Jubel in Gaza – Ägypten öffnet Grenze

Erstmals seit vier Jahren öffnet Ägypten dauerhaft die Grenze zum Gazastreifen. Die Lockerung bringt den Palästinensern Erleichterung im Alltag. Den Israelis bereitet sie Sorgen.

Erste Menschen überqueren die Grenze: Palästinenser in einem Taxi. (28. Mai 2011)

Erste Menschen überqueren die Grenze: Palästinenser in einem Taxi. (28. Mai 2011) Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Nach vier Jahren Blockade hat Ägypten seine Grenze zum Gazastreifen wieder für den Personenverkehr geöffnet. Der grosse Ansturm von 1,6 Millionen Palästinenser auf den Grenzübergang Rafah blieb allerdings aus. Nur 270 Personen seien ausgereist, teilte die Innenbehörde in Gaza mit.

Der Grund: Obwohl Ägypten seine Einreisebestimmungen gelockert hat, muss jeder Palästinenser derzeit noch eine Genehmigung der Innenbehörde in Gaza einholen. Ausserdem müssen alle Männer im Alter zwischen 18 und 40 Jahren aus Sicherheitsgründen eine Sondergenehmigung in Ägypten beantragen. Täglich sollen nicht mehr als etwa 300 Menschen den Grenzübergang passieren dürfen, hiess es von palästinensischer Seite.

Rafah ist der einzige Grenzübergang zum Gazastreifen, der nicht von Israel kontrolliert wird. Israel und Ägypten schlossen ihre Grenze zu Gaza am 9. Juni 2007, nachdem die radikal-islamische Hamas-Organisation dort die Macht gewaltsam an sich gerissen hatte.

Zuvor hatten ab 25. November 2005 – mit Unterbrechungen – Ägypten, die palästinensische Autonomiebehörde, die EU-Polizeimission (Eubam) und Israel gemeinsam den Grenzübergang überwacht.

Kritik in Israel

In Israel wächst nun die Sorge, dass es nun einfacher für Aufständische wird, in den und aus dem Gazastreifen zu kommen. Auch die USA äusserten die Befürchtung, dass die Hamas die Öffnung nutzen könnte, um Waffen in den Gazastreifen zu bringen.

Die ägyptischen Behörden erklärten jedoch, dass Personen beim Grenzübergang genau auf Waffen kontrolliert werden.

Jubel löste die Grenzöffnung dagegen bei der Hamas aus. Sie organisierte am Samstag eine Demonstration in Rafah, um Ägypten für die Grenzöffnung zu danken. Die Hamas fordert aber, dass jetzt auch der Warenverkehr normalisiert wird.

Folge von Mubaraks Sturz

Nach dem Sturz von Präsident Hosni Mubarak im Februar hat Ägypten seine Politik gegenüber Israel und den Palästinensern neu ausgerichtet. Die von Mubarak unterstützte israelische Blockade des Gazastreifens war bei der ägyptischen Bevölkerung äusserst unbeliebt.

Mit der Grenzöffnung will Ägypten auch die Versöhnung zwischen den ehemals tief zerstrittenen Palästinenserorganisationen sowie die Bildung einer Regierung der nationalen Einheit fördern. (mrs/dapd)

Erstellt: 28.05.2011, 09:59 Uhr

Artikel zum Thema

Kairo will Übergang zum Gazastreifen dauerhaft öffnen

Palästinenser unter 18 und über 40 Jahren sollen den Grenzübergang zum Gazastreifen in Ägypten ab Samstag ohne Visum passieren können. Dies, um die von Israel gegen das Gebiet verhängte Blockade zu lockern. Mehr...

Chromglänzender Luxus im Gazastreifen

Seit kurzem fahren immer mehr Luxusautos auf den Strassen des verarmten Palästinensergebiets. Grund ist ein kurioser Nebeneffekt der Aufstände in Libyen. Mehr...

Arrigoni-Mord: Zwei Festnahmen

Nach dem Mord am Italiener Vittorio Arrigoni im Gazastreifen hat die Hamas zwei Verdächtige festgenommen. Ein dritter Mann beging laut der Hamas offenbar Selbstmord. Mehr...

Kommentare

Die Welt in Bildern

Festival vereint die verschiedenen Kulturen des Landes: Eine Frau singt und tanzt bei einem Strassenfest in Südafrika in einem traditionellen Kleid. (14. Dezember 2018)
(Bild: Rajesh JANTILAL) Mehr...