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Kushner ist dem Kronprinzen verdächtig nahe

Trumps Schwiegersohn kommt zunehmend unter Druck. Ihm droht eine Untersuchung des US-Parlaments.

Freundschaftliche Kontakte: Muhammad bin Salman bei einem Treffen in Riad mit Jared Kushner und Ivanka Trump.
Freundschaftliche Kontakte: Muhammad bin Salman bei einem Treffen in Riad mit Jared Kushner und Ivanka Trump.
Keystone

Mit der Machtübernahme im US-Repräsentantenhaus werden die Demokraten im neuen Jahr mehrere Untersuchungen gegen die Trump-Administration in Gang setzen. Ein Thema wird Donald Trumps Saudiarabien-Politik sein, so zum Beispiel auch das Verhalten der Trump-Administration im Umgang mit dem Mord am Journalisten Jamal Khashoggi.

Dies berichtet der TV-Sender CNN. Dabei soll ein Untersuchungsausschuss des «House» nicht zuletzt auch die persönlichen Beziehungen zwischen Jared Kushner, Trump-Schwiegersohn und -Berater, und dem saudischen Kronprinzen Muhammad bin Salman (MbS) unter die Lupe nehmen.

Im Weissen Haus ist Kushner der grösste Fürsprecher von MbS, der den Auftrag zur Ermordung des Journalisten Khashoggi gegeben haben soll. Diese Auffassung vertreten inzwischen auch namhafte Senatoren der Republikaner, nachdem die CIA die Schlüsselrolle von MbS beim grausamen Khashoggi-Mord festgestellt hatte.

Reger Austausch über Whatsapp

Trotz der Khashoggi-Affäre unterhält Kushner weiterhin regelmässigen Kontakt mit dem Kronprinzen Saudiarabiens – und zwar über den Nachrichtenkanal Whatsapp, wie die «New York Times» berichtet. Nach Bekanntwerden des Verbrechens soll Kushner MbS vorgeschlagen haben, ihn in der Khashoggi-Affäre zu beraten – also ihm zu helfen, möglichst unbeschadet aus der Sache herauszukommen. Die Zeitung beruft sich auf Regierungskreise in Washington.

Kushner und MbS sprechen sich offenbar mit Vornamen an. Das ist ein weiteres Indiz dafür, dass ihre Beziehungen über die gewöhnlichen Regierungskontakte hinausgehen. Die beiden ehrgeizigen Männer unterhalten längst eine freundschaftliche Beziehung. Darüber hinaus brauchen sie einander, um politische Ziele zu erreichen.

Kushner und die Saudis: Bericht von CNN. Quelle: CNN

In der Trump-Administration geniesst Saudiarabien eine herausragende geopolitische und wirtschaftliche Rolle. Die Saudis sind finanzkräftige Käufer amerikanischer Rüstungsgüter. Und sie gelten als Schlüsselpartner zur Eindämmung des iranischen Einflusses in der Region sowie für ein mögliches Friedensabkommen im israelisch-palästinensischen Konflikt. Kushner ist US-Sondergesandter für den Nahen Osten.

Saudisches Umwerben von Kushner

Für den saudischen Kronprinzen sind die Amerikaner wichtig, um seine Macht im eigenen Land zu festigen und seinen Einfluss in der Region auszuweiten. Gemäss «New York Times» haben die Saudis schon nach dem Wahlsieg Trumps vor zwei Jahren begonnen, gezielt um die Gunst von Kushner zu werben. Die «New York Times» stützt sich auf zugespielte Dokumente, E-Mails und andere Informationen. Das Umwerben des Trump-Schwiegersohns scheine funktioniert zu haben, schreibt die Zeitung.

Im Verhältnis zwischen Kushner und MbS dürften auch private geschäftliche Interessen eine Rolle spielen. Bevor der mit Ivanka Trump verheiratete Kushner zum Präsidentenberater aufstieg, hatte er Immobilien- und Finanzgeschäfte gemacht. Seine weiterhin geschäftende Kushner Company landete letztes Jahr laut Medienberichten bei der Suche nach Investoren für ein Milliardenprojekt in Saudiarabien.

In Medien und Öffentlichkeit in den USA läuft eine Debatte über die Frage, ob Kushner seine privaten geschäftlichen Interessen von seinem politischen Amt sauber trennen könne. Und ob er sich allenfalls beeinflussbar oder sogar erpressbar gemacht habe. Die mutmasslichen Interessenkonflikte gelten nicht nur im Fall von Saudiarabien.

Ähnliche Frage stellen sich in Zusammenhang mit den Immobiliengeschäften von Präsident Trump, dessen Trump Organization zurzeit unter Führung seiner Söhne steht. Trump lobte einst die Immobilienkäufer aus Saudiarabien in den höchsten Tönen. Auch das ist Stoff für Untersuchungssausschüsse im US-Repräsentantenhaus.

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