmung wird zusehends gehässiger: Anti-Assad-Demonstranten im Libanon. (21. Oktober 2011)
Reuters
Müssten von Ärzten gemeldet werden: Demonstranten im Zentrum von Homs. (16. Oktober 2011)
Müssten von Ärzten gemeldet werden: Demonstranten im Zentrum von Homs. (16. Oktober 2011)
Reuters
Syrische Soldaten beobachten die Grenze zur Türkei in der Provinz Idlib. Die Zahl der in die Türkei geflohenen Syrer ist Ende Juni leicht zurückgegangen, nachdem der Exodusim Nordwesten des Landes wochenlang angehalten hatte. (29. Juni 2011)
Syrische Soldaten beobachten die Grenze zur Türkei in der Provinz Idlib. Die Zahl der in die Türkei geflohenen Syrer ist Ende Juni leicht zurückgegangen, nachdem der Exodusim Nordwesten des Landes wochenlang angehalten hatte. (29. Juni 2011)
AFP
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Der Tod des früheren libyschen Machthabers Muammar al Gaddafi strahlt auf die Proteste in Syrien und Jemen aus. Tausende Demonstranten in beiden Ländern drohten auf Kundgebungen ihren Herrschern, dass sie als Nächstes an der Reihe sein könnten. «Du bist an der Reihe, Baschar», skandierten die Menschen am Freitag in Syrien, wo Sicherheitskräfte von Präsident Baschar Assad wieder mindestens 24 Menschen töteten.

Ghadhafi wurde am Donnerstag unter noch nicht geklärten Umständen getötet. Weniger als zwei Monate nachdem er die Kontrolle über sein ölreiches Land verloren hatte, stürzte damit nach Herrschern in Tunesien und Ägypten ein weiterer Machthaber.

«Du bist der Nächste!»

Der ehemalige tunesische Präsident Zine El Abedine Ben Ali floh ins Exil, der ehemalige ägyptische Präsident Hosni Mubarak sitzt im Gefängnis und muss sich wegen des Todes von etwa 800 Demonstranten verantworten. Alle drei Volksaufstände geben den Syrern Hoffnung. Auf einem Plakat war zu lesen: «Ben Ali floh, Mubarak ist im Gefängnis, Ghadhafi ist tot, Assad ...?». «Gaddafi ist weg, du bist der Nächste, oh Schlächter», riefen die Jemeniten ihrem Präsidenten Ali Abdullah Saleh entgegen.

Die Proteste in Syrien erschüttern eines der autoritärsten Regime des Nahen Ostens, aber die Opposition konnte in den vergangenen Monaten keine grösseren Siege verbuchen, hat keine Kontrolle über Landesteile und keine klare Führung. Assads Regime hat das Land abgeschottet, um unabhängige Medienberichte zu unterbinden, was die Situation undurchsichtig macht.

Islamisten und keine klare Führung

Aber im Jemen haben auch militante Islamisten die Gunst der Stunde genutzt, um mehrere Städte einer südlichen Provinz unter ihre Kontrolle zu bringen. Die Amerikaner befürchten, dass sie ihre Kontrolle weiter ausbauen. Das Land liegt nahe grosser Ölreserven und an einer der wichtigsten Seeschifffahrtsrouten.

In vielerlei Hinsicht ist der Protest in Syrien vom Aufstand in Libyen beeinflusst. Die syrische Opposition rief einen Nationalrat ins Leben, den sie wie in Libyen den Nationalen Übergangsrat taufte, in der Hoffnung, eine Institution zu gründen, hinter der sich die Opposition eint.

Mit dem Erfolg des bewaffneten Widerstands in Libyen stellen sich die Demonstranten in Syrien die Frage, ob ihr bisher vornehmlich friedlicher Protest sie ans Ziel führt. Manche wollen zu den Waffen greifen und rufen nach einer Militärintervention aus dem Ausland. «Wo ist die Nato?», ist auf Schildern zu lesen.

USA wollen Dialog in Syrien

Ein Sprecher des US-Aussenministeriums, Mark Toner, sprach von «entsetzlicher» Gewalt seitens der syrischen Regierung. Die USA unterstützten aber auch Bemühungen um Verhandlungen unter Vorsitz der Arabischen Liga. Für Optimismus gibt es offenbar keinen Anlass, da die syrische Regierung bisher kein Interesse an einem Dialog gezeigt hat.

dapd/mrs

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