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Iranische Hauptstadt sackt gefährlich ab

In den letzten Jahrzehnten ist der Grundwasserspiegel in Teheran um zwölf Meter gesunken. Die Folgen sind gefährliche Hohlräume und vermehrte Überschwemmungen.

Die iranische Hauptstadt verbraucht mehr Wasser, als in die unterirdischen Reservoirs nachfliessen kann: Blick auf Teheran. (Foto: Peter Klaunzer/Keystone)
Die iranische Hauptstadt verbraucht mehr Wasser, als in die unterirdischen Reservoirs nachfliessen kann: Blick auf Teheran. (Foto: Peter Klaunzer/Keystone)

Teile der iranischen Hauptstadt Teheran versacken im Untergrund. Die Ursache sei fehlendes Grundwasser, heisst es in einer aktuellen Studie. Den Effekt kannte man bislang unter anderem aus Mexiko-Stadt, wo die Innenstadt in den vergangenen Jahren um mehrere Meter abgesunken ist. Die natürlichen Wasserreservoirs im Untergrund werden abgesaugt, schneller, als das Wasser nachfliessen kann, und der Erdboden darüber sackt mit alarmierender Geschwindigkeit ab. Dies haben Experten des Deutschen Geoforschungszentrums Potsdam (GFZ) nun auch in Teheran gemessen.

Die Metropolregion mit ihren geschätzt 20 Millionen Einwohnern sowie die Landwirtschaftsbetriebe der weiteren Umgebung verbrauchen sehr viel mehr Wasser, als der Untergrund natürlicherweise hergibt. So kommt es, dass Teile des Stadtgebiets wie auch Flächen in der weiteren Umgebung mit beträchtlicher Geschwindigkeit absinken – zum Teil um einen Viertelmeter pro Jahr. Das berichten Mahdi Motagh und Mahmud Haghshenas Haghighi aus der Sektion Fernerkundung des GFZ im Fachjournal Remote Sensing of Environment.

Der hohe Wasserverbrauch ist nicht nur den urbanen Haushalten geschuldet. Der Iran hat in den vergangenen 40 Jahren die Landwirtschaft im fruchtbaren Norden des Landes, wo auch Teheran liegt, massiv ausgebaut. Grosse Mengen Wasser werden für die Landwirtschaft gebraucht.

Zu der vielerorts unregulierten Wasserentnahme kommen Staudämme hinzu, welche die Regierung zur Unterstützung der Bauern gebaut hat. Das dort aufgestaute Wasser kann nicht mehr in die natürlichen Grundwasserreservoirs fliessen.

Der massiv zunehmende Wasserverbrauch zeigt sich oberirdisch auch am Urmiasee im Nordwesten des Landes. Das Binnengewässer, einst zehnmal so gross wie der Bodensee, ist in den vergangenen Jahren mit erschreckender Geschwindigkeit ausgetrocknet. Der Salzgehalt gleicht bereits dem des Toten Meers zwischen Israel und Jordanien. Von der ursprünglichen Fläche ist nur noch ein Bruchteil übrig.

Bereits bekannt war, dass der Grundwasserspiegel im Stadtbereich von Teheran zwischen 1984 und 2011 um zwölf Meter gesunken ist. Motagh und Haghshenas vom GFZ haben nun das Absinken des Bodens in der Metropolregion von Teheran ebenso wie in der weiteren Umgebung mit Radarsatellitendaten dokumentiert.

Das Absacken des Erdbodens betrifft etwa ein Zehntel der urbanen Fläche und erstreckt sich weit in die Aussenbereiche der grössten Metropole Westasiens – sogar bis zu dem weit ausserhalb liegenden internationalen Flughafen, wo die Sinkrate des Bodens fünf Zentimeter pro Jahr beträgt.

Als Datenquelle dienten mehrere Erdbeobachtungssatelliten, welche die Oberfläche des Planeten mit Mikrowellen abtasten. Der europäische Satellit Sentinel-1 liefert zum Beispiel alle zwölf Tage ein präzises Bild der Topologie Teherans und seiner weiteren Umgebung. Es zeigt sich, dass einige Gebiete zwischen 2003 und 2017 mit der erschreckenden Rate von 25 Zentimetern pro Jahr absinken. Das erklärt Risse in Gebäuden und Spalten im Erdreich, die in den vergangenen Jahren beobachtet wurden. Im Südwesten Teherans mussten bereits mehrere instabil gewordene Gebäude abgerissen werden. Im ländlichen Südosten der iranischen Hauptstadt sind kilometerlange Risse im Erdboden zu sehen.

Das Absenken des Erdbodens führt unterdessen auch dazu, dass die unterirdischen Hohlräume für Grundwasser verschwinden und der ursprüngliche Zustand sich nie wieder einstellen wird. Weil dadurch Regenwasser schlechter abfliesst, erhöht sich zudem die Gefahr von Überschwemmungen.

Von dem in der Fachwelt «Subsidenz» genannten Phänomen sind nicht nur Metropolen von Schwellenländern betroffen (in Indonesiens Hauptstadt Jakarta wurden 20 Zentimeter pro Jahr gemessen), sondern auch Industrienationen. In Teilen Kaliforniens sackt der Erdboden mit ähnlicher Geschwindigkeit ab.

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