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«Kürzere Flugzeiten, effektivere Angriffe»

Für ihre Luftschläge gegen die IS-Miliz sollen die USA Stützpunkte in der Türkei nutzen können. Wäre das nur ein symbolischer Akt – oder ein strategischer Meilenstein im Kampf um Kobane?

ajk
Weiterhin eine umkämpfte Stadt: Ein kurdischer Kämpfer in Kobane. (14. November 2014)
Weiterhin eine umkämpfte Stadt: Ein kurdischer Kämpfer in Kobane. (14. November 2014)
AP Photo/Jake Simkin
Der Konflikt fordert viele Opfer: Kurden heben auf türkischem Boden Gräber für gefallene Kämpfer aus. (23. Oktober 2014)
Der Konflikt fordert viele Opfer: Kurden heben auf türkischem Boden Gräber für gefallene Kämpfer aus. (23. Oktober 2014)
Sedat Suna/EPA
Zu früh zum Jubeln? Menschen beobachten einen Bombeneinschlag in Kobane. (22. Oktober 2014)
Zu früh zum Jubeln? Menschen beobachten einen Bombeneinschlag in Kobane. (22. Oktober 2014)
AFP
Wurde in Kobane Giftgas eingesetzt? Eine Explosion erschüttert die umkämpfte Stadt. (21. Oktober 2014)
Wurde in Kobane Giftgas eingesetzt? Eine Explosion erschüttert die umkämpfte Stadt. (21. Oktober 2014)
AFP
Der Kampf um Kobane geht weiter: Bombenexplosion in der Innenstadt. (20. Oktober 2014)
Der Kampf um Kobane geht weiter: Bombenexplosion in der Innenstadt. (20. Oktober 2014)
AFP
Fliegen erneut Versorgungseinsätze: Die Besatzung einer C-130 der US-Luftwaffe auf dem Weg zur Abwurfposition im Irak.
Fliegen erneut Versorgungseinsätze: Die Besatzung einer C-130 der US-Luftwaffe auf dem Weg zur Abwurfposition im Irak.
AFP
Hilfe aus der Luft: Ein Flugzeug der US-Verbündeten über Kobane. (18. Oktober 2014)
Hilfe aus der Luft: Ein Flugzeug der US-Verbündeten über Kobane. (18. Oktober 2014)
Reuters
USA sehen eine «ermutigende» Entwicklung: Kurdische Kämpfer der Partei der Demokratischen Union (PYD) haben auf einem Hügel bei Kobane wieder ihre Fahnen aufgestellt. (17. Oktober 2014)
USA sehen eine «ermutigende» Entwicklung: Kurdische Kämpfer der Partei der Demokratischen Union (PYD) haben auf einem Hügel bei Kobane wieder ihre Fahnen aufgestellt. (17. Oktober 2014)
Aris Messinis, AFP
Heftige Strassenkämpfe, die kurdischen Einheiten wieder auf dem Vormarsch: Rauch steigt über Kobane auf. (15. Oktober 2014)
Heftige Strassenkämpfe, die kurdischen Einheiten wieder auf dem Vormarsch: Rauch steigt über Kobane auf. (15. Oktober 2014)
Kai Pfaffenbach, Reuters
Siegeszeichen und Gesänge für die Kurdensache: Kurden an einer Beerdigung in Kobane. (13. Oktober 2014)
Siegeszeichen und Gesänge für die Kurdensache: Kurden an einer Beerdigung in Kobane. (13. Oktober 2014)
Keystone
Würden gerne auch von der Türkei aus Angriffe in Syrien und im Irak fliegen: Eine F/A-18E Super Hornet im persischen Golf. (3. Oktober 2014)
Würden gerne auch von der Türkei aus Angriffe in Syrien und im Irak fliegen: Eine F/A-18E Super Hornet im persischen Golf. (3. Oktober 2014)
