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Israelis würden Atomwaffen aufgeben – wenn Iran es auch tut

Das vermutete iranische Streben nach atomaren Waffen sorgt in Israel für Verunsicherung und Kriegsrhetorik. Eine Umfrage in der jüdischen und arabischen Bevölkerung bringt Überraschendes zu Tage.

Die Reichweite liegt je nach Schätzung bei etwa 1500 KilometerN: Offizielles Bild der halbstaatlichen iranischen Nachrichtenagentur ISNA vom Test einer Shahab-3-Rakete. (28. Juni 2011)
Die Reichweite liegt je nach Schätzung bei etwa 1500 KilometerN: Offizielles Bild der halbstaatlichen iranischen Nachrichtenagentur ISNA vom Test einer Shahab-3-Rakete. (28. Juni 2011)
Keystone

Gerade einmal rund 1500 Kilometer trennen die israelische Metropole Tel Aviv von Irans Hauptstadt Teheran. Die Unsicherheit über das vermutete Streben des Erzfeinds nach nuklearer Rüstungstechnologie dominiert denn auch seit Wochen die öffentliche Agenda im jüdischen Staat – die Regierung von Ministerpräsident Netanyahu denkt mitunter laut über einen Präventivschlag nach, wie sie die israelische Luftwaffe in der Vergangenheit schon in Syrien geflogen hat.

Dass dieser – zumindest rhetorisch – aggressive Kurs für die israelische Bevölkerung nicht die erste Wahl ist, darauf lassen die Ergebnisse einer Umfrage schliessen. Das Saban Center for Middle East Policy hat laut der israelischen Nachrichtenseite ynetnews.com heute eine Studie veröffentlicht, wonach die israelischen Juden in dieser Frage gespalten sind. 43 Prozent der Befragten befürworten den Ergebnissen zufolge die Weiterverfolgung einer «militärischen Option», 41 Prozent sprachen sich dagegen aus.

Unterschiede zwischen Juden und Arabern

Bei den israelischen Arabern waren 68 Prozent gegen einen Militärschlag und nur 4 Prozent dafür – obwohl 48 Prozent der arabischen Israeli glauben, dass ein nuklear bewaffneter Iran negative Auswirkungen auf die Region hätte, verglichen mit nur 17 Prozent, die sich davon eine Verbesserung der Situation versprechen. Am stärksten macht sich der Unterschied zwischen jüdischen und arabischen Israeli bemerkbar bei der Frage, ob der Iran überhaupt tatsächlich ein nukleares Rüstungsprogramm verfolge. 90 Prozent der Juden sind davon überzeugt, nur 47 Prozent der Araber denken genauso.

Militärschlag hin oder her: Am liebsten sähen die jüdischen Israeli den Mittleren Osten als atomwaffenfreie Zone. Eine Mehrheit erklärte sich bereit, das nukleare Waffenarsenal Israels aufzugeben, wenn der Iran im Gegenzug sein Atomprogramm beendet. 65 Prozent der israelischen Juden würden es demnach bevorzugen, wenn weder Israel noch der Iran über nukleare Waffen verfügten. Nur 19 Prozent äusserten den Wunsch, beide Staaten sollten nuklear bewaffnet sein.

Israel hat Atomwaffen nie bestätigt

Innerhalb der internationalen Gemeinschaft hat sich die Überzeugung durchgesetzt, dass Israel zu den weltweit sechs Atommächten gehört – unter anderem betrachtet die UNO-Atomenergiebehörde IAEA Israel als solche. Israel selbst hat dies nie offiziell bestätigt. Stattdessen wiederholt sie jeweils, Israel werde niemals einen nuklearen Erstschlag verüben.

Das Saban Center for Middle East Policy gehört zum Washingtoner Thinktank Brookings Institution und wurde vom israelisch-amerikanischen Medienunternehmer Haim Saban gestiftet. Das Center bezeichnet sich selbst als politisch neutral, wird aber von verschiedenen Seiten als konservativ bezeichnet. Geleitet wird das Center von Kenneth Pollack, einem Ex-CIA-Mitarbeiter und Mitglied des National Security Council, dem wichtigsten Beratergremium des Präsidenten in aussenpolitischen Angelegenheiten.

Pollack gehörte zu den Verfechtern der Irak-Invasion 2003. Haim Saban selbst sagte 2007 in einem Interview mit der Zeitung Haaretz, Israel dürfe niemals erlauben, dass nukleare Waffen in die Hände des iranischen Regimes gelangten.

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