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«Ich habe meinen Vater seit zwei Monaten nicht gesehen»

Die Rebellen bereiten sich auf die Erstürmung von Bani Walid vor. Ghadhafi-Sohn Saadi soll sich in der Wüstenstadt aufhalten. Auf seinen Bruder Saif al-Islam ist er gar nicht gut zu sprechen.

Libyen ist frei: Frauen und Kinder begrüssen Kämpfer, die aus Sirte nach Benghazi zurückkehren. (22. Oktober 2011)
Libyen ist frei: Frauen und Kinder begrüssen Kämpfer, die aus Sirte nach Benghazi zurückkehren. (22. Oktober 2011)
Keystone
Rauch steigt über dem Quartier in Sirte auf, wo sich Ghadhafi zuletzt versteckt haben soll. (22. Oktober 2011)
Rauch steigt über dem Quartier in Sirte auf, wo sich Ghadhafi zuletzt versteckt haben soll. (22. Oktober 2011)
Reuters
Zehntausende feiern in Benghazi das nahende Ende des Ghadhafi-Regimes. (22. August 2011)
Zehntausende feiern in Benghazi das nahende Ende des Ghadhafi-Regimes. (22. August 2011)
Keystone
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Nach dem Scheitern der Verhandlungen über eine friedliche Übergabe von Bani Walid steht ein Angriff auf die libysche Wüstenstadt möglicherweise kurz bevor. Bani Walid ist eine Hochburg des mächtigen Warfalla-Stammes, der Ghadhafi die Treue hält. Gemäss Angaben der Rebellen harren hier Ghadhafis Söhne Saadi und Mutassim aus. Auch Muammar al-Ghadhafi wird in der Wüstenstadt vermutet. Saadi Ghadhafi jedoch verneint. «Ich habe meinen Vater seit zwei Monaten nicht mehr gesehen», soll er dem CNN-Reporter Nic Robertson gesagt haben. Auch mit Bruder Saif al-Islam hat er keinen Kontakt.

Saadi Ghadhafi hält sich nach eigenen Angaben «ein bisschen ausserhalb» von Bani Walid auf. Er sei neutral und weder auf der Seite seines Vaters noch der Rebellen. «Saadi scheint immer weniger Handlungsspielraum zu haben», folgert Robertson. Gemäss Saadi Ghadhafi seien die Waffenstillstandsverhandlungen wegen einer «aggressiven Rede» seines Bruders, Saif al-Islam, gescheitert. Bereits letzte Woche hatte Saadi mit den Rebellen über eine mögliche Kapitulation verhandelt. Die Gespräche kamen aber zu keinem Ergebnis.

Abadallah Kenschil, der Verhandlungsführer der Rebellen in Bani Walid, glaubt, dass viele Ghadhafi-Mitglieder und Vertraute bereits aus der Wüstenstadt 180 Kilometer südöstlich von Tripolis entkommen sind. Neben Saadi und Mutassim halte sich mit Sicherheit auch Ghadhafis früherer Sprecher Mussa Ibrahim noch dort auf. Auch Ibrahim will in einem Telefongespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters nichts über den Aufenthalt von Muammar al-Ghadhafi wissen. Er wisse einzig, dass er noch in Libyen sei und gut beschützt werde.

Verhandlungen gescheitert

Den Ghadhafi-Getreuen in Bani Walid sei versichert worden, dass sie fair behandelt würden, wenn sie sich ergäben, sagte Kenschil. Er schätzte die Zahl der «schwer bewaffneten» Kämpfer in der Wüstenstadt auf bis zu 50. Die Ghadhafi-Gegner betonten, sie wollten eine friedliche Übergabe erreichen. Gestern Abend erklärte Kenschil die Verhandlungen dann für gescheitert. Ghadhafi-Getreue hätten gefordert, dass die Vertreter der neuen Führung unbewaffnet nach Bani Walid kämen, was wegen einer möglichen Falle eines Hinterhalts aber abgelehnt worden sei.

Auf die Frage, ob die Ghadhafi-Gegner die Stadt nun angreifen würden, sagte Kenschil, er überlasse es dem Kommandeur der Kämpfer, «mit dem Problem umzugehen». Er als Verhandlungsführer habe «nichts weiter anzubieten». Bereits zuvor hatte der Kommandeur des Kontrollpostens Tschitschan rund 70 Kilometer nördlich von Bani Walid die Gespräche für beendet erklärt. «Diese Leute sind nicht ernst zu nehmen», sagte Mohammed al-Fassi. «Sie haben uns zweimal versprochen, aufzugeben, und diese Versprechen nicht eingehalten.» Die Kämpfer würden sich jetzt auf einen Angriff vorbereiten.

Rebellen belagern Sirte

Auch Ghadhafis Geburtsstadt Sirte, 460 Kilometer östlich von Tripolis, ist von den Rebellen umzingelt. Die Gegner Ghadhafis zeigten sich auch dort zuversichtlich. Sie seien bereit, die Stadt zu stürmen, sagten sie. Die Aufständischen erhielten am Wochenende Unterstützung von der Nato. Das Militärbündnis griff Ziele in den verbleibenden Ghadhafi-Hochburgen an. In Bani Walid wurde nach Nato-Angaben unter anderem ein Munitionsdepot getroffen. Auch in Sirte und in der Nähe von Buairat al-Hasun flog die Nato Angriffe auf militärische Ziele. Abdel Hakim Belhaj, Anführer der Truppen der neuen Führung, forderte am Sonntag in der BBC unterdessen eine Entschuldigung aus Washington und London, nachdem bekannt geworden war, dass die Geheimdienste der Länder bei seiner Festnahme geholfen haben sollen. «Was mir passiert ist, war illegal und verdient eine Entschuldigung.» Der Zeitung «The Guardian» sagte Belhaj, er erwäge Klagen gegen beide Länder.

Am Wochenende war bekannt geworden, dass der US-Geheimdienst CIA sowie die britischen Behörden Libyen bei der Gefangennahme und Überstellung Belhajs ihre Hilfe angeboten haben sollen. Der Oppositionelle war 2004 in Bangkok gefasst und nach Libyen gebracht worden. Dort sass er nach eigenen Angaben sieben Jahre im Gefängnis und wurde «regelmässig gefoltert».

Trinkwasser für Tripolis

Den Bewohnern von Tripolis versprach die neue Führung, dass ihre Stadt «in den kommenden Tagen» wieder an die Trinkwasserversorgung angeschlossen sein werde. Ein Militärsprecher des Übergangsrats, Ahmed Bani, sagte, die Kämpfer der Ghadhafi-Gegner hätten die Kontrolle über den Grossteil der wichtigen Versorgungsleitung erlangt, durch die Grundwasser aus der Wüste in den Norden transportiert wird. Bei einem Grossteil der Hauptstadtbewohner fliesst seit Tagen kein Wasser mehr aus der Leitung.

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