AFP
Die Angriffe zeigen offenbar Wirkung: Dicker Rauch steigt nach einem Luftschlag der internationalen Anti-IS-Allianz auf Kobane auf. (12. Oktober 2014)
Die Angriffe zeigen offenbar Wirkung: Dicker Rauch steigt nach einem Luftschlag der internationalen Anti-IS-Allianz auf Kobane auf. (12. Oktober 2014)
Lefteris Pitarakis, Keystone
Machtlos: Türkische Kurden beobachten das von Gefechten erschütterte Kobane ennet der syrischen Grenze. (11. Oktober 2014)
Machtlos: Türkische Kurden beobachten das von Gefechten erschütterte Kobane ennet der syrischen Grenze. (11. Oktober 2014)
Umit Bektas, Reuters
Beten für die Verteidiger von Kobane: Syrische und türkische Kurden auf der türkischen Seite der Grenze. (10. Oktober 2014)
Beten für die Verteidiger von Kobane: Syrische und türkische Kurden auf der türkischen Seite der Grenze. (10. Oktober 2014)
Aris Messinis, AFP
Haben sich nach Luftschlägen aus Teilen der Stadt zurückgezogen: Kämpfer des IS ausserhalb von Kobane. (7. Oktober 2014)
Haben sich nach Luftschlägen aus Teilen der Stadt zurückgezogen: Kämpfer des IS ausserhalb von Kobane. (7. Oktober 2014)
Reuters
Gewalttätige Auseinandersetzungen an der Grenze: Die türkische Polizei vertreibt kurdische Demonstranten mit Wasserwerfern. (7. Oktober 2014)
Gewalttätige Auseinandersetzungen an der Grenze: Die türkische Polizei vertreibt kurdische Demonstranten mit Wasserwerfern. (7. Oktober 2014)
Reuters
Sie rücken näher: IS-Milizen, nachdem sie ihre Flagge auf einem Hügel im Osten Kobanes gehisst haben. (6. Oktober 2014)
Sie rücken näher: IS-Milizen, nachdem sie ihre Flagge auf einem Hügel im Osten Kobanes gehisst haben. (6. Oktober 2014)
Keystone
Im Westen der Stadt regieren noch die Kurden – eine kurdische Flagge weht auf einem Hügel in Kobane. (7. Oktober 2014)
Im Westen der Stadt regieren noch die Kurden – eine kurdische Flagge weht auf einem Hügel in Kobane. (7. Oktober 2014)
Keystone
Banges Abwarten: Türkische Panzer an der türkisch-syrischen Grenze mit Blick auf Kobane. (6. Oktober 2014)
Banges Abwarten: Türkische Panzer an der türkisch-syrischen Grenze mit Blick auf Kobane. (6. Oktober 2014)
Keystone
Die Stadt wird seit Tagen vom IS beschossen: Rauch steigt über Kobane auf. (3. Oktober 2014)
Die Stadt wird seit Tagen vom IS beschossen: Rauch steigt über Kobane auf. (3. Oktober 2014)
Keystone
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Heute traf sich die internationale Anti-IS-Allianz in Washington erstmals seit Beginn der US-Luftangriffe, um über ihre zukünftige Strategie zu beraten. Neu soll sie dabei auf mehr Unterstützung seitens der Türkei zählen können. Die Amerikaner wollen ab sofort ihre Stützpunkte im Land für die Luftangriffe in Syrien und im Irak nutzen – eine Option, die Ankara zuvor stets verhindert hatte.

