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«Libyen wird ein zweiter Irak, jeder hat eine Knarre»

Ein Ghadhafi-Söldner spricht Klartext: Nicht für Geld, sondern aus Dankbarkeit dem Ex-Diktator gegenüber meldete er sich zum Kampf. Dass das Land bald zur Ruhe kommt, glaubt er nicht.

«Wenn du beschossen wirst, dann feuerst du zurück», sagt Ghadhafi-Söldner Mohammed Wanighi. