Israel soll Häftlinge in Verhören misshandeln

Schlafentzug, stundenlange Fesselung, extreme Temperaturen – Menschenrechtsaktivisten werfen dem israelischen Inlandsgeheimdienst Schin Bet solche Methoden vor.

Schin Bet gibt an, immer «in Übereinstimmung mit dem Gesetz» zu handeln: Nachgestellte Folterszene. (Archivbild)

Schin Bet gibt an, immer «in Übereinstimmung mit dem Gesetz» zu handeln: Nachgestellte Folterszene. (Archivbild) Bild: AP/Jacqueline Larma

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Zwei israelische Bürgerrechtsorganisationen bezichtigen den Inlandsgeheimdienst Schin Bet, Häftlinge bei Verhören regelmässig zu misshandeln. Die Gruppen B'Tselem und Hamoked vermuten in einem Bericht aufgrund der systematischen Anwendung eine Rückendeckung durch Regierungsstellen.

Für den Report hatten die Menschenrechtsaktivisten 116 Palästinenser befragt, die 2013 und 2014 in einem Verhörzentrum des Schin Bet vernommen worden waren. Die dritte gemeinsame Untersuchung der beiden Gruppen bestätige die früheren Ergebnisse, heisst es in dem 70-seitigen Bericht mit dem Titel «Gedeckt vom System». Deshalb liege «die Schlussfolgerung nahe, dass dieses Verhalten die offizielle Verhörstrategie widerspiegelt».

Kein Schlaf, keine Duschen, viel Gestank

Zu den üblichen Praktiken im Geheimdienst-Verhörzentrum des Schikma-Gefängnisses von Aschkelon in Südisrael gehören demnach, die Verdächtigen langzeitig des Schlafs zu berauben, sie stundenlang mit Händen und Füssen an Stühle zu fesseln sowie extremen Temperaturen auszusetzen. «Auch während Tagen oder Wochen die Kleidung nicht wechseln und nicht duschen zu dürfen sowie die Unterbringung in winzigen, übelriechenden Zellen sind Standardprozeduren», kritisieren die Organisationen in ihrem Bericht.

Um eine Stellungsnahme gebeten, erklärte der Schin Bet im Vorfeld der Veröffentlichung, die Angaben in dem Bericht seien «irreführend und verzerrt». Alle Verhöre würden «in Übereinstimmung mit dem Gesetz vorgenommen, um die Staatssicherheit zu bewahren». Der Geheimdienst unterliege dabei «permanenten Inspektionen durch interne und externe Aufsichtsorgane».

Vorwürfe von Palästinensern und Israelis

Bei allen von den Bürgerrechtsaktivisten Befragten handle es sich um palästinensische «Terrorverdächtige», erklärte der Schin Bet gegenüber AFP. In den vergangenen Monaten war dem Inlandsgeheimdienst von Anwälten rechtsextremistischer Israelis vorgeworfen worden, auch bei ihren unter Anschlagsverdacht stehenden Mandanten in Vernehmungen ähnliche Methoden anzuwenden.

Der aktuelle Bericht merkt auch an, dass 39 der 116 Befragten vor ihrem Verhör durch den Schin Bet bereits vom Sicherheitsdienst der Palästinensischen Autonomiebehörde festgenommen und nach eigenen Angaben gefoltert worden waren. In einigen Fällen hätten die beiden Dienste offenbar ihre Informationen ausgetauscht. (ofi/sda)

Erstellt: 24.02.2016, 08:39 Uhr

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