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Kopten werfen Steine auf Sicherheitskräfte

Kairo kommt nicht zur Ruhe. Nach den tödlichen Strassenschlachten zwischen koptischen Christen, Muslimen und Sicherheitskräften hat sich die Gewalt auf den Strassen auch heute fortgesetzt.

Die Toten werden zu Grabe getragen: Trauernde in der koptischen Abassiya Kathedrale in Kairo. (10. Oktober 2011)
Die Toten werden zu Grabe getragen: Trauernde in der koptischen Abassiya Kathedrale in Kairo. (10. Oktober 2011)
Keystone
Eine Koptin nimmt Abschied von Mina Demian, der bei den gewaltsamen Zusammenstössen zwischen Kopten, Muslimen und Sicherheitskräften ums Leben gekommen ist. (10. Oktober 2011)
Eine Koptin nimmt Abschied von Mina Demian, der bei den gewaltsamen Zusammenstössen zwischen Kopten, Muslimen und Sicherheitskräften ums Leben gekommen ist. (10. Oktober 2011)
Reuters
Es waren die schwersten Ausschreitungen seit dem Sturz vorn Präsident Hosni Mubarak im Februar.
Es waren die schwersten Ausschreitungen seit dem Sturz vorn Präsident Hosni Mubarak im Februar.
AFP
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Hunderte koptische Demonstranten warfen heute nach Behördenangaben vor einem Krankenhaus Steine auf Sicherheitskräfte. Die Leichen der gestern bei gewalttätigen Ausschreitungen getöteten Kopten seien zuvor in eine Klinik im Zentrum Kairos gebracht worden, hiess es. Über mögliche neue Verletzte oder Tote ist noch nichts bekannt.

Nach den schweren Ausschreitungen in Kairo sind die Aktienkurse in Ägypten abgestürzt. Der Leitindex der Kairoer Börse EGX30 fiel im frühen Handel um bis zu 5,1 Prozent, erholte sich aber bis zum späten Vormittag leicht und lag um 11.00 Uhr Ortszeit noch um 3,93 Prozent niedriger.

Neue Ausschreitungen befürchtet

Die ägyptischen Behörden haben nach den schweren Ausschreitungen in Kairo die Sicherheitsvorkehrungen in der Stadt deutlich erhöht. Wie das Staatsfernsehen berichtet, wurden aus Angst vor weiteren Unruhen zusätzliche Soldaten vor dem Parlamentsgebäude sowie vor anderen zentralen Einrichtungen stationiert. Nach Angaben der amtlichen Nachrichtenagentur Mena wurden Dutzende Menschen wegen des Verdachts auf «Anstiftung zu Chaos» festgenommen. In einer koptischen Kirche in der Innenstadt sollte im Laufe des Tages eine Trauerfeier für einige der getöteten Demonstranten stattfinden.

Bei Strassenkämpfen zwischen koptischen Christen, Muslimen und den Sicherheitskräften wurden am Sonntagabend 24 Menschen getötet und mindestens 200 weitere verletzt. Den Unruhen, die bis in die Nacht andauerten, war eine zunächst friedliche Demonstration tausender koptischer Christen gegen einen Angriff auf eine Kirche im Süden des Landes vorausgegangen. Für Teile Kairos wurde eine bis zum Morgen geltende Ausgehsperre verhängt. Ob es sich bei den Festgenommenen um Christen oder Muslime handelt, war zunächst nicht bekannt.

Mit gepanzerten Fahrzeugen

Mehr als 1000 Polizisten und Soldaten waren in der Nacht mit gepanzerten Fahrzeugen im Einsatz, um das Gebäude des staatlichen Fernsehens zu schützen, vor dem die Unruhen begonnen hatten.

Die Kämpfe weiteten sich später auf den nahegelegenen Tahrir-Platz aus. Tausende Menschen lieferten sich dort Auseinandersetzungen, bei denen Steine und Brandbomben geworfen wurden. An einer Stelle raste ein gepanzertes Fahrzeug der Sicherheitskräfte in die Menschenmenge. Nach Mitternacht zogen Menschengruppen durch die Innenstadt und griffen Fahrzeuge an, in denen sie christliche Fahrgäste vermuteten.

Sitzstreik artete in Strassenkämpfe aus

Nach einer Demonstration im nördlichen Stadtteil Schubra skandierten tausende Christen vor dem Fernsehgebäude Parolen gegen den regierenden Militärrat. Zunächst wurden sie von mit Stöcken bewaffneten Muslimen vertrieben. Bereitschaftspolizisten setzten schliesslich Tränengas ein, auch Schüsse waren zu hören. Daraufhin verlagerten sich die Auseinandersetzungen auf den Tahrir-Platz. Christliche Demonstranten erklärten, ihr Protest habe als friedlicher Versuch eines Sitzstreiks begonnen.

Staatliche Medien berichteten, das Kabinett der ägyptischen Interimsregierung sei zu einer Sondersitzung zusammengekommen, um über die Lage zu beraten. Ministerpräsident Essam Scharaf wandte sich in einer im Fernsehen übertragenen Rede an die Nation. Die Gewalt gefährde den Wandel nach dem Sturz des früheren Präsidenten Hosni Mubarak. «Diese Ereignisse haben uns mehrere Schritte zurückversetzt», sagte Scharaf. «Anstatt uns vorwärtszubewegen, um einen modernen Staat auf demokratischen Grundsätzen aufzubauen, bemühen wir uns wieder um Stabilität.»

Die Kopten, die etwa zehn Prozent der ägyptischen Bevölkerung stellen, werfen dem Militärrat eine zu grosse Nachsichtigkeit bei Angriffen auf Christen im Land vor.

dapd/bru

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