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Im Rollstuhl an die Urne

Der gesundheitlich stark angeschlagene algerische Staatschef Bouteflika steht vor seiner vierten Amtszeit. Die Älteren sehen in ihm einen Garanten für Stabilität, die Jüngeren ein Symbol eines erstarrten Systems.

Erlitt im vergangenen Jahr einen Schlaganfall: Präsident Bouteflika gibt seine Stimme ab. (17. April 2014)
Erlitt im vergangenen Jahr einen Schlaganfall: Präsident Bouteflika gibt seine Stimme ab. (17. April 2014)
Reuters
Fünf Kandidaten traten zur Präsidentschaftswahl an. (17. April 2014)
Fünf Kandidaten traten zur Präsidentschaftswahl an. (17. April 2014)
Keystone
Sowohl vor den Wahlen als auch am Wahltag selber kam es in Algerien zu Unruhen. (17. April 2014)
Sowohl vor den Wahlen als auch am Wahltag selber kam es in Algerien zu Unruhen. (17. April 2014)
AFP
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Die Algerier haben am Donnerstag einen neuen Präsidenten gewählt. Das Ergebnis wurde erst für Freitag erwartet, doch der gesundheitlich angeschlagene Amtsinhaber Abdelaziz Bouteflika wurde schon vor der Wahl als voraussichtlicher Sieger gehandelt. Er geniesst die Unterstützung des mächtigen Militärs und des Geheimdienstes.

Mit Spannung wurde angesichts des absehbaren Ergebnisses vor allem die Höhe der Wahlbeteiligung erwartet. Nach Angaben des Innenministeriums lag sie am frühen Nachmittag bei 24 Prozent und damit doppelt so hoch wie zum gleichen Zeitpunkt bei der Wahl 2004. Der 77-jährige Bouteflika war zuletzt 2009 wiedergewählt worden, damals mit offiziell mehr als 90 Prozent der Stimmen bei einer Beteiligung von fast 75 Prozent. Internationale Wahlbeobachter hatten diese Zahlen aber stark angezweifelt. Insgesamt waren diesmal 23 Millionen Wähler registriert.

186'000 Polizisten im Einsatz

Als aussichtsreichster unter den fünf Gegnern Bouteflikas galt der ehemalige Ministerpräsident Ali Benflis, der angekündigt hatte, Beobachter in jedem der 60'000 Wahllokale im ganzen Land zu platzieren und jeglichen Betrug anzuprangern. In den vergangenen Wochen war es in dem vom Arabischen Frühling weitgehend unberührten Land zu mehreren Demonstrationen einer Protestbewegung namens «Barakat» («Genug») gekommen, bei denen vor allem junge Menschen der Regierung vorwarfen, ihnen keine Perspektiven zu bieten.

Auch am Wahltag selbst gab es eine kleine Kundgebung gegen Bouteflika, die aber rasch von der Polizei aufgelöst wurde. Insgesamt waren nach Angaben der Regierung 186'000 Polizisten im Einsatz, um eine sichere Wahl zu gewährleisten.

Nach dem Bürgerkrieg für Stabilität gesorgt

Der Präsident ist seit seinem Schlaganfall im vergangenen Jahr kaum öffentlich aufgetreten, im dreiwöchigen Wahlkampf liess er sich von Vertrauten vertreten, weil er grosse Probleme beim Gehen und Sprechen hat. Am Donnerstagmorgen wurde er in einem Rollstuhl zur Stimmabgabe in ein Wahllokal gebracht, wie im Staatsfernsehen zu sehen war. Er lächelte kurz, gab aber keinen Kommentar ab. Für Bouteflika wäre es die vierte Amtszeit, was nur durch eine Verfassungsänderung möglich wurde.

Viele der Wähler des Amtsinhaber - vor allem die älteren - begründeten ihre Stimme für Bouteflika damit, dass er nach dem blutigen Bürgerkrieg mit 200'000 Toten in den 1990ern für Stabilität gesorgt habe. So wie Sonia Izem, die ihre Stimme für Bouteflika in dem Viertel Bab el-Oued abgab, wo einst die Sicherheitskräfte gegen die islamistischen Rebellen gekämpft hatten. Sie glaubt auch, dass die Korruption in der vierten Amtszeit Bouteflikas abnehmen wird und begründet das sehr pragmatisch: «Die Leute um ihn herum haben schon viel gestohlen und ihre Säckel fast schon gefüllt und jetzt müssen sie in der nächsten Amtszeit nicht mehr so viel stehlen. Wenn wir jemand neuen hereinholen, müssen die wieder von vorne anfangen zu stehlen.»

SDA/ldc

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