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Mindestens 23 Tote bei israelischen Angriffen in Syrien

Israel soll fast die gesamte iranische Infrastruktur in Syrien beschossen haben – zuvor wurden israelische Militärposten auf dem Golan angegriffen.

Eskalation im Nahen Osten: Es soll die heftigste Angriffswelle seit 1974 gewesen sein. (Video: Tamedia/AFP)

Der Konflikt zwischen Israel und Iran ist in der Nacht zum Donnerstag eskaliert. Die israelische Armee hat nach eigenen Angaben in der Nacht zum Donnerstag Dutzende iranische Militärziele in Syrien angegriffen. Es soll die heftigste Angriffswelle nicht nur in dem seit sieben Jahren andauernden Bürgerkrieg, sondern seit 1974, gewesen sein.

Nach Angaben von Aktivisten sind dabei mindestens 23 Kämpfer getötet worden. Das erklärte die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte nach den Angriffen.

Die russische Armee teilte mit, bei dem Einsatz seien 28 israelische Kampfflugzeuge beteiligt gewesen, die 70 Raketen abgeschossen hätten. Israel bestätigte dies vorerst nicht, Israels Verteidigungsminister Avigdor Lieberman sagte aber, es sei nahezu die gesamte iranische Infrastruktur in Syrien beschossen worden. «Wir haben kein Interesse an einer Eskalation, aber wir müssen auf jedes Szenario vorbereitet sein», sagte Lieberman.

Er sagte, es handele sich um einen punktuellen Konflikt Israels mit den iranischen Quds-Brigaden, der Eliteeinheit der iranischen Revolutionsgarden. «Alle wollen den Konflikt genau auf dieses Karree beschränken.» Lieberman geht vorerst nicht von weiteren Angriffen aus. Es sei fast die ganze Infrastruktur des Iran in Syrien getroffen worden. «Ich hoffe, wir haben dieses Kapitel beendet und jeder hat die Botschaft verstanden», sagte Lieberman.

Es seien Einrichtungen des Geheimdienstes, der Logistik, Militärposten, Lagerräume und Spähposten getroffen worden, teilte Armeesprecher Jonathan Conrius in einem kurzfristig einberufenen Gespräch mit Journalisten mit. Auf Twitter teilte die israelische Luftwaffe eine Karte, auf der mehr als 30 Ziele mit symbolischen Feuern gekennzeichnet sind.

Es war die Vergeltung dafür, dass um 0.10 Uhr israelischen Angaben zufolge erstmals iranische Kuds-Brigaden mit 20 Raketen versucht hatten, Militärposten auf den von Israel besetzten Golanhöhen anzugreifen. «Das war der bisher schwerwiegendste Versuch der Kuds-Brigaden, israelische Souveränität anzugreifen», sagte Armeesprecher Conricus. Es habe aber keine Schäden gegeben. Vier Geschosse seien vom Raketenabwehrsystem Iron Dome (Eisenkuppel) abgefangen worden. Ziel seien Militärbasen auf den Golanhöhen gewesen. Es seien Raketen des Typs Grad und Fadschr-5 eingesetzt worden.

Alle israelischen Jets seien wieder sicher nach Israel zurückgekehrt. Das Ziel der israelischen Luftschläge sei gewesen, den iranischen Stellungen einen langanhaltenden Schaden zuzufügen. Zerstört worden sei auch das Gefährt, von dem aus die Raketen auf die Golanhöhen abgefeuert wurden. Dieses habe sich in 30 bis 40 Kilometern Entfernung von Damaskus befunden.

Israelische Flugzeuge beschossen, aber nicht getroffen

Russland sei vorab über die Angriffspläne informiert worden. Die Frage, ob dies auch bei den USA geschehen sei, wollte Conricus nicht beantworten. Er äusserte sich auch nicht dazu, ob es sich um eine Reaktion Irans auf die Kündigung des Atomabkommens durch die USA handle. Die Streitkräfte hätten in den vergangenen Monaten schon mehrere Versuche des Iran abgewehrt, Israel anzugreifen.

Beim israelischen Angriff sind syrischen Angaben zufolge mehrere Ziele getroffen worden. Darunter seien Einheiten der Luftverteidigung, eine Radarstation und ein Munitionslager gewesen, meldete die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana am Donnerstagmorgen unter Berufung auf eine nicht näher genanten militärische Quelle. Syriens Luftabwehr schoss demnach Dutzende israelische Raketen ab. Die meisten hätten ihr Ziel nicht erreicht, berichtete Sana.

Der israelische Armeesprecher Conricus sagte hingegen, die syrische Luftabwehr habe israelische Flugzeuge beschossen, aber nicht getroffen. «Wir haben die Syrer gewarnt, sich nicht einzumischen, aber sie haben es trotzdem getan.»

«Sie haben einen Preis bezahlt in dieser Nacht»

Zu den Opfern und Schäden in Syrien wollte er sich nicht äussern: «Sie haben einen Preis bezahlt in dieser Nacht. Es kann sein, dass sie noch einen Preis zahlen müssen. Jeder Versuch, Israel anzugreifen, wird beantwortet werden», sagte er in Richtung Iran. Der Angriff auf die Golanhöhen sei von Ghassem Sulejmani, einem Kommandeur der iranischen Revolutionsgarden, angeordnet worden, sagte Conricus. Er spiegele die «Dreistigkeit» der Kuds-Brigaden.

Für die Bevölkerung und die Armee im Norden Israels gebe es weiter Alarmbereitschaft. Die dort lebenden Menschen wurden via SMS informiert. Sie wurden aufgerufen, sich laufend zu informieren und sich nicht in grossen Gruppen zusammenzufinden. Schulen bleiben aber auch am Donnerstag geöffnet.

Die Angriffe auf Golan ereignen sich einen Tag, nachdem US-Präsident Donald Trump das Atomabkommen mit Iran einseitig aufgekündigt hat. Das Motiv der Iraner dürfte allerdings eher Vergeltung gewesen sein: In der Nacht zu Mittwoch waren bei mutmasslich israelischen Luftschlägen auf eine Militärbasis nahe von Damaskus 15 Menschen getötet worden, darunter acht Iraner. Im April waren mehr als zwei Dutzend Iraner bei zwei Bombardements auf Stellungen in Syrien umgekommen.

«Wir sind gut vorbereitet»

Am Tag davor hatte die Armee die Behörden auf den von Israel besetzten Golanhöhen aufgefordert, Schutzräume zu öffnen, nachdem «ungewöhnliche Aktivitäten von iranischen Kräften in Syrien» gemeldet worden waren. Zuvor hatte Israel vor Vergeltungsaktionen des Iran gewarnt und die Bürger insbesondere im Norden des Landes aufgefordert, sich darauf vorzubereiten.

Im Kibbuz Ein Ziwan, wo 120 Familien wohnen, hat fast jedes Haus einen eigenen Schutzraum. Der Gemeinschaftsbunker war am Mittwochabend auch eine Art Kommandozentrale, in der sich je ein Vertreter des Militärs, der Region und der Kibbuzleitung aufhielten. «Dass die Behörden die Schutzräume geöffnet haben und das auch öffentlich bekannt gegeben wurde, ist neu», sagte David Spellman, der seit der Gründung des Kibbuz 1968 in Ein Ziwan lebt. Er könne sich nicht daran erinnern, dass dies etwa während des Krieges zwischen Israel und dem Libanon 2006 der Fall war. Es sei kein Zufall, dass diese Warnungen öffentlich gemacht worden seien, sie richteten sich auch an Iran. «Wir sind sehr gut vorbereitet.»

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