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Hilft Pakistan den Taliban?

Der Geheimdienst von Pakistan arbeitet laut einem Forschungsbericht enger mit den Taliban zusammen als bisher bekannt – mit aktiver Hilfe durch die Regierung.

Beste Kontakte, gut bewaffnet: Taliban in der Stadt Herat.
Beste Kontakte, gut bewaffnet: Taliban in der Stadt Herat.
Bluuurgh / Wikipedia

Der Geheimdienst ISI bilde weiterhin Taliban-Kämpfer aus, finanziere und bewaffne sie, hiess es in dem am Sonntag vorgestellten Bericht der London School of Economics. ISI-Mitarbeiter seien sogar in den Führungsstrukturen der Taliban vertreten. Bereits in der Vergangenheit war vermutet worden, dass der Geheimdienst Verbindungen zu den Taliban unterhält. Aus dem Bericht geht jedoch hervor, dass die Unterstützung der Extremisten sogar zu offiziellen ISI-Politik gehört und sich bis in die höchsten Ebenen der pakistanischen Regierung erstreckt.

So sollen der pakistanische Präsident Asif Ali Zardari und ein ranghoher ISI-Mitarbeiter im Frühjahr rund 50 Taliban-Kämpfer in einem Geheimgefängnis besucht haben. Dort sagte Zardari den Gefangenen nach Angaben eines Augenzeugen, sie seien nur auf Druck der USA festgenommen worden und kämen bald frei. Pakistan werde ihre Operationen weiter unterstützen. Tatsächlich wurde gut die Hälfte der Gefangenen drei Tage später freigelassen.

Dementi von den Streitkräften Pakistans

Die pakistanische Armee wies die Anschuldigungen zurück. Militärsprecher Athar Abbas erklärte, die Vorwürfe entbehrten jeder Grundlage. Er verwies darauf, dass der ISI im Kampf gegen Aufständische im Land schwere Verluste erlitten habe. Allerdings konzentrieren sich die Soldaten in ihrem Kampf auf pakistanische Taliban, die den Staat bekämpfen, und nicht auf die afghanischen Taliban, die gegen die Nato-Truppen kämpfen.

Aggressive Reaktion der USA abgelehnt

Das doppelte Spiel Pakistans könnte sogar zu Gegenmassnahmen der USA führen, hiess es in dem Bericht. Die amerikanische Regierung hat Pakistan seit 2001 mit mehreren Milliarden Dollar im Kampf gegen die Taliban unterstützt. «Ohne eine Änderung im pakistanischen Verhalten wird es schwer, wenn nicht unmöglich für die internationalen Truppen und die afghanische Regierung, im Kampf gegen den Aufstand Fortschritte zu erzielen», erklärten die Autoren. Eine «aggressive amerikanische Reaktion» auf das Verhalten von Pakistan werde jedoch wahrscheinlich nur zu weiterer Instabilität führen.

Für den Bericht wurden mehr als zwölf nicht genannte Taliban-Kommandeure befragt, ausserdem ehemalige Taliban-Kämpfer, westliche Diplomaten und andere.

dapd/raa

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