Kurden erwägen, gefangene IS-Terroristen freizulassen

Wegen des Abzugs der Amerikaner aus Syrien mangelt es den kurdischen Milizen an Wachpersonal.

Nächster Konflikt vorprogrammiert: Soldaten der kurdischen Miliz YPG zeigen ihre Flagge im syrischen Tel Abyad. (28. Dezember 2018)

Nächster Konflikt vorprogrammiert: Soldaten der kurdischen Miliz YPG zeigen ihre Flagge im syrischen Tel Abyad. (28. Dezember 2018) Bild: Sedat Suna/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Aus Syrien kommen nur schlechte Nachrichten, an diese bittere Lehre hat man sich gewöhnen müssen. Nun droht eine weitere schlechte Nachricht; sie betrifft direkt die Sicherheit Europas. Es geht darum, ob Hunderte der gefährlichsten IS-Terroristen, viele von ihnen sind Staatsbürger Belgiens, Frankreichs, Österreichs, Deutschlands oder auch der Schweiz bald wieder auf freiem Fuss sein könnten. Frei, um womöglich weiterzumorden.

Bisher sitzen sie in Gefängnissen der kurdischen Miliz YPG ein. Während der Zerschlagung des sogenannten Islamischen Staates gerieten sie in Gefangenschaft. Seit Jahren drängen die Kurden europäische Regierungen, ihre Staatsbürger zurückzuholen und sie in den Heimatländern vor Gericht zu stellen. Die US-Regierung unterstützt den Vorschlag: Die Kurden seien überfordert, man dürfe sie mit diesem Problem nicht alleinlassen. Aber nichts geschah. «Sie sind Franzosen, aber unsere Feinde», erklärte die Regierung in Paris.

Alle scheuen das Risiko

Niemand wollte das Sicherheitsrisiko eingehen, solche Leute zurückzuholen. Niemand wollte das politische Risiko eingehen, eine solche höchst unpopuläre Aktion der eigenen Bevölkerung erklären zu müssen. «Nichts zu tun, ist keine Option,» warnte der damalige US-Verteidigungsminister James Mattis vor einem Jahr bei einem Treffen der Nato. Aber es blieb bei der europäischen Ablehnung. Nur einige Frauen und Kinder wurden aus dem Irak ausgeflogen.

Jetzt meldet die Oppositionsgruppe «Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte», die Kurden würden über die Freilassung der Gefangenen nachdenken. Der von US-Präsident Donald Trump angekündigte Rückzug der amerikanischen Truppen setze sie unter Druck. Die zur Bewachung der IS-Gefangenen eingesetzten Kurden-Kämpfer sollen an die Front. Die Kurden dementieren. Aber gegenüber der «New York Times» bestätigte ein westlicher Offizieller, dass solche Diskussionen sehr wohl stattgefunden hätten. «Wenn sie freigelassen würden, wäre dies ein echtes Desaster und eine erhebliche Bedrohung für Europa,» fügte er hinzu.

Video: US-Senator fordert smarten Truppenabzug aus Syrien

Der geplante US-Truppenabzug aus Syrien könnte sich hinziehen. (Video: Reuters)

Noch darf man hoffen, dass der politische Druck auf die Kurden ausreicht und die IS-Kämpfer in den Gefängnissen bleiben. Sicher ist das aber nicht. Es droht eine neue Runde militärischer Auseinandersetzungen. Die Türkei erwägt einen Einmarsch. Inzwischen warnen die Kurden, es könnte ein «Sicherheitsvakuum» entstehen, «das diese Kriminellen nutzen, um zu entkommen.»

Europa herausgefordert

Gut aufgehoben sind Europas gefährlichste Terroristen in den dortigen Gefängnissen und Lagern nicht mehr. Und so mahnen die jüngsten Ereignisse, dass Europa dieses Problem nicht mehr länger ignorieren darf. Ein internationales Tribunal oder die Justiz in den Heimatländern – die IS-Mörder gehören vor ein Gericht, sie müssen verurteilt und inhaftiert werden.

Das ist durchaus erfolgversprechend: Mittlerweile sind viele IS-Kämpfer freiwillig nach Europa zurückgekehrt und hier verurteilt worden. Oft ist es eine Herausforderung, ihnen nachzuweisen, an welchen Taten sie dort beteiligt waren. Es ist ein mühsamer Weg. Die Alternative ist die unrealistische Hoffnung, dass die IS-Fanatiker in einer unsicheren Regionen weiter sicher verwahrt werden würden. (Redaktion Tamedia)

Erstellt: 02.01.2019, 21:54 Uhr

Artikel zum Thema

US-Senator: Trump soll Abzug aus Syrien überdenken

Der einflussreiche Senator Lindsey Graham deutet an, dass der Truppenabzug verlangsamt werde. Mehr...

US-Senator: Trump soll Abzug aus Syrien überdenken

Der einflussreiche Senator Lindsey Graham deutet an, dass der Truppenabzug verlangsamt werde. Mehr...

Wer kämpft wo gegen wen in Syrien?

Im Syrien-Krieg deutet sich eine grundlegende Wende an. Ein Überblick der aktuellen Situation im gebeutelten Land. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Blogs

Geldblog Das Bankgeheimnis gilt nicht überall gleich

Die Welt in Bildern

Das erste Weisshandgibbon Baby des Skopje Zoos steht in seinem Gehäge neben seiner Mutter. (20. Mai 2019)
(Bild: Robert Atanasovski) Mehr...