Zum Hauptinhalt springen

IS wütet in Provinzhauptstadt

Das irakische Militär ist aus Ramadi geflohen, Panzer und Waffen liessen sie zurück. Die Terrormiliz IS verübt Massenmorde.

Vom Islamischen Staat vertrieben: Irakische Truppen ziehen sich aus der westirakischen Stadt Ramadi zurück. (17. Mai 2015)
Vom Islamischen Staat vertrieben: Irakische Truppen ziehen sich aus der westirakischen Stadt Ramadi zurück. (17. Mai 2015)
AP Photo
Die Terrormiliz soll Massenmorde an Zivilisten und Sicherheitskräften verübt haben: Rauch über Ramadi nach einem Bombenanschlag. (15. Mai 2015)
Die Terrormiliz soll Massenmorde an Zivilisten und Sicherheitskräften verübt haben: Rauch über Ramadi nach einem Bombenanschlag. (15. Mai 2015)
Stringer, Reuters
Das Hab und Gut in der Schubkarre: Flüchtlinge aus Ramadi rasten in einer Ortschaft westlich von Bagdad. (16. Mai 2015)
Das Hab und Gut in der Schubkarre: Flüchtlinge aus Ramadi rasten in einer Ortschaft westlich von Bagdad. (16. Mai 2015)
AP Photo/Hadi Mizban
1 / 5

Die Terrormiliz Islamischer Staat hat bei der Eroberung der westirakischen Stadt Ramadi offenbar Massenmorde an Zivilisten und Sicherheitskräften verübt. Dutzende Polizisten, Anhänger der Regierung und deren Frauen und Kinder seien auf den Strassen oder in ihren Häusern erschossen worden, sagte Bürgermeister Dalaf al-Kubaisi. Allein in den vergangenen zwei Tagen seien mehr als 250 Menschen getötet worden. In Scharen flohen irakische Truppen aus der Hauptstadt der Provinz Anbar. Verstärkte Luftangriffe der US-geführten Koalition auf Stellungen der IS-Miliz hatten den Rückschlag für die Regierung in Bagdad nicht abwenden können.

«Ramadi ist gefallen», bestätigte Muhannad Haimour, der Sprecher des Gouverneurs der Provinz Anbar. «Das Militär flieht.» Auf Internetvideos war zu sehen, wie gepanzerte Wagen Ramadi in hohem Tempo verliessen. Soldaten liessen Augenzeugenberichten zufolge Artilleriegeschütze, Sturmgewehre und rund 30 Fahrzeuge, darunter Panzer, zurück.

Dennoch gab Regierungschef Haider al-Abadi den Befehl aus, die Armee müsse ihre Positionen in Anbar halten. Zudem ordnete er schiitische Milizen an, sich für einen dortigen Einsatz zu rüsten. Damit setzte sich Al-Abadi über US-Bedenken hinweg, dass die Präsenz von Schiiten in der überwiegend von Sunniten bewohnten Provinz zu religiös motivierter Gewalt führen könne.

Entscheidende Gefechte

Am Sonntagabend traf bereits ein Grossaufgebot an schiitischen Milizen in einer Militärbasis nahe Ramadi ein - offenbar für eine mögliche Gegenoffensive, wie der Führer des Provinzrats von Anbar, Sabah Karhut, sagte. Naeem al-Gauud, ein sunnitischer Stammesführer, begrüsste jedoch die Ankunft der Kämpfer. «Wir heissen jede Gruppe willkommen - darunter schiitische Milizen, die uns bei der Befreiung der Stadt von den Extremisten helfen. Heute ist eine grosse Niederlage passiert, die durch Mangel an guter Planung vonseiten des Militärs verursacht wurde», sagte er. Al-Gauud beklagte den Tod von Stammeskämpfern, die versucht hätten, Ramadi zu verteidigen. Einige der teils verkohlten Leichen seien auf die Strassen geworfen, andere in den Fluss Euphrat geworfen worden.

Vergangene Woche hatten IS-Jihadisten Ramadi überrannt und Regierungsgebäude sowie Schlüsselbezirke besetzt. Am Sonntag gab es dann die entscheidenden Gefechte zwischen den Extremisten und den irakischen Sicherheitskräften, die letzte Posten im südlichen Stadtteil Malaab verteidigten. Zuvor hatten sich mehrere Selbstmordattentäter mit ihren Fahrzeugen in die Luft gesprengt und mindestens zehn Polizisten getötet. Der IS besetzte auch die für ganz Anbar zuständige Kommandozentrale in Malaab.

Zusätzliche Truppen

Der jüngste Rückschlag für die irakische Armee kommt nur einen Tag, nachdem die Regierung zusätzliche Truppen in die Stadt geschickt hatte. Noch am Samstag hatte ein Sprecher des irakischen Militärs verkündet, der IS werde «in den kommenden Stunden» aus der Stadt gedrängt. Die US-geführte Militäraktion meldete am Sonntag sieben Luftangriffe auf Stellungen in Ramadi in den vergangenen 24 Stunden.

Die Niederlage stellt die Strategie der USA infrage, nur auf diese Attacken als Unterstützung der irakischen Armee zu setzen. Andererseits trugen Luftangriffe dazu bei, dass die Truppen und kurdische Kämpfer landesweit bereits einige Bodengewinne gegen den IS erzielen konnten, darunter die Rückeroberung der Stadt Tikrit. Der IS kontrolliert jedoch immer noch etwa ein Drittel des irakischen Territoriums.

(AP)

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch