Erneuter Angriff auf Spital in Rebellen-Viertel in Aleppo

Bei Luftangriffen auf eine Gesundheitsstation und andere Rebellengebiete in der syrischen Stadt Aleppo sind Aktivisten zufolge mehrere Menschen getötet worden.

Zerstörung: In Aleppo schweigen die Waffen weiterhin nicht. (28. April 2016)

Zerstörung: In Aleppo schweigen die Waffen weiterhin nicht. (28. April 2016) Bild: Keystone

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Die syrische Armee hat am Freitag eine temporäre Waffenruhe für die Hauptstadt Damaskus und deren Aussenbezirke sowie die Provinz Latakia erklärt. Die Feuerpause gelte aber nicht für die umkämpfte Stadt Aleppo im Norden des Landes, hiess es in einer im Fernsehen vorgelesenen Erklärung. Dort kamen 15 Menschen beim Beschuss einer Moschee ums Leben.

Die Feuerpause für die syrische Hauptstadt soll am Samstag um 1 Uhr Ortszeit beginnen und in und um Damaskus 24 Stunden dauern, in Latakia drei Tage. Welche Auswirkungen die einseitig ausgesprochene Waffenruhe haben wird, war zunächst unklar. Es galt als unwahrscheinlich, dass sich die Rebellen daran halten werden – nach tagelangen Luftangriffen der Regierung auf von ihnen kontrollierte Bezirke von Aleppo. Oppositionellen Aktivisten zufolge starben in der Stadt in der vergangenen Woche mehr als 200 Menschen.

Ein Angriff der Rebellen?

Das syrische Staatsfernsehen schrieb den Angriff auf die Moschee in Aleppo Rebellen zu, die ein von Regierungstruppen gehaltenes Viertel treffen wollten. Mehrere Raketen schlugen den Angaben zufolge nach den Freitagsgebeten in der im Viertel Bab al-Faradsch gelegenen Malla-Chan-Moschee und Umgebung ein. Mindestens 30 Menschen wurden verletzt.

Zuvor hatte es Berichte über Luftangriffe der Regierung auf Teile von Aleppo gegeben, die von Rebellen gehalten werden. Dabei seien mindestens sechs Menschen getötet worden, berichtete die oppositionsnahe syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte, andere Aktivisten sprachen von mindestens zehn Toten und Dutzenden Verletzten.

Nur eine kurze Kampfpause

Auch ein Krankenhaus in dem von Rebellen gehaltenen Viertel Mardscheh sei beschossen worden, so die Aktivisten weiter. Angaben über Opfer gab es zunächst nicht. Schon am Mittwoch war in einem von Rebellen gehaltenen Viertel ein Krankenhaus angegriffen worden, das die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen unterstützt. Dabei starben gemäss der Hilfsorganisation 50 Menschen.

In der seit Wochen wieder besonders umkämpften Stadt hatte es am Morgen einige Stunden Kampfpause gegeben, bevor die Bombardements erneut begannen. Flugzeuge der syrischen Luftwaffe hätten Angriffe auf von Rebellen gehaltene Viertel geflogen, berichteten oppositionelle Aktivisten am Freitag. Aus Furcht vor Angriffen durch russische und syrische Flugzeuge hatten Imame in den Rebellen-Gebieten ihre Freitagsgebete in den Moscheen zum Teil ausgesetzt, wie es hiess.

Eine Katastrophe droht

Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Said Raad al-Hussein, rief am Freitag alle Konfliktparteien auf, nicht zu einem totalen Krieg zurückzukehren. Die jüngsten Berichte über zivile Opfer legten eine ungeheuerliche Missachtung für das Leben von Zivilisten bei allen Kriegsparteien offen. Hilfsorganisation warnten angesichts der vielen hungernden Menschen in belagerten Gebieten vor einer möglichen humanitären Katastrophe.

Offiziell gilt in Syrien seit Ende Februar eine Feuerpause, die allerdings immer wieder gebrochen wird. Die Terrormiliz Islamischer Staat und die mit dem Terrornetzwerk al-Qaida verbündete Nusra-Front sind von der Waffenruhe ohnehin ausgenommen. (fal/sda)

Erstellt: 29.04.2016, 16:50 Uhr

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