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Irak ist für Osama Bin Laden verloren

Al-Qaida ist für die irakische Regierung keine existenzielle Bedrohung mehr. Rekruten des Terrornetzwerks gehen jetzt vermehrt nach Afghanistan.

Die Nummer zwei von al-Qaida im Irak, Abu Qaswarah, ist bei einer Militäraktion in Mosul getötet worden. Das bestätigte das US-Militär am Mittwoch. Der Marokkaner war der Emir im Nordirak und hatte enge Kontakte zu Al-Qaida-Führern in Afghanistan und Pakistan. Sein Tod ist ein weiterer Schlag für das Terrornetzwerk, das auf seinen Webseiten bereits zugibt, dass man den Irak verloren hat. Die US-Armee hat eine Reihe von Briefen zwischen dem Al-Qaida-Vize Ayman al-Zawahiri und dem Al-Qaida-Chef im Irak, Abu Ayyub al-Masri, abgefangen, die Spaltungen in der Organisation, Versagen der Führung und Probleme mit der Kommunikation und der Propaganda offenlegen. Heute ist al-Qaida vor allem noch in der Provinz Diyala im Osten von Bagdad aktiv. Dort verübt sie weiterhin Selbstmordanschläge und geniesst noch eine gewisse Bewegungsfreiheit.

Insgesamt ist die religiös motivierte Gewalt in den letzten zwölf Monaten um 96 Prozent gefallen. Wie das Pentagon in einem neuen Bericht festhält, gab es in den Sommermonaten 26 Morde mit religiösem Hintergrund, im Vorjahr waren es im gleichen Zeitraum über 1200. Geblieben ist aber eine extreme Polarisierung der irakischen Gesellschaft entlang von religiösen Bruchlinien.

Al-Qaidas personelle und finanzielle Quellen im Irak versiegen zusehends. Ausländische Kämpfer, die den Geldfluss sicherstellten und für viele Selbstmordattentate verantwortlich zeichneten, kommen noch etwa 20 pro Monat ins Land; vor einem Jahr waren es noch über 100.

Drei Faktoren haben zu dieser Entwicklung beigetragen: Nachbarstaaten wie Saudiarabien und Syrien, aber auch Herkunftsländer wie Marokko sind entschieden gegen al-Qaida vorgegangen; zweitens war die grosse amerikanische Militäroperation und der verstärkte Einsatz der irakischen Armee hauptsächlich gegen al-Qaida gerichtet; und drittens die Abkehr sunnitischer Stämme, von denen sich viele in den Sahwa-Milizen organisiert haben und nun mit den USA gegen al-Qaida vorgehen. Die hohe Zahl ziviler Opfer unter Muslimen und die Unterstützung durch den Iran habe dieses Umdenken bewirkt, meinte kürzlich ein Sahwa-Führer im Gespräch.

US-General David Petraeus, der bis vor kurzem die US-Truppen im Irak kommandierte, sagte, es gebe Anzeichen, dass die Al-Qaida-Führung gedenke, ihren Aktionsschwerpunkt vom Irak nach Afghanistan zu verlegen. Terrorexperten gehen davon aus, dass nicht Kämpfer aus dem Irak abgezogen, sondern neu rekrutierte Militante verstärkt nach Afghanistan, aber auch Pakistan, Saudiarabien und in den Maghreb dirigiert werden.

Diese Einschätzung bestätigte der afghanische Verteidigungsminister General Abdul Rahim Wardak, der gegenüber der «New York Times» erklärte, der verstärkte Zustrom von gut ausgerüsteten und gut ausgebildeten Guerillas aus dem Ausland habe in diesem Jahr zu einer Intensivierung der Kämpfe geführt. Wardak bezeichnete das laufende Jahr als das schlimmste seit dem Sturz der Taliban 2001. Laut den USA ist die Gewalt in Afghanistan 2008 um 30 Prozent gestiegen.

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