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«Ihre Ziele reichen weit über den Irak hinaus»

Die Al-Qaida-Extremisten verteidigen erbittert die eroberten Gebiete im Irak. Ihr Ziel: Die Schaffung einer Reihe von eigenen Mini-Staaten. Die USA sind alarmiert, doch direkt eingreifen wollen sie nicht.

Bis zum frühen Montagmorgen dauerten die Kämpfe zwischen al-Qaida-Mitgliedern und irakischen Regierungstruppen an der Überlandstrasse von Bagdad nach Syrien. (5. Januar 2014)
Bis zum frühen Montagmorgen dauerten die Kämpfe zwischen al-Qaida-Mitgliedern und irakischen Regierungstruppen an der Überlandstrasse von Bagdad nach Syrien. (5. Januar 2014)
Keystone
Die Regierung will die ausser Kontrolle geratenen Städte binnen weniger Tage zurückerobern: Sunnitische Kämpfer in Falluja. (5. Januar 2014)
Die Regierung will die ausser Kontrolle geratenen Städte binnen weniger Tage zurückerobern: Sunnitische Kämpfer in Falluja. (5. Januar 2014)
EPA/Mohammed Jalil
Der Irak ist kein «Leuchtturm der Demokratie» geworden: US-Truppen verlassen das Land im Jahr 2011.
Der Irak ist kein «Leuchtturm der Demokratie» geworden: US-Truppen verlassen das Land im Jahr 2011.
Reuters
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Nach der Eroberung zweier Städte haben al-Qaida-nahe Milizen ihre Positionen in der westirakischen Provinz al-Anbar am Wochenende gehalten. In der Provinzhauptstadt Ramadi gerieten die Dschihadisten unter Druck. Weite Teile der Nachbarstadt Falluja wurden jedoch weiterhin von Kämpfern der Gruppe Islamischer Staat im Irak und der Levante (Isil) beherrscht.

«Die Isil hat ihre Bastionen im Irak genutzt, um in Syrien Fuss zu fassen. Und dann hat sie von ihrer Präsenz in Syrien profitiert, um sich im Irak zu verstärken», erklärt Daniel Byman vom Saban Zentrum für Nahostpolitik.

Mit der Eroberung von Falluja und mehreren Stadtteilen von Ramadi hat die Isil eine neue Etappe im Kampf für einen «Islamischen Staat» im Westirak eingeläutet. «Schon seit einiger Zeit gewinnt die Isil in Anbar an Macht und Gebietskontrolle», berichtet Charles Lister, ein Experte am Brookings Doha Center.

«Ihre Ziele reichen weit über den Irak hinaus. Aber das Bestreben, einen islamischen Staat in der gesamten Levante zu etablieren, kann nur über die vorherige Schaffung einer Reihe von Mini-Staaten verwirklicht werden, die sie kontrolliert», analysiert Lister.

«Sache der Iraker»

Die USA zeigten sich ob der Stärke der Islamisten alarmiert. Aussenminister John Kerry machte am Sonntag aber deutlich, dass der irakische Regierungschef Nouri al-Maliki nicht auf direkte Truppenhilfe der USA bei der Vertreibung der Dschihadisten rechnen kann.

Kerry sagte vor Journalisten in Jerusalem, Washington sei zwar sehr besorgt über die aktuelle Entwicklung in al-Anbar. Er betonte jedoch gleichzeitig: «Dieser Kampf ist Sache der Iraker.» Eine Rückkehr amerikanischer Truppen in den Irak sei ausgeschlossen.

In der Provinzhauptstadt Ramadi boten am Samstag und Sonntag nur Stammeskämpfer und lokale Polizeikräfte, den islamistischen Rebellen die Stirn. Soldaten waren nicht im Einsatz. Der Stammesführer Ahmed Abu Rischa sagte dem Fernsehsender al-Arabiya, man habe die Isil-Kämpfer «zu 90 Prozent» aus Ramadi vertrieben.

Armee plant Offensive

Die irakische Armee plant offenbar eine Offensive zur Rückeroberung von Falluja. «Die irakischen Streitkräfte bereiten einen Grossangriff auf Falluja vor», sagte am Sonntag ein hochrangiger Regierungsmitarbeiter der Nachrichtenagentur AFP.

Spezialkräfte des Militärs seien bereits in der Stadt im Einsatz. Derzeit marschiere die Armee rund um Falluja auf. Den Einwohnern solle ermöglicht werden, die Stadt zu verlassen, bevor dann der «Angriff zur Niederschlagung der Terroristen» gestartet werde, sagte der Vertreter.

Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Bagdad waren am Samstag bei «Angriffen der Armee in Zusammenarbeit mit den Stämmen» in der Provinz al-Anbar 55 Terroristen getötet worden. Die Kämpfer der Isil, die ideologisch dem Al-Qaida-Netzwerk zuzuordnen ist, waren in der vergangenen Woche in mehrere Städte der westlichen Wüstenprovinz einmarschiert, nachdem sich die Armee zurückgezogen hatte.

Anschläge in Bagdad

In Bagdad zündeten Terroristen am Sonntag mehrere Sprengsätze. Mindestens 15 Menschen wurden getötet und 40 verletzt. Die Opfer waren grösstenteils Zivilisten.

Die US-Armee war 2003 im Irak einmarschiert und hatte den Diktator Saddam Hussein gestürzt. Nach dem vollständigen Zusammenbruch der Staatsmacht bemühten sich die Amerikaner vergeblich, eine stabile Nachkriegsordnung zu installieren. Im Dezember 2011 verliessen die letzten US-Truppen den Irak.

SDA/fko

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