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IS 2.0

Der angeblich tote Abu Bakr al-Baghdadi hat sich nach einem Jahr wieder zu Wort gemeldet. Der IS-Führer gibt Befehle aus.

Das bisher letzte Foto stammt von 2014: Abu Bakr al-Baghdadi in der Al-Nuri-Moschee in Mosul, wo er das IS-Kalifat ausrief.
Das bisher letzte Foto stammt von 2014: Abu Bakr al-Baghdadi in der Al-Nuri-Moschee in Mosul, wo er das IS-Kalifat ausrief.

Abu Bakr al-Baghdadi ist in den letzten Jahren mehrmals tot gemeldet worden. Eine Bestätigung dafür gab es jedoch nie. Der IS hat nun eine Audiobotschaft veröffentlicht, die seinem Anführer zugeschrieben wird. Die über mehrere Propagandakanäle der Terrormiliz verbreitete Rede muss aus jüngerer Zeit stammen, weil sie unter anderem aktuelle Entwicklungen im Nahen Osten thematisiert. In der Botschaft geht es aber vor allem darum, den Anhängern zu versichern, dass der IS niemals aufgeben wird, obwohl er 90 Prozent seiner Gebiete im Irak und in Syrien verloren hat.

Namhafte Jihadismus-Experten wie Rita Katz vom US-Monitoring-Unternehmen Site gehen davon aus, dass die knapp einstündige Tonaufnahme mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit vom IS-Anführer stammt. Charlie Winter vom Forschungsinstitut ICSR des King’s College in London sagte der BBC, dass es sich eindeutig um Baghdadi handle. «Er hat eine ziemlich gut erkennbare Stimme und Art zu sprechen.»

Aufruf zu Terroranschlägen

In der Audiobotschaft des IS heisst es, dass die Frage nach Sieg oder Niederlage nicht an bestimmte Orte oder Terrritorien gebunden sei. Der IS werde sich nicht von der Überlegenheit einer Luftwaffe, von Interkontinentalraketen oder intelligenten Bomben seiner Gegner unterwerfen lassen. Die Kapitulation der Rebellen im Süden Syriens vor dem Regime von Präsident Bashar al-Assad sei «eine Vereinbarung der Demütigung» und der Waffenstillstand «eine Schande». Der Jihad soll fortgesetzt werden. Als Vorbild dienen die IS-Anhänger, die in den letzten Jahren Attentate im Westen verübt haben.

Die IS-Anhänger sollen nun weltweit in ihren Ländern weiteren Terror verbreiten. «Mit Messern, Bomben und Fahrzeugen» sollen sie die Ungläubigen attackieren. Darin sieht IS-Expertin Rita Katz, wie sie in einem Tweet schreibt, die sogenannten einsamen Wölfe in einer zentrale Rolle bei den terroristischen Aktionen des IS. Baghdadis Botschaft macht ein Versprechen: «Diejenigen, die den Jihad fortsetzen, werden siegreich daraus hervorgehen, auch wenn es eine gewisse Zeit dauern wird.»

Die bisher letzte Tonaufnahme, die Baghdadi zugeschrieben wird, stammt aus dem September 2017. Nach Angaben eines irakischen Geheimdienstvertreters vom letzten Mai soll der IS-Anführer sich in Syrien unweit der Grenze zum Irak aufhalten.

«Das ist die alte Strategie von al-Qaida»

Der ägyptische Terrorexperte Nabil al-Fattah spricht von einem Neubeginn des IS, von einem IS 2.0, wie er der «Huffington Post» sagte. Nach dem Verlust des selbst ernannten Kalifats in Syrien und im Irak sei der Traum von einem Staat mit eigenem Territorium und eigenen Gesetzen vorbei.

Für den Neubeginn plädiere der IS-Anführer für eine Strategie des Terrors, erklärte Fattah, Direktor des Instituts für strategische Studien an der Al-Ahram-Universität in Kairo. «Das ist die alte Strategie von al-Qaida», so Fattah, «die Strategie des Terrors auf der ganzen Welt mit dem Ziel eines globalen Triumphes des Heiligen Krieges.»

Am Donnerstag, am Tag nach der IS-Audiobotschaft, hat sich interessanterweise auch der Chef von al-Qaida, Ayman al-Zawahiri, zu Wort gemeldet. In seiner Ansprache rief Zawahiri zur Einigkeit aller Muslime und zum gemeinsamen Kampf auf.

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