Zum Hauptinhalt springen

Heftige Gefechte auf dem Golan – Wien zieht Blauhelme ab

Der einzige Übergang zwischen Israel und Syrien auf den Golanhöhen war für einige Stunden in den Händen der Rebellen. Österreich wird die Situation zu gefährlich. Daher ruft das Land seine Blauhelme zurück.

Die Regierungstruppen wurden kurzzeitig aus Kuneitra vertrieben: Rauch über den Golanhöhen. (6. Juni 2013)
Die Regierungstruppen wurden kurzzeitig aus Kuneitra vertrieben: Rauch über den Golanhöhen. (6. Juni 2013)
Reuters

Der Bürgerkrieg in Syrien greift mit einem überraschenden Angriff der Rebellen auf die Golanhöhen über. Österreich, das den grössten Teil der dort stationierten Blauhelmtruppe stellt, verkündet darauf den Abzug.

Nach dem Sturm syrischer Rebellen auf einen Grenzposten in den Golanhöhen hat Österreich seine dort stationierten UN-Blauhelmsoldaten abgezogen. «Die Entwicklung der heutigen Morgenstunden hat gezeigt, dass ein weiteres Zuwarten nicht mehr vertretbar ist», erklärten Bundeskanzler Werner Faymann und Aussenminister Michael Spindelegger gemeinsam. Bei den Gefechten zuvor wurde mindestens ein Blauhelmsoldat verletzt.

Kämpfer der Aufständischen hatten einen Grenzübergang in Kuneitra an der Waffenstillstandslinie zwischen Israel und Syrien kurzzeitig besetzt, bevor die Regierungstruppen ihn zurückeroberten. Die Blauhelmsoldaten in der Pufferzone zwischen beiden Staaten zogen sich nach dem Angriff zurück, wie ein Sprecher des österreichischen Verteidigungsministeriums mitteilte. Ein philippinischer Soldat wurde nach Angaben eines Militärsprechers in Manila verletzt, als ein Geschoss im UN-Logistikstützpunkt auf den Golanhöhen einschlug. Ob es von Rebellen oder Regierungstruppen abgefeuert wurde, war zunächst unklar.

Kontrolle wechselte immer wieder

Österreich stellt 377 der 900 UN-Blauhelme auf den 1967 von Israel eroberten Golanhöhen, die Philippinen 300. Der Grenzübergang in Kuneitra ist der einzige entlang der Waffenstillstandslinie. Er wird in erster Linie von den Blauhelmsoldaten und dort lebenden Drusen genutzt.

Nach Angaben des oppositionsnahen Syrischen Beobachtungszentrum für Menschenrechte attackierten die Rebellen am Morgen mehrere Kontrollposten der syrischen Regierung und eroberten den Grenzübergang nahe der Altstadt von Kuneitra. Der Aktivistengruppe zufolge kam es zu heftigen Gefechten, in deren Verlauf die Kontrolle über den Grenzübergang zwischen den beiden Seiten immer wieder wechselte. Opferzahlen waren zunächst nicht bekannt.

Von der israelischen Seite der Golanhöhen aus waren im Laufe des Tages Panzer und gepanzerte Fahrzeuge auf syrischem Territorium zu sehen. Über der Gegend lag dicker Rauch. Der staatliche syrische Fernsehsender Al-Ikhbarijah dementierte die Eroberung des Grenzpostens durch die Rebellen und berichtete, das Militär verfolge «Terroristen» auf den Golanhöhen. Die israelischen Streitkräfte teilten lediglich mit, dass die Gegend zu einer «geschlossenen Militärzone» erklärt wurde, gaben aber nicht bekannt, wer den Grenzübergang kontrolliert.

Sunniten sollten ihr Leben dem Kampf widmen

Der Bürgerkrieg in Syrien war in den vergangenen Monaten immer wieder auf die Golanhöhen übergeschwappt. Unter anderem schlugen mehrfach Geschosse aus Syrien ein, die aber meist wenig Schaden anrichteten. Im Mai griffen syrische Truppen einen israelischen Geländewagen an, nachdem dieser angeblich die Grenze überquert hatte.

Zusätzlich angeheizt wurde der Konflikt in Syrien durch einen Aufruf von Al-Qaida-Chef Aiman al-Sawahiri, wonach sich sunnitische Muslime weltweit dem Kampf gegen die Regierung in Syrien anschliessen sollten. Sunniten sollten ihr Leben, ihr Geld und ihre Kompetenz dem Kampf in Syrien widmen, um Präsident Baschar al-Assad zu stürzen und für eine islamische Herrschaft in dem Land zu sorgen, heisst es in einer Audiobotschaft des Terrorchefs, die im Internet veröffentlicht wurde. Die Sunniten sollten «ihre Differenzen hinter sich lassen» und gegen die Ausbreitung des schiitischen Einflusses in Syrien kämpfen, forderte al-Sawahiri.

Russland warnte derweil den Westen davor, Berichte über Chemiewaffeneinsätze in Syrien zum Anlass für eine Invasion zu nehmen. Es müsse genauere Untersuchungen geben, vor allem zu den angeblichen Chemiewaffeneinsätzen durch die Rebellen, sagte der russische Aussenminister Sergej Lawrow. Frankreich und Grossbritannien hatten am Dienstag mitgeteilt, dass ihnen Beweise vorlägen, wonach die Truppen von Präsident Assad im syrischen Bürgerkrieg das Nervengas Sarin eingesetzt hätten.

AP/rub/wid

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch