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Katar am Pranger – 12 Fragen zum kalten Krieg am Golf

Warum bricht die Katar-Krise genau jetzt aus? Womit wird dem Kleinstaat gedroht? Und was wird aus der Fussball-WM?

Wegen Terrorunterstützung: Golfstaaten brechen diplomatische Beziehungen zu Katar ab. (Video: Tamedia/AFP)

Was ist passiert? Zwei Wochen ist es her, dass die arabische Welt beim Besuch von US-Präsident Donald Trump in Riad unter Führung Saudi-Arabiens im Kampf gegen Extremisten Einheit demonstrierte. Vordergründig zumindest. Nun sind die schon damals unübersehbaren Risse aufgebrochen: Saudiarabien und die Vereinigten Arabischen Emirate haben am Montag in einem beispiellosen Schritt ihre diplomatischen Beziehungen zu Katar abgebrochen. Ägypten, Bahrain und Jemen schlossen sich an, ebenso die international nicht anerkannte Regierung in Libyens Osten, die von General Khalifa Haftar kontrolliert wird, einem engen Verbündeten der Emirate und Ägyptens.

Was wird Katar vorgeworfen? In unterschiedlich nuancierten, aber offenbar abgestimmten Erklärungen wird dem Emirat vorgeworfen, Terroristen zu unterstützen, vom sogenannten Islamischen Staat (IS) über al-Qaida-nahe Gruppen und die islamistische Muslimbruderschaft bis zu schiitischen Extremisten, die im Sinne Irans in Saudi-Arabiens ölreicher Ostprovinz und in Bahrain Unruhe stifteten.

Welche Strafmassnahmen werden gegen Katar getroffen? Als Strafe schlossen Katars Kontrahenten Häfen, Flughäfen und Luftraum für katarische Transportmittel, Saudiarabien schloss die Landesgrenze, die einzige zu der Halbinsel im Golf. Die drei Golfstaaten forderten ihre Bürger auf, binnen zwei Wochen Katar zu verlassen und gaben Katarern die gleiche Frist zur Ausreise, Diplomaten müssen binnen 48 Stunden ausreisen.

Wie reagiert Katar? Das Aussenministerium in Doha wies die getroffenen Massnahmen als «ungerechtfertigt» zurück. Die «Hetzkampagne» gegen Katar fusse «auf Lügen und kompletten Fälschungen».

Warum kommt diese Krise jetzt? Auslöser des Zerwürfnisses sind angebliche Äusserungen von Emir Scheich Tamim bin Hamad al-Thani bei einer Militärzeremonie, die Doha als Fälschung und Folge eines Hackerangriffs auf staatliche Medien bezeichnete. So hatte die amtliche Nachrichtenagentur den Herrscher zitiert, Iran sei eine «islamische Grossmacht», die man nicht ignorieren könne; es sei nicht weise, sich mit ihr anzulegen. Auch soll sich der Emir positiv über die Hamas und die von Iran unterstützte Schiiten-Miliz Hizbollah geäussert haben, dagegen den Milliarden-Deal zwischen Saudiarabien und den USA zum Kauf neuer Waffen kritisiert haben. Der Hackerangriff wird Iran zugeschrieben, Beweise für eine Verwicklung oder Attacke gibt es bisher aber nicht.

Was hat das mit Trump zu tun? Das Gipfeltreffen mit Trump in Saudiarabien hatten der dortige König Salman und dessen einflussreicher Sohn, Prinz Mohammed, als Schulterschluss gegen Iran inszeniert - Trump machte bereitwillig mit. Er sieht im Einklang mit den Saudis und Verteidigungsminister James Mattis Iran als den zentralen Unruhestifter der Region. Doha hat sich dem nicht angeschlossen. Zwischen Saudiarabien und Iran im Golf gelegen, teilt sich Katar mit Iran das grösste Gasfeld der Welt und muss schon daher auf Ausgleich mit Teheran bedacht sein.

Was hat der Iran damit zu tun? Im Verhältnis zu Iran sehen westliche Diplomaten den Hauptgrund der Strafaktion. «Wenn man das hätte deeskalieren wollen, hätte man die Erklärung und die Entschuldigung der Katarer akzeptieren können», sagt einer. Riad entschied sich trotz eines Vermittlungsversuchs des Emirs von Kuwait, Scheich Sabah al-Ahmad al-Sabah, für die radikalste Option. Europäische Diplomaten sprechen von"«Paranoia» und «Iran-Phobie», wenn sie Riads Haltung zum Rivalen beschreiben. Manche halten einen Krieg zwischen den selbsterklärten Vormächten der Sunniten und Schiiten nicht mehr für ausgeschlossen.

Wie steht die Regionalmacht Ägypten zum Konflikt? Für Ägypten und die Emirate ist die Unterstützung Katars für die Muslimbruderschaft, obschon inzwischen deutlich reduziert, ein Ärgernis. Kairo hatte diese zu Terroristen erklärt, nachdem der jetzige Präsident Abdelfattah al-Sisi 2013 als Verteidigungsminister Präsident Mohammed Mursi gestürzt hatte und die Sicherheitskräfte Hunderte von dessen Anhängern töteten. Die Herrscher in Abu Dhabi sehen wie Ägypten in der Bruderschaft die grösste politische Bedrohung; Saudiarabien ist nun wohl auf diese Linie eingeschwenkt, nachdem sich König Salman nach seiner Thronbesteigung zunächst wieder um die Gruppe bemühte. Diplomaten sehen darin ein Indiz für den Einfluss, den die Emirate in Riad ausüben, vor allem auf Königssohn Prinz Mohammed bin Salman. Alle drei beschweren sich zudem über den von Doha finanzierten TV-Sender al-Jazeera.

Ist Katars eigene Aussenpolitik schuld? Ein Kolumnist in den Emiraten schrieb, der Golf müsse sein «ungezogenes Kind» disziplinieren, er setzte Katar mit einem Sohn gleich, der dem Vater den Gehorsam verweigere. Mit Misstrauen beäugen Riad und Abu Dhabi seit Jahren die eigenständige Aussenpolitik Katars, das bei einer Bevölkerung von 1,9 Millionen nur 300'000 Bürger hat und seinen Einfluss auf Reichtum aus der Gasförderung gründete. 2014 hatten sie schon einmal ihre Botschafter abgezogen. Katar hat immer wieder versucht, in verschiedensten Konflikten zu vermitteln und pflegt Kontakte zu bewaffneten Gruppen und Aufstandsbewegungen. Es bestreitet, den IS oder al-Qaida zu unterstützen, wie die anderen Golfstaaten auch, ebenso wie dort spenden aber reiche Bürger möglicherweise an Extremisten.

Und was wird aus der Fussball-WM? Die Folgen des Bruchs für Katar und die Region sind noch kaum zu überblicken. Viele Katarer haben Familienverbindungen über die Grenze, über die bislang auch etwa 40 Prozent der Lebensmittel und andere Güter aus Saudiarabien geliefert werden. Bei einer längeren Blockade könnte die Fussball-WM 2022 in Frage stehen.

Wie reagieren die USA In Katar ist auf dem Luftwaffenstützpunkt al-Udeid das US-Hauptquartier im Kampf gegen den IS stationiert. Aussenminister Rex Tillerson empfahl bereits Gespräche zwischen den Golfstaaten. Auch könnte der Golf-Kooperationsrat (GCC) auseinanderbrechen; Kuwait und Oman sind um Ausgleich bemüht. Und selbst in Dubai, einem der sieben Teilstaaten der Emirate, pflegt man enge geschäftliche Kontakte zu Iran.

Wie reagieren die Märkte? Katar ist mit mehr als 300 Milliarden Dollar Anlagen einer der grössten institutionellen Investoren der Welt und etwa Teilhaber bei Volkswagen und der Deutschen Bank. Zwar brach die Börse in Doha um 7,5 Prozent ein, der Ölpreis reagierte dagegen nicht und blieb wegen der hohen Vorräte in den USA unter 50 Dollar pro Barrel.

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