«Jerusalem ist die rote Linie der Muslime»

In Ankara hat der türkische Präsident Erdogan den jordanischen König Abdullah II. empfangen. Beide zeigten sich besorgt über Trumps Pläne in Israel.

Appell an Donald Trump: Recep Tayyip Erdogan (r.) und König Abdullah II. in Ankara. (5. Dezember 2017)

Appell an Donald Trump: Recep Tayyip Erdogan (r.) und König Abdullah II. in Ankara. (5. Dezember 2017)

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Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan und der jordanische König Abdullah II. haben vor einer Eskalation der Gewalt im Nahen Osten bei einer Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels gewarnt. «So ein Schritt wird nur in die Hände der Terrororganisationen spielen», sagte Erdogan mit Blick auf entsprechende Pläne von US-Präsident Donald Trump.

König Abdullah II. warnte nach einem Treffen mit Erdogan am Mittwoch in Ankara: «Die Rechte der palästinensischen Muslime und Christen in Jerusalem zu ignorieren würde nur den Extremismus weiter anheizen.»

Keine Alternative zur Zweitsaatenlösung

Erdogan sagte: «Niemand hat das Recht, wegen seiner persönlichen Ambitionen mit dem Schicksal von Milliarden Menschen zu spielen.» Er fügte hinzu: «Von hier aus will ich an die ganze Welt appellieren: Man sollte jeden Schritt vermeiden, der den rechtlichen Status Jerusalems verändert.»


Video – Was bringen die Jerusalem-Pläne dem US-Präsidenten?

Tagesanzeiger.ch/NewsnetTagesanzeiger.ch/Newsnet-Ausland-Chef Christoph Münger zu Trumps Entscheid Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen.


Abdullah II. sagte, zur Zweistaatenlösung gebe es keine Alternative. «Jerusalem ist der Schlüssel zu jedem Friedensabkommen und der Schlüssel zur Stabilität der gesamten Region.»

Islamstaaten-Sondergipfel einberufen

Auch in seiner Funktion als derzeitiger Vorsitzender der Organisation für Islamische Kooperation (OIC) forderte Erdogan die USA zu einem Umdenken auf. In einer unmittelbar nach der Pressekonferenz mit Abdullah II. veröffentlichten Mitteilung warnte Erdogan erneut, der Schritt werde «zu Chaos in der Region» führen.

Er rief Israel dazu auf, «eine Politik zu betreiben, die zu Frieden und Ruhe beiträgt». Erdogans Sprecher Ibrahim Kalin teilte mit, Erdogan berufe für Mittwoch kommender Woche einen OIC-Sondergipfel in Istanbul ein. Ziel sei, im Streit um die geplante Anerkennung Jerusalems durch die USA «ein gemeinsames Handeln und Koordination zwischen den islamischen Ländern zu gewährleisten».

Die Türkei hat derzeit die OIC-Präsidentschaft inne. Erdogan hatte am Dienstag mit einem Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu Israel gedroht und gesagt: «Herr Trump, Jerusalem ist die rote Linie der Muslime.» (chi/sda)

Erstellt: 06.12.2017, 17:38 Uhr

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