Israel dreht den Gaza-Stromhahn weiter zu

Die Bevölkerung im Gazastreifen hat vier Stunden Strom pro Tag. Im Machtkampf zwischen der Fatah und Hamas wird daraus nun weniger.

Ein palästinensisches Mädchen kauft während eines Stromunterbruchs im al-Shati-Flüchtlingslager in Gaza City ein. (11. Juni 2017)

Ein palästinensisches Mädchen kauft während eines Stromunterbruchs im al-Shati-Flüchtlingslager in Gaza City ein. (11. Juni 2017) Bild: Mahmud Hams/AFP

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Israel will die Stromversorgung im Gazastreifen weiter reduzieren. Das Sicherheitskabinett von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu habe dies beschlossen, berichteten israelische Medien heute.

Die Entscheidung vom Sonntag folge einer Bitte des Palästinenserpräsidenten Mahmud Abbas. Er wolle damit Druck auf die Führung der mit seiner Fatah-Organisation rivalisierenden Hamas ausüben. Es wird jedoch befürchtet, dass sich die humanitäre Lage im Gazastreifen weiter verschlimmern und dies wiederum zu einer neuen Eskalation der Gewalt zwischen Israel und der Hamas führen könnte.

Abbas stoppt die Zahlungen

Die rund zwei Millionen Einwohner des schmalen Küstenstreifens leben bereits seit Jahren mit ständigen Stromausfällen. Zuletzt gab es nur noch rund vier Stunden am Tag Strom. Das einzige Kraftwerk in der Palästinenserenklave am Mittelmeer wurde vor zwei Monaten wegen Treibstoffmangels abgeschaltet.

Ein Teil des Stroms wird aus Israel nach Gaza geliefert, bisher zahlte dafür die Palästinenserbehörde von Abbas. Im vergangenen Monat erklärte Abbas jedoch nach Medienberichten, er wolle die Zahlungen stoppen.

Hintergrund ist ein Machtkampf zwischen seiner Fatah und der Hamas, die vor zehn Jahren gewaltsam die alleinige Kontrolle im Gazastreifen an sich gerissen hatte. Bisher hatte Israel den Gazastreifen dennoch weiter mit Strom beliefert. Man dürfe sich nicht im innerpalästinensischen Machtkampf instrumentalisieren lassen, warnte Energieminister Juval Steinitz. (sep/sda)

Erstellt: 12.06.2017, 11:55 Uhr

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