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Ghadhafis Bunkersystem

Die letzte Schlacht in Tripolis tobt um die Festung Bab al-Aziziya, wo sich die Ghadhafi-Residenz befindet. Dort gibt es auch ein luxuriöses Bunkersystem, in dem es sich monatelang überleben lässt.

Das «Haus des Widerstands» in Ghadhafis Hauptquartier Bab al-Aziziya in Tripolis, das bereits vor 25 Jahren von den Amerikanern bombardiert wurde.
Das «Haus des Widerstands» in Ghadhafis Hauptquartier Bab al-Aziziya in Tripolis, das bereits vor 25 Jahren von den Amerikanern bombardiert wurde.
Reuters
Bab al-Aziziya ist seit März wiederholt von Nato-Bombern attackiert worden.
Bab al-Aziziya ist seit März wiederholt von Nato-Bombern attackiert worden.
Keystone
Die Schäden der Nato-Angriffe im Innern eines Wohnhauses.
Die Schäden der Nato-Angriffe im Innern eines Wohnhauses.
Keystone
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Über den Verbleib von Muammar Ghadhafi besteht nach wie vor keine Gewissheit. Nach Informationen aus Diplomatenkreisen hält sich der libysche Diktator noch in Tripolis auf, wie Nachrichtenagenturen melden. Ein wahrscheinliches Versteck ist die riesige Anlage um das Kommando- und Kontrollzentrum Bab al-Aziziya im Süden von Tripolis. In dieser Gegend liefern sich seit diesem Morgen Rebellen und Ghadhafi-Truppen heftige Gefechte.

Auf dem Gelände von Bab al-Aziziya befindet sich auch die Residenz von Ghadhafi. Das Anwesen war seit dem letzten März mehrfach Ziel von Nato-Luftangriffen, fast alle Gebäude wurden dabei zerstört. Auf dem Gelände standen Baracken und Zelte, Flugzeugabwehrrampen und Panzer. Und unter dem Boden soll ein Labyrinth von Gängen und Bunkern Schutz vor Bombardements bieten. Bab al-Aziziya ist umgeben von einem hohen, doppelten Mauerring aus armiertem Beton.

Eine Art Stadt im Untergrund

Nach Angaben des früheren libyschen Aussenministers Moussa Koussa ist das unterirdische System beinahe wie eine kleine Stadt – unter anderem mit Nahrungsmittel- und Gesundheitsversorgung – ausgestattet. Im Bunkersystem, das unter anderem mit einem Hotel in Tripolis verbunden ist, lässt es sich rund sechs Monate überleben, wie Koussa vor zwei Monaten dem Radio Freies Libyen erzählte.

Ghadhafis Bunker verfügt auch über sehr moderne Operationssäle, einen Fitnessraum sowie ein Schwimmbecken. Es gibt auch sonst noch viel Luxus, etwa ein Bad mit Gold verzierten Wasserhahnen. Von Bunkern berichteten auch Reporter von BBC, die sich Anfang Mai in die Nähe von Bab al-Aziziya gewagt hatten.

Bunker mit Schweizer Fachwissen

Gemäss einem Bericht von «SonntagsBlick» halfen auch Schweizer Experten beim Bau des Ghadhafi-Bunkers in Tripolis. Um die Anlage bombensicher zu machen, seien dreieinhalb Meter dicke Betonmauern aufgezogen worden, wird ein Bunkerexperte zitiert. Auf Fachwissen aus der Schweiz hatte sich Ghadhafi auch beim Bau des Luftschutzbunkers in seiner Ferienresidenz al-Baida verlassen. Laut Medienberichten führt einer der unterirdischen Ausgänge direkt in das Beduinenzelt, wo Ghadhafi gerne Staatsgäste empfing.

Innerhalb der Bab-al-Aziziya-Anlage befindet sich auch das «Haus des Widerstands», das an die Bombenangriffe der Amerikaner im April 1986 erinnert. Ghadhafi liess das Gebäude nie reparieren, weil es als «Zeugnis für den amerikanischen Terrorismus» stehen soll. Vor dem Eingangsportal steht eine eindrückliche Skulptur: eine mächtige Faust (womit wohl Ghadhafis Hand gemeint ist), die einen US-Kampfjet zerquetscht. An diesem Ort hielt Ghadhafi etliche Propagandaveranstaltungen ab.

Ein halbes Jahr nach Beginn des Aufstands waren die Rebellen am Sonntagabend in Tripolis eingerückt. Inzwischen kontrollieren sie weite Teile der Hauptstadt, darunter den zentralen Grünen Platz. Heute Montag sei der Tag der Entscheidung, sagte der Militärsprecher der Aufständischen, Ahmed al-Bani, laut Medienberichten.

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