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Terroristen waren als Frauen verkleidet

Zu den Anschlägen in Teheran hat sich die IS-Terrormiliz bekannt. Die iranischen Revolutionsgarden vermuten allerdings Washington und Riad dahinter.

Angriff mit Pistole und Sturmgewehren: Zwei Tote und über 30 Verletzte. (Video: Tamedia/AFP)

Die beiden Attacken auf das iranische Parlament und das Mausoleum des verstorbenen schiitischen Ajatollahs Ruhollah Chomeini in Teheran kosteten zwölf Personen das Leben. 42 weitere Menschen wurden verletzt. Zudem starben nach Angaben des iranischen Geheimdienstes alle sechs Terroristen.

Bewaffnete und Selbstmordattentäter hatten das Parlament gestürmt und das Mausoleum angegriffen. Die Terrormiliz Islamischer Staat reklamierte die Taten für sich. Das IS-Sprachrohr Amak meldete, IS-«Kämpfer» hätten die Anschläge verübt. Es veröffentlichte ein Video der Angreifer aus dem Parlament, während der Angriff noch lief, was äusserst selten ist.

Gemäss der iranischen Revolutionsgarden sollen die USA und Saudiarabien in den Anschlag verwickelt sein. Dass US-Präsident Donald Trump kurz zuvor «eine der reaktionärsten Regierungen in der Region» besucht habe, sei «sehr bedeutungsvoll» und «zeige, dass sie in diese grausame Aktion verwickelt» seien, erklärte die Eliteeinheit heute mit Blick auf Trumps Besuch in Riad.

Chaos in der iranischen Hauptstadt: Polizeiautos fahren nach dem Doppelanschlag durch Teheran. (7. Juni 2017)
Chaos in der iranischen Hauptstadt: Polizeiautos fahren nach dem Doppelanschlag durch Teheran. (7. Juni 2017)
Atta Kenare, AFP
Ein Polizist nähert sich einem am Boden liegenden Attentäter.
Ein Polizist nähert sich einem am Boden liegenden Attentäter.
Ebrahim Noroozi/AP
Auch beim Mausoleum für Revolutionsführer Ayatollah Khomeini wurden mehrere Menschen verletzt.
Auch beim Mausoleum für Revolutionsführer Ayatollah Khomeini wurden mehrere Menschen verletzt.
Atta Kenare, AFP
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Als Frauen verkleidet

Vier Männer schlichen sich laut iranischem Innenministerium als Frauen verkleidet ins Parlament. Drei von ihnen wurden erschossen und einer sprengte sich in die Luft, wie Medien berichteten. Über Stunden waren Schüsse im Parlament zu hören, bevor die Polizei zum Sturm auf die Angreifer ansetzte.

Der Anschlag ereignete sich, während die Abgeordneten gerade eine Sitzung abhielten. Fernsehbilder zeigten, wie die Parlamentarier ungerührt ihre Debatte fortsetzten. Parlamentspräsident Ali Laridschani bezeichnete die Angriffe als «nebensächliche Angelegenheit». Er zeigte sich überzeugt, dass die Sicherheitskräfte damit fertig werden würden.

Weiteres Attentat vereitelt

Am Mausoleum des verstorbenen Revolutionsführers Ayatollah Ruhollah Khomeini sprengte sich eine Frau in die Luft. Der zweite Angreifer wurde laut dem Innenministerium erschossen. Zuvor war dort von zwei Selbstmordattentätern die Rede gewesen.

Sicherheitskräfte riegelten das Parlament und das Grabmal ab, das an der Autobahn zur Theologenstadt Ghom südlich von Teheran liegt. Teile der U-Bahn von Teheran wurden geschlossen.

Das Geheimdienstministerium erklärte am Mittwoch, eine dritte Gruppe von «Terroristen» sei vor den Angriffen ausgeschaltet worden. Innenminister Abdolrahman Fasli berief eine Krisensitzung ein. «Dieser Angriff wird die Haltung unseres Volkes gegen den Terror stärken», sagte Irans Aussenminister Mohammed Dschawad Sarif bei einem Besuch in Ankara.

Wiederholt mit Angriffen gedroht

Die Türkei, Syrien, Irak, Russland und Frankreich verurteilten den Doppelanschlag ebenso wie die Vereinigten Arabischen Emirate, die dem Iran sehr kritisch gegenüberstehen. Das US-Aussenministerium schrieb in einer kurzen Mitteilung: «Wir drücken den Opfern und ihren Familien unser Beileid aus, und wir senden dem iranischen Volk unsere Gedanken und Gebete.»

Der Iran unterstützt im syrischen Bürgerkrieg Machthaber Baschar al-Assad sowie schiitische Milizen im Irak. Die Beziehungen zu Saudiarabien und anderen Golfstaaten sind sehr angespannt. Die USA haben unter Präsident Donald Trump den Kurs gegenüber dem Iran verschärft.

Der IS hatte dem überwiegend schiitischen Iran wiederholt mit Angriffen gedroht. Im März veröffentlichte er ein Video auf Persisch, in dem er drohte, den Iran zu erobern und «der sunnitischen muslimischen Nation zurückzugeben». Wie andere sunnitische Extremisten betrachtet die IS-Miliz Schiiten als Ungläubige und verübt regelmässig Anschläge gegen sie.

Erst am Sonntag hatte Irans geistliches Oberhaupt Ayatollah Ali Khamenei im Mausoleum bei einer Kundgebung zum 28. Todestag Khomeinis dem Westen eine verfehlte Strategie gegen Jihadisten vorgeworfen. Khomeini hatte 1979 die Islamische Revolution im Iran nach dem Sturz von Schah Reza Pahlavi angeführt und das Land zu einer Islamischen Republik umgestaltet.

AP/chi/fal

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