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Israel kündet «humanitäre» Waffenruhe an

Ab 9 Uhr sollen die Waffen im Nahostkonflikt für sieben Stunden schweigen. Damit will Israel der Bevölkerung im Gazastreifen eine Atempause verschaffen, um die Toten zu bergen und die Verletzten zu versorgen.

Feiern sich als Sieger: Palästinenser in Gaza-Stadt nach der Einigung auf die Waffenruhe. (26. August 2014)
Feiern sich als Sieger: Palästinenser in Gaza-Stadt nach der Einigung auf die Waffenruhe. (26. August 2014)
AP Photo/Khalil Hamra, Keystone
Jubel in Gaza-Stadt: Eine Familie in einem Auto. (26. August 2014)
Jubel in Gaza-Stadt: Eine Familie in einem Auto. (26. August 2014)
AP Photo/Adel Hana, Keystone
Public Viewing der besonderen Art: Israelis sitzen auf einem Sofa auf einem Hügel der Stadt Sderot und blicken in Richtung Gazastreifen. (12. Juli 2014)
Public Viewing der besonderen Art: Israelis sitzen auf einem Sofa auf einem Hügel der Stadt Sderot und blicken in Richtung Gazastreifen. (12. Juli 2014)
Lefteris Pitarakis, Keystone
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Israel hat für Montag einseitig eine siebenstündige «humanitäre» Waffenruhe für den Grossteil des Gazastreifens angekündigt. Wie die Armee in der Nacht zum Montag mitteilte, beginnt die Feuerpause um 9 Uhr (MESZ) und endet um 16 Uhr. Ausgenommen ist nach Angaben der Armee allerdings der östliche Teil der im Süden gelegenen Stadt Rafah. Dort gebe es weiter Kämpfe zwischen israelischen Bodentruppen und radikalen Islamisten.

Die Massnahme soll vor allem Zivilisten eine Atempause verschaffen sowie die Bergung von Toten und die Versorgung von Verletzten ermöglichen. Der für die Palästinensergebiete zuständige israelische General Joav Mordechai warnte die Hamas vor einem Bruch der Waffenruhe. Die Armee werde sofort zurückfeuern, sagte er. Gleichzeitig sagte Mordechai, alle Einwohner der beiden östlich von Chan Junis gelegenen Dörfer Abasan al-Kabira und Abasan al-Saghira könnten ab 7 Uhr in ihre Häuser zurückkehren. Israel hatte sie zuvor zum Verlassen ihrer Dörfer aufgefordert.

Die radikalislamische Hamas reagierte misstrauisch auf die Ankündigung. Mit der einseitigen Feuerpause versuche Israel lediglich, die «Aufmerksamkeit von seinen Massakern abzulenken», erklärte Hamas-Sprecher Sami Abu Suhri.

Letzte Feuerpause hielt 90 Minuten

Am Freitag war eine von Hamas und Israel vereinbarte 72-stündige Feuerpause bereits nach 90 Minuten gescheitert. Bei den wieder aufflammenden Kämpfen war in Rafah erneut eine UNO-Schule mit rund 3000 Flüchtlingen unter israelischen Beschuss geraten, zehn Menschen wurden nach palästinensischen Angaben getötet. UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon verurteilte den Angriff scharf, auch das US-Aussenministerium rief Israel auf, «mehr» zu tun, um zivile Opfer zu vermeiden.

Seit Beginn des Gazakriegs am 8. Juli wurden nach Angaben der palästinensischen Sanitätsdienste fast 1800 Palästinenser getötet, meist Zivilisten. Auf israelischer Seite starben 64 Soldaten und drei Zivilisten. Am 17. Juli begann die israelische Armee neben den Luftangriffen eine Bodenoffensive mit dem Ziel, den anhaltenden Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen nachhaltig zu unterbinden und die für Attacken und Entführungen auf israelischem Gebiet gebauten Tunnel zu zerstören.

Netanyahu verteidigt sein Vorgehen

Nach der weitgehenden Zerstörung der Tunnel begann Israel inzwischen mit einem Teilabzug seiner Truppen. Armeesprecher Peter Lerner sagte der Nachrichtenagentur AFP, «wir ziehen Truppenteile zurück, andere verändern ihre Position innerhalb des Gebiets, diese Operationen dauern derzeit an». Zugleich kündigte er an, dass «schnelle Einsatzkommandos vor Ort bleiben werden, die bei Bedarf gegen die Hamas vorgehen können». Ähnlich äusserte sich auch Regierungschef Benjamin Netanyahu in der Nacht zum Montag.

Ohne auf den Beschuss der UNO-Schule einzugehen, verteidigte Netanyahu das israelische Vorgehen. Im Gegensatz zur Hamas mit ihren Raketenangriffen wolle Israel keine unschuldigen Palästinenser töten, sagte er: «Israel zielt nicht auf Zivilisten und bedauert jeden Angriff, der unbeabsichtigt Zivilisten trifft.» Das israelische Militär hatte zu dem Beschuss der UNO-Schule erklärt, Ziel des Angriffs seien drei «Terroristen» des Islamischen Jihad gewesen, die auf einem Motorrad nahe der Schule unterwegs gewesen seien.

In Kairo gingen unterdessen die Bemühungen um einen Waffenstillstand weiter. Nachdem Israel aufgrund der gescheiterten Feuerpause am Freitag angekündigt hatte, keine Unterhändler zu entsenden, einigte sich die palästinensische Delegation am Sonntag auf einen gemeinsamen Forderungskatalog. Zu den Forderungen gehörten laut dem Delegationsmitglied Maher al-Taher neben einer Waffenruhe der Rückzug der israelischen Truppen aus dem Gazastreifen, das Ende der Besatzung des Gebiets, die Freilassung palästinensischer Gefangener sowie die Öffnung der Grenzübergänge.

AFP/chk

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