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Israels Staatsgeheimnis um Häftling X

Ein namenloser Mann starb unter mysteriösen Umständen in einem Hochsicherheitsgefängnis in Israel. Jetzt ist bekannt geworden, dass er ein Mossad-Agent aus Australien war. Israels Regierung reagiert nervös.

Inhaftiert war hier auch Jigal Amir, der Mörder von Yitzhak Rabin: Das Ajalon-Gefängnis in Ramla, wo Mossad-Agent Ben Zygier vor der Welt versteckt wurde.
Inhaftiert war hier auch Jigal Amir, der Mörder von Yitzhak Rabin: Das Ajalon-Gefängnis in Ramla, wo Mossad-Agent Ben Zygier vor der Welt versteckt wurde.
ABC News Australien, Foreign Correspondent

Im Ajalon-Gefängnis im israelischen Ramla sass vor drei Jahren ein Häftling ein, dessen Namen nicht einmal seine Wärter gekannt haben sollen. Dank der Informationen eines Anonymus im Justizvollzugswesen erfuhr ein Journalist immerhin von der Existenz dieses Mannes. «Mister X, wer sind Sie?», fragte ein israelisches Nachrichtenportal, ehe der Inlandsgeheimdienst Shabak intervenierte und den Artikel über den namenlosen Gefangenen aus dem Web entfernte.

Die Zensur weckte die Neugier erst recht und gab Anlass zu Spekulationen: Häftling X sei ein Mossad-Agent, der Landesverrat begangen habe, hiess es zum Beispiel auf Blogs und Foren. Wie lange der Mann in Isolationshaft sass, ist nicht geklärt. Gewiss ist jedoch, dass er nicht mehr lebt. Gemäss offizieller Darstellung erhängte sich Häftling X Ende Dezember 2010.

Im Isolationstrakt des Rabin-Mörders

Recherchen des australischen TV-Senders ABC haben nun ergeben, dass der Häftling X Ben Zygier hiess und bei seinem angeblichen Selbstmord 34 Jahre alt war. Zehn Jahre zuvor war er von Australien nach Israel gereist, wo er heiratete und zwei Kinder hatte. Gemäss dem TV-Bericht war der jüdischstämmige Mann aus Melbourne vom israelischen Geheimdienst Mossad rekrutiert worden. Und er muss über brisantes Wissen verfügt haben.

Die Haftbedingungen lassen darauf schliessen, dass Mister X ein Häftling von höchstem Rang gewesen sein muss. Der Isolationstrakt des Ajalon-Gefängnisses, in dem X einsass, war eigens für Jigal Amir gebaut worden – also für den rechtsextremen Mörder des israelischen Ministerpräsidenten Yitzhak Rabin. Ben Zygier, der auch den Namen Ben Alon trug, wurde wenige Tage nach seinem Tod bei Melbourne beigesetzt. Gemäss ABC wollen sich die Familienangehörigen nicht zum Fall äussern.

Israels Regierung will Nachrichtensperre verhängen

Der Fall hat bereits vor drei Jahren Menschenrechtsgruppen in Israel auf den Plan gerufen. Nach den Enthüllungen des australischen TV-Senders ABC drohen Spannungen in den Beziehungen zwischen Australien und Israel. Das australische Aussenministerium verlangt Erklärungen zum Fall Zygier/Alon. Die Regierung in Tel Aviv ist inzwischen nervös geworden: Sie hat die Verantwortlichen der israelischen Medien zu einer Krisensitzung einberufen. Das Ziel ist, die Medien zu einer Nachrichtensperre zu verpflichten – aus Gründen der nationalen Sicherheit.

Vor 30 Jahren hatte es einen ähnlichen Fall in Israel gegeben. Damals wurde Marcus Klingberg wegen Spionage 16 Jahre im Gefängnis festgehalten, zehn Jahre davon inoffiziell. Der israelische Biologe soll für die Russen spioniert und Details über Israels biologische Waffen an Moskau verraten haben.

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