Die US-Sicherheitsberaterin Susan Rice hatte am Montag zunächst verkündet, die Türkei habe der Öffnung ihrer Basen für die internationale Koalition gegen den IS zugestimmt. Der türkische Aussenminister Mevlüt Cavusoglu dementierte kurz darauf. Er bestätigte lediglich, die USA dürften in der Türkei bald auch moderate syrische Rebellen für den Kampf gegen den sogenannten Islamischen Staat (IS) ausbilden. Aktuell werden syrische Oppositionelle in Zentren in Jordanien, Katar und Saudiarabien ausgebildet.

Die USA drängen unter anderem darauf, Angriffe von der im Süden der Türkei gelegenen Militärbasis Incirlik zu fliegen. Das grüne Licht aus Ankara würde konkret vor allem «kürzere Flugzeiten, häufigere Flüge und damit insgesamt effektivere Angriffe» bedeuten, erklärt Harald Kujat, ehemaliger Generalinspekteur der deutschen Bundeswehr, gegenüber dem SRF. Flugzeuge, die aus grossen Höhen angriffen, hätten wegen mangelnder Präzision nur eine geringe Erfolgsquote, so der Militärexperte.

Bisher wurde bei den Angriffen eine grosse Flughöhe erreicht, denn Stützpunkte wie die Al Dhafra Air Base in Abu Dhabi sind knapp 2600 Kilometer von Kobane entfernt. Durch die geografische Nähe der Incirlik Air Base würde ausserdem Kerosin gespart – und es bestünde auch die Möglichkeit, Kampfhelikopter zu stationieren und somit den Zivilisten in Kobane etwa mit Nahrungslieferungen zu helfen.

Effektivität umstritten

Unterdessen ist es der Anti-IS-Allianz am Wochenende offenbar gelungen, den Vormarsch der Jihadisten auf Kobane vorerst zu stoppen. Dies bestätigten auch kurdische Einheiten vor Ort. Doch wie effektiv die Luftschläge im Kampf um Kobane tatsächlich sind, ist nach wie vor umstritten. Laut Militärexperte Christopher Harmer seien erst Erfolge gemeldet worden, nachdem der IS bereits einen Teil der Stadt erobert hatte.

Denn: «Kampfflugzeuge, die in grosser Höhe und mit hoher Geschwindigkeit fliegen, sind sehr erfolgreich im Bombardieren fester Ziele wie Brücken, Gebäude oder kleiner Ölraffinerien, die der IS betreibt», erklärt Harmer gegenüber der «Welt». Da der IS nun Gebäude in Teilen der Stadt besetzt halte, sei es auch leichter, diese erfolgreich anzugreifen.

Nach wie vor keine Bodentruppen

Entscheidend ist laut Harmer vor allem die Koordination am Boden, die bisher nicht realisiert wurde. «Damit Kampfjets mobile Ziele erfolgreich angreifen können, brauchen sie Controller auf dem Boden, sogenannte Joint Terminal Attack Controllers (JTAC), die die Angriffe der Flugzeuge leiten können», erklärt der Experte vom Washingtoner Institute for the Study of War. Mit diesem sogenannten Close Air Support sei es möglich, bewegliche Ziele wie IS-Kämpfer zu beschiessen, ohne Zivilisten in Gefahr zu bringen.

Doch solange Anti-IS-Koalition und Türkei den Einsatz von Bodentruppen in Syrien ablehnen, bleibt eine Koordination der Luftschläge schwierig – auch wenn Angriffe zunehmend mithilfe der kurdischen YPG-Kämpfer abgestimmt werden. Dies berichtete zumindest der Schweizer Journalist Kurt Pelda, der noch bis vor kurzem selbst in Kobane war, gestern in der ARD.

Drehkreuz zur Versorgung der Streitkräfte

Die Türkei war zuletzt international zunehmend für ihre Untätigkeit kritisiert worden. Zwar hat Ankara über 10'000 Soldaten sowie mehrere Panzer an der Grenze zu Syrien stationiert. Doch deren Einsatz hatte das Land vehement abgelehnt. Einige Experten werten die Öffnung türkischer Militärstützpunkte für die Anti-IS-Koalition deshalb auch vor allem als symbolischen Akt: als Entgegenkommen gegenüber den Partnern in der Nato.

Seit Mitte der 90er-Jahre – und vor allem seit den Anschlägen vom 11. September – baute die US Air Force auf der Incirlik Air Base ihr Drehkreuz zur Versorgung der eigenen Streitkräfte im Irak und in Afghanistan auf. Nur etwas mehr als 300 Kilometer sind es von dort zur umkämpften syrischen Grenzstadt Kobane.

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