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Kerry droht Moskau mit Abbruch der Syrien-Gespräche

Die Situation in Aleppo verschlimmert sich zunehmend. Russland will trotz Kritik die Luftangriffe fortsetzen.

Stellt Russland vor die Wahl: US-Aussenminister John Kerry an einer Rede in New York. (22. September 2016).
Stellt Russland vor die Wahl: US-Aussenminister John Kerry an einer Rede in New York. (22. September 2016).
Jason DeCrow, Keystone

Im Syrien-Konflikt verschärft sich der Ton zwischen Russland und den USA. Ungeachtet der Drohungen von US-Aussenminister John Kerry will Russland seine Luftangriffe zur Unterstützung der syrischen Regierungstruppen im Kampf um Aleppo aber fortsetzen. Kritik kam unterdessen auch aus Berlin und Ankara.

Die Wortwahl der USA in der Krise lasse sich nur als Unterstützung des Terrorismus interpretieren, kritisierte der russische Aussenstaatssekretär Sergej Riabkow heute Agenturmeldungen zufolge. Russland sei beim Kampf um Aleppo nur zu zweitägigen Feuerpausen zur Versorgung der Zivilbevölkerung bereit.

In einer siebentägigen Waffenruhe könnten terroristische Kräfte sich umgruppieren, begründete der Minister. Die USA fordern die Einhaltung der mit Russland vereinbarten Pausen von sieben Tagen. Moskau will im Gegenzug, dass die USA für eine Trennung von gemässigter Opposition und Terrorgruppen sorgen.

«Irrationale Gespräche»

US-Aussenminister Kerry sagte heute in New York, die Verhandlungen mit Russland stünden kurz vor dem Abbruch. Angesichts der anhaltenden Angriffe auf Aleppo seien derartige Gespräche «irrational». «Dies ist einer der Momente, an denen wir Alternativen verfolgen müssen.» Die russische Regierung müsse unverzüglich für ein Ende der Angriffe sorgen, erklärte das US-Aussenministerium.

Das Verteidigungsministerium in Moskau hatte daraufhin in einer ersten Reaktion erklärt, ungeachtet tiefer Differenzen und gegenseitiger Vorwürfe die Zusammenarbeit mit den USA im Syrien-Konflikt fortsetzen zu wollen.

US-Regierung erwägt Waffenlieferungen

Nach Informationen des «Wall Street Journal» wird in der US-Regierung diskutiert, ob der Geheimdienst CIA und seine regionalen Partner Waffensysteme liefern sollten, mit denen Rebellengruppen syrische und russische Artilleriepositionen aus grösserer Entfernung angreifen könnten.

Überlegt werde auch, ob Verbündeten in der Region wie der Türkei oder Saudiarabien grünes Licht gegeben werden sollte, Rebellen mit stärkeren Waffensystemen auszurüsten. In der Diskussion ist nach Angaben des Blattes auch die Lieferung von Flugabwehrsystemen.

Auch Merkel und Erdogan kritisieren Moskau

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel und der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan kritisierten die jüngste von Russland unterstützte Offensive der syrischen Armee gegen die von Rebellen kontrollierten Stadtteile Aleppos scharf. Beide Politiker seien sich in ihrem Telefongespräch einig gewesen, hiess es in Berlin. Die «mehrfach berichteten eklatanten Verstösse gegen das humanitäre Völkerrecht» seien nicht hinnehmbar.

Merkel und Erdogan seien sich ebenfalls einig, dass Russland eine besondere Verantwortung zukomme, «um die Gewalt zu beruhigen und damit einem politischen Prozess überhaupt eine Chance zu geben». Ein Waffenstillstand sei dringlicher denn je.

Eine zwischen den USA und Russland ausgehandelte Feuerpause in Syrien war Anfang vergangener Woche von der syrischen Armee aufgekündigt worden. Seitdem startete diese mit Unterstützung russischer Truppen eine Militäroffensive auf Aleppo, um die einstige Wirtschaftsmetropole im Norden des Landes zurückzuerobern.

Hunderte Menschen getötet

Seit dem Zusammenbruch der Waffenruhe wurden nach Angaben der oppositionsnahen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte fast 300 Menschen getötet. Der Hilfsorganisation UNICEF zufolge kamen seit Freitag 96 Kinder ums Leben, 223 wurden verletzt.

In Aleppos Rebellengebieten gebe es nur noch 30 Ärzte, hiess es. Dort sind bis zu 300'000 Menschen eingeschlossen. Es fehlt akut an Lebensmitteln, Wasser und medizinischer Versorgung. Fluchtwege für Zivilisten sind blockiert. In den vergangenen Tagen kamen in mehreren syrischen Regionen Hilfskonvois wegen der anhaltenden Gewalt nicht an ihr Ziel.

(sda/ap)

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