Ägypten kommt nicht zur Ruhe

Tausende Ägypter haben für höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen demonstriert. Die Armee rief zum sofortigen Ende der Streiks und Proteste auf – ohne Erfolg.

Die Stimmung bleibt gespannt: In Kairo demonstrieren Tausende für bessere Arbeitsbedingungen.

Die Stimmung bleibt gespannt: In Kairo demonstrieren Tausende für bessere Arbeitsbedingungen. Bild: Keystone

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Der Oberste Militärrat rief in Ägypten zu einem Ende der Streiks und Proteste auf. In Ägypten müsse nun mehr Ruhe einkehren, damit das Militär in dieser «kritischen Situation» die Staatsgeschäfte führen und die Macht schliesslich an eine gewählte zivile Regierung übergeben könne, erklärte ein Militärsprecher im staatlichen Fernsehen. Streiks und Proteste könnten die innere Sicherheit gefährden und es «unverantwortlichen Gruppen» ermöglichen, «illegale Machenschaften» auszuführen, warnte der Oberste Militärrat ausserdem. Weitere Einzelheiten wurden nicht genannt.

Proteste vor der staatlichen Rundfunkanstalt

Unterdessen demonstrierten vor der Zentrale der staatlichen Rundfunkanstalt Hunderte Angestellte des öffentlichen Nahverkehrs für höhere Löhne. Auf dem Tahrir-Platz trafen sich Hunderte Angestellte der staatlichen Jugend- und Sportorganisation zu einer Kundgebung. Zuvor hatten Soldaten den Platz im Zentrum Kairos geräumt und fast alle Teilnehmer der jüngsten Massenproteste gegen den gestürzten Präsidenten Hosni Mubarak vertrieben.

In der Innenstadt Kairos kamen auch Hunderte Polizisten zusammen. Auch sie verliehen ihrer Forderung nach besserer Bezahlung Nachdruck. Mit der Protestaktion wollten sie ausserdem auch ihren Ruf wiederherzustellen, der nach den tödlichen Zusammenstössen mit regimekritischen Demonstranten in Mitleidenschaft gezogen worden war. Viele der Polizisten trugen Fotos ihrer Kollegen bei sich, die bei den Gewaltakten ums Leben kamen. «Auch sie sind Opfer des Regimes», war auf einem Transparent zu lesen.

Chef der Fluggesellschaft entlassen

Unterdessen zogen etwa 150 Universitätsabsolventen der Archäologie vor das Büro der Altertumsverwaltung. Sie forderten bessere Berufsaussichten und warfen dem zuständigen Minister Zahi Hawass Korruption vor. Unterdessen wurde der Chef der staatlichen Fluggesellschaft EgyptAir, Alaa Ashour, nach Arbeitsniederlegungen am Kairoer Flughafen entlassen.

Nach einem Streik von Mitarbeitern der grössten Bank des Landes, der National Bank, rief die ägyptische Zentralbank zudem auch andere Banken zur Schliessung ihrer Filialen auf.

Mubarak angeblich im Emirat Schardscha

Der gestürzte Präsident Mubarak soll sich nach Informationen der Online-Ausgabe des Magazins «Stern» inzwischen ins Ausland abgesetzt haben. Mubarak habe den Badeort Scharm-el-Scheich verlassen und sei mit einer Maschine der privaten Fluggesellschaft Air Arabia ins Emirat Schardscha am Persischen Golf geflogen. Dies sei bereits am Freitag geschehen, berichtete stern.de am Sonntagabend unter Berufung auf nicht näher genannte Quellen.

Mubaraks Familie habe Ägypten bereits am Dienstag mit Ziel Schardscha verlassen. Auch der frühere Handels- und Industrieminister Raschid Mohammed Raschid sei in das Emirat ausgeflogen worden. Gegen ihn war laut stern.de bereits ein Ausreiseverbot verhängt worden. Air Arabia unterhalte eine normale Linienverbindung zwischen Schardscha und Scharm-el-Scheich, deshalb sei die Flucht nicht aufgefallen. Mubaraks Familie kam nach Informationen von stern.de in einem Palast von Herrscher Scheich Sultan bin Mohammed al Kasim unter.

(pbe/dapd)

Erstellt: 14.02.2011, 23:56 Uhr

EU friert Vermögen Mubarak nicht ein

Die EU will vorerst keine Guthaben des gestürzten ägyptischen Staatschefs Husni Mubarak eigenmächtig einfrieren. Aus Ägypten kam jedoch die Anfrage, die Konten von bis zu sieben ägyptischen Funktionären in der EU zu sperren, wie ein EU-Diplomat am Montagabend in Brüssel sagte. In Kairo nahm der seit Mubaraks Sturz herrschende Oberste Militärrat Gespräche mit Internet-Aktivisten über die Zukunft des Landes auf.

Eine Sprecherin von EU-Außenministerin Catherine Ashton kündigte «angemessene Maßnahmen» an, sollte die Frage nach den Kontosperren im Dialog mit Ägypten aufkommen. Brüssel stehe in der Frage «in Kontakt mit den ägyptischen Behörden». Unter den EU-Staaten besteht nach Angaben von EU-Diplomaten Einigkeit darüber, Vermögen Mubaraks auf Anfrage aus Kairo einzufrieren. In Deutschland und Großbritannien gingen am Montag entsprechende Ersuchen Kairos ein, die Konten führender Vertreter der bisherigen Führung einzufrieren. Das bestätigten die Außenministerien in London und Berlin. (AFP)

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