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Israel schiesst gegen Syrien

Die israelische Armee hat erstmals seit dem Jom-Kippur-Krieg von 1973 Schüsse in Richtung Syrien abgegeben. Zuvor schlugen syrische Granaten in Israel ein.

Immer wieder Mörsergranaten eingeschlagen: Ein israelischer Panzer auf den Golanhöhen am 6. November 2012
Immer wieder Mörsergranaten eingeschlagen: Ein israelischer Panzer auf den Golanhöhen am 6. November 2012
AFP

Israel hat erstmals seit Jahrzehnten Warnschüsse in Richtung Syrien abgegeben. Unmittelbar zuvor habe eine aus Syrien abgeschossene Granate einen israelischen Militärposten auf den Golanhöhen getroffen, erklärte die Armee. Regierungschef Benjamin Netanyahu warnte, Israel beobachte sehr genau die Ereignisse an seiner Grenze zu Syrien und sei auf alle Eventualitäten eingestellt.

Beim Einschlag der syrischen Granate nahe der Ortschaft Alonei Habashan auf den Golanhöhen am Morgen wurde niemand verletzt, wie aus israelischen Militärquellen verlautete. Nach Angaben des israelischen Rundfunks handelte es sich bei der israelischen Reaktion um die ersten Schüsse in Richtung syrischer Streitkräfte seit dem Jom-Kippur-Krieg von 1973. Damals hatte Israel syrische und ägyptische Angreifer wieder vollständig aus den umstrittenen Golanhöhen verdrängt.

Israelische Militärquellen sagten AFP, die Soldaten hätten eine äusserst präzise Panzerabwehrrakete vom Typ Tamus abgefeuert und absichtlich Ziele verfehlt. Zugleich reichte Israel eine Beschwerde bei den auf den Golanhöhen stationierten UN-Truppen ein. Darin hiess es, die Schüsse aus Syrien würden nicht toleriert «und unsere Antwort wird unnachgiebig sein».

Israel reicht Beschwerde ein

In den vergangenen Tagen waren von syrischem Gebiet aus mehrere Granaten auf die von Israel besetzten Golanhöhen abgefeuert worden. Offenbar handelte es sich bei den Schüssen um Querschläger der Auseinandersetzungen zwischen den Konfliktgruppen in Syrien. Die israelische Regierung warnte jedoch Syriens Führung vor einer Ausweitung der Grenzzwischenfälle.

Vergangene Woche hatte zudem der israelische UN-Botschafter Ron Prosor in einem Schreiben an den UN-Sicherheitsrat gegen das Eindringen syrischer Soldaten in die Pufferzone auf den Golanhöhen protestiert. Während des Sechstagekriegs 1967 hatte Israel einen Teil der Golanhöhen erobert, den Ägypten und Syrien im Jom-Kippur-Krieg vergeblich zurückzugewinnen versuchten.

Syrien fordert von Israel das besetzte und 1981 annektierte Gebiet zurück. Die UNO erkennt die Annexion nicht an. Israel und Syrien befinden sich offiziell weiterhin im Kriegszustand. Seit einem Abkommen der beiden Nachbarländer von 1974 patrouillieren etwa 1200 unbewaffnete UN-Blauhelmsoldaten in dem Gebiet.

Opposition schliesst sich zusammen

Die syrischen Oppositionsgruppen haben sich derweil im Kampf gegen Staatschef Bashar al-Assad offiziell zusammengeschlossen. In Doha im Golfstaat Katar unterzeichneten die verschiedenen Gruppierungen eine Vereinbarung zur Bildung einer «nationalen Koalition». «Wir haben eine Vereinbarung unterzeichnet (...), um eine nationale Koalition der Oppositionskräfte zu bilden», sagte einer der Oppositionsführer, der frühere Chef der Muslimbrüder Syriens, Sadreddin al-Bajanuni, in Doha der Nachrichtenagentur AFP. Es gebe «keinerlei Streitpunkte mehr», fügte der Oppositionelle Siad Abu Hamdan hinzu. Die Gespräche würden fortgesetzt, dabei gehe es nun um die «Bildung einer möglichen Übergangsregierung».

Dem Durchbruch war ein tagelanges Ringen bei den Verhandlungen unter Schirmherrschaft der Arabischen Liga und Katars vorausgegangen. Dabei blockierte zunächst der hauptsächlich aus Exilsyrern bestehende Syrische Nationalrat (SNC) eine Einigung, weil er nach Angaben von Teilnehmern einen Bedeutungsverlust befürchtete.

Bisher sahen die internationalen Unterstützer der Aufständischen den SNC als führende Vertretung der Opposition an. US-Aussenministerin Hillary Clinton hatte den Nationalrat unlängst jedoch öffentlich kritisiert und eine repräsentativere Oppositionsführung gefordert, der auch Inlandsyrer angehören müssten.

Bei den Verhandlungen in Doha setzten nach Teilnehmerangaben am Samstag Katar, die Vereinigten Arabischen Emirate und die USA den Nationalrat massiv unter Druck, einer Einigung zuzustimmen. Diese wurde dann in der Nacht erzielt und am Sonntag unterschrieben. Die Kräfte der syrischen Opposition sind bislang zersplittert. Geeint sind sie aber in ihrer Forderung nach einer Ablösung Assads.

Der SNC hatte seinerseits am Freitagabend einen neuen Vorsitzenden gewählt. Auf einer ebenfalls in Doha stattfindenden Tagung wurde der Oppositionsveteran Georges Sabra zum Präsidenten gewählt. Der 65-jährige Christ sprach sich nach seiner Wahl für eine stärkere Zusammenarbeit mit anderen Oppositionsgruppen aus.

Armee erobert Teilstücke der Autobahn zurück

In Syrien gingen die Kämpfe unvermindert weiter. Dabei eroberte die Armee nach Angaben von Regierungsgegnern Teilstücke der wichtigsten Autobahn des Landes zurück. Auf der strategisch wichtigen Autobahn zwischen Damaskus und Aleppo seien die Aufständischen zurückgedrängt worden, berichtete die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Die «Schlüsselstadt» Maaret al-Numan hätten die Assad-Soldaten aber noch nicht eingenommen. Die Angaben beider Seiten über den Verlauf der Kämpfe sind von unabhängiger Seite nicht nachprüfbar.

Bei zwei Autobombenanschlägen im Süden Syriens wurden am Samstag nach Angaben der Beobachtungsstelle mindestens 20 Soldaten getötet. Zwei mit Sprengstoff präparierte Autos seien im Abstand weniger Minuten in der Stadt Daraa hinter einem Offiziersclub explodiert. Die amtliche Nachrichtenagentur Sana bestätigte zwei Autobombenexplosionen sowie Opfer und schwere Schäden in Daraa.

Seit Beginn des Konflikts zwischen Aufständischen und Regierungstruppen Mitte März 2011 wurden in Syrien nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten mehr als 37'000 Menschen getötet.

AFP/mw/kle

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