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Kämpfe um Aleppo flammen wieder auf

In der Nacht hatten die Waffen geruht, jetzt wird in der syrischen Wirtschaftskapitale Aleppo wieder gekämpft. Während die internationale Gemeinschaft alarmiert ist, geben sich die Rebellen zuversichtlich.

Strassenkämpfe in der Millionenmetropole: Ein Mann zielt hinter einem notdürftigen Versteck mit dem Gewehr. (25. Juli 2012)
Strassenkämpfe in der Millionenmetropole: Ein Mann zielt hinter einem notdürftigen Versteck mit dem Gewehr. (25. Juli 2012)
AFP

Nach der nächtlichen Gefechtspause sind die Kämpfe um die syrische Millionenmetropole Aleppo heute Morgen wieder aufgeflammt. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London meldete Gefechte aus den Vierteln Bab al-Dschadid, Sahra und Arkuba.

Die Regierungstruppen setzten Kampfflugzeuge ein, es seien Explosionen zu hören. Ein Kommandant der Rebellen hatte zuvor berichtet, die Angriffe auf das von den Aufständischen gehaltene Viertel Salaheddin hätten zwischenzeitlich aufgehört.

168 Tote

Laut einem Reporter der Nachrichtenagentur AFP war es den Rebellen gestern gelungen, die Angriffe auf das Viertel zurückzuschlagen. Die Aufständischen versuchten nun, die Polizeiwache des Stadtteils Salhin einzunehmen, um von dort Kontakt zu den Rebellen im ebenfalls von ihnen gehaltenen Viertel Sahur zu haben. Eigenen Angaben zufolge zerstörten sie mehrere Panzer der Regierungstruppen.

Die Rebellen zeigen sich zuversichtlich, dass sie die Regierungstruppen schlagen werden: «Die Armee krankt; sie wird von innen zerstört. Sie hat zwar viele Waffen aus Russland, aber die wirken wie eine Infusion in den Arm eines bereits sterbenden Mannes», sagte gestern ein Rebelle in Aleppo gegenüber dem «Guardian».

Nach Angaben der Beobachtungsstelle wurden gestern landesweit 168 Menschen getötet, darunter 94 Zivilisten, 41 Soldaten und 33 Rebellen. Heute starben demnach bereits vier Menschen bei den Kämpfen. Neben Aleppo gab es der Organisation zufolge auch Gefechte um das Hauptquartier der Polizei in der zentralsyrischen Rebellenhochburg Homs.

Schutzzonen für Bevölkerung gefordert

Derweil will die Arabische Liga mit einer Resolution in der UNO-Vollversammlung die Schaffung sicherer Zonen zum Schutz der syrischen Zivilbevölkerung fordern. Zudem sollen weitere Sanktionen gegen das syrische Regime beschlossen werden, kündigte der stellvertretende Generalsekretär der Arabischen Liga, Ahmed Ben Hali, gestern an.

In einer Erklärung drückte die Arabische Liga ihre «tiefe Unzufriedenheit über die Akte der Unterdrückung des syrischen Regimes» aus, insbesondere den Einsatz schwerer Waffen gegen das eigene Volk. Die Arabische Liga appellierte an die Regierung in Damaskus, «den Kreislauf des Tötens und der Gewalt» zu stoppen und die Belagerung syrischer Wohnviertel zu beenden.

Nur eine politische Lösung möglich

Der internationale Sondervermittler Kofi Annan hat sich ebenfalls besorgt geäussert und zur Zurückhaltung aufgerufen. Dass sich Regierungstruppen in und um die Wirtschaftsmetropole im Norden in Stellung gebracht haben, unterstreiche die Notwendigkeit für ein geschlossenes Handeln der Weltmächte, sagte der frühere UNO- Generalsekretär. Die internationale Gemeinschaft müsse beide Seiten überzeugen, dass nur eine politische Lösung Frieden bringe.

Nach Angaben von Oppositionellen beschossen Regierungstruppen Aleppo gestern erneut aus der Luft.Zudem brachte die Armee gepanzerte Fahrzeuge für einen Sturm in Stellung. Der Kampf könnte zu einer der entscheidenden Schlachten in dem seit 16 Monaten andauernden Konflikt zwischen Präsident Bashar al-Assad und den Rebellen werden.

SNC will Übergangsregierung

Der Chef des oppositionellen Syrischen Nationalrats (SNC), Abdel Basset Sajda, forderte befreundete und «Bruderstaaten» auf, die Rebellen mit Waffen zu versorgen. «Wir wollen Waffen, die die Panzer und Kampfflugzeuge stoppen würden», sagte der im Exil lebende SNC-Chef in Abu Dhabi.

Er hoffe auf rasche Hilfe, denn: «Unsere Freunde und Alliierten werden die Verantwortung für das tragen, was in Aleppo passiert, sollten sie nicht zügig agieren.» Sajda kündigte an, der SNC wolle mit Rebellengruppen vor Ort über die Bildung einer Übergangsregierung beraten. Derzeit werde über die Idee einer solchen Regierung nachgedacht, «und wir werden alle Truppen in Syrien kontaktieren». Eine Übergangsregierung müsse von einer «patriotischen, ehrlichen» Persönlichkeit geführt werden, die «seit Beginn der syrischen Revolution» für diese eintrete.

Assad soll vor Gericht

Der SNC-Chef forderte ferner, Syriens Staatschef Assad müsse wegen der «Massaker» an Syrern vor Gericht zur Verantwortung gezogen werden. Es handle sich um einen «Verbrecher», der nicht Asyl in einem anderen Land erhalten dürfe.

Der im August 2011 in Istanbul gegründete SNC ist die grösste Oppositionsgruppe; sie ist auch der bevorzugte Ansprechpartner der Regierungen in Washington und Paris. Die «Freunde Syriens» haben den SNC als «einen legitimen Vertreter aller Syrer anerkannt».

Opposition soll nicht auf UNO setzen

Auch Russland will nach den Worten von Aussenminister Sergej Lawrow seine Kontakte zur syrischen Opposition aufrechterhalten. Moskau hatte in jüngster Zeit mehrere syrische Regierungsgegner empfangen, darunter auch Sajda.

Lawrow sagte jedoch laut russischen Nachrichtenagenturen heute, die Oppositionellen im Ausland sprächen von einer «Revolution» gegen die Regierung in Syrien. Wenn dem so sei, dann sollte nicht der UNO-Sicherheitsrat zur Unterstützung der Revolution aufgefordert werden. Denn das sei nicht seine Aufgabe.

sda/AFP/dapd/rbi

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