Israel greift Dutzende Ziele in Syrien an

Die Attacke der Kampfjets richtete sich auch gegen iranisch kontrollierte Ziele. Die israelische Armee reagierte damit auf Raketen, die auf die Golanhöhen abgefeuert worden waren.

Ein Bild der Agentur Sana zeigt Schäden an einem Gebäude westlich von Damaskus. (20. November 2019) Foto: Keystone

Ein Bild der Agentur Sana zeigt Schäden an einem Gebäude westlich von Damaskus. (20. November 2019) Foto: Keystone

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Es ist ungewöhnlich, dass die israelische Armee Informationen über Angriffe in Syrien veröffentlicht. Diesmal gab es sogar ausführliche Angaben: Kampfjets hätten «Dutzende» militärische Ziele der iranischen Quds-Brigaden und von syrischen Kräften angegriffen, hiess es in einer Mitteilung. Militärische Basen, Lagerräume und Boden-Luft-Raketen seien attackiert worden. Nach Beschüssen seien auch syrische Abwehrsysteme angegriffen worden. Auf einer von der Armee veröffentlichten Landkarte wurden Ziele rund um Damaskus und in der Nähe der Golanhöhen markiert.

Laut israelischen Medienberichten sollen rund zwanzig Ziele getroffen worden sein. Darunter soll sich auch das Hauptquartier der iranischen Quds-Brigaden am Flughafen von Damaskus befinden. Die israelische Armee soll vermieden haben, das S-300-Abwehrsystem und damit russische Ziele zu bombardieren. Nach Angaben der offiziellen syrischen Nachrichtenagentur Sana wurden Ziele in der Nähe von Damaskus angegriffen. In den sozialen Medien kursierten Bilder, die Explosionen über der syrischen Hauptstadt zeigten.

Nach den Angriffen erklärte ein Armeesprecher, man sei auf mögliche Reaktionen vorbereitet. Für die Bevölkerung auf den dünn besiedelten, von Israel annektierten Golanhöhen wurden allerdings keine besonderen Verhaltensmassnahmen erlassen. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu erklärte nach den Bombardierungen in Syrien: «Wir haben deutlich gemacht: Jeder der uns angreift, den greifen wir an. Das haben wir mit den Angriffen gegen militärische Ziele der iranischen Quds-Kräfte und der syrischen Kräfte gemacht.»

Die israelische Armee reagierte damit auf vier Raketen, die in der Nacht auf Dienstag auf die von Israel annektierten Golanhöhen abgefeuert worden waren. Das Abwehrsystem Iron Dome (Eisenkuppel) hatte sie abgefangen. Israels Aussenminister Israel Katz hat Iran beschuldigt, hinter dem Beschuss zu stehen. Israel sieht in dem Raketenbeschuss einen Beweis dafür, dass sich iranische Kräfte immer mehr im Nachbarland Syrien ausbreiten. Bisher hatte es nur selten Raketenbeschuss aus Syrien Richtung Israel gegeben.

120'000 Raketen in Depot im Libanon

Iranische Quds-Brigaden haben während des seit sieben Jahren andauernden Bürgerkriegs die Truppen von Präsident Baschar al-Assad unterstützt. Israel sieht Iran als grösste Bedrohung für seine Sicherheit, weil zu Teherans Verbündeten auch die Hisbollah-Miliz im Nachbarland Libanon gehört. Die Hizbollah verfügt über ein weitaus grösseres und moderneres Raketenarsenal als die Gruppen im Gazastreifen. Israelische Experten gehen von einem mit 120'000 Raketen gefüllten Depot im Libanon aus, im Gazastreifen sollen die Gruppen über rund 20'000 verfügen.

Die im Gazastreifen operierende Gruppe Islamischer Jihad wird ebenfalls von Iran gestützt. Der Raketenbeschuss auf die Golanhöhen in der Nacht zum Dienstag wurde wiederum als Reaktion auf einen Angriff auf das Haus eines Führers des Islamischen Jihad, Akram al-Ajouri, in Damaskus in der Vorwoche gesehen, hinter dem das israelische Militär vermutet wird. Es wurde nach syrischen Angaben jedoch nicht der Mann, sondern dessen Sohn und eine Enkelin getötet. Nach der gezielten Tötung eines Islamischen-Jihad-Kommandanten Baha Abu al-Ata im Gazastreifen durch die israelische Armee hatte die militante Gruppe in der Vorwoche rund 450 Raketen auf Israel abgefeuert.

Die israelische Armee hatte in den vergangenen Jahren mehr als hundert Angriffe im Nachbarland Syrien durchgeführt – vor allem gegen iranische Ziele. Dies geschah mit Billigung Russlands. Nur selten gab es Raketenbeschuss aus Syrien Richtung Israel.

Erstellt: 20.11.2019, 08:57 Uhr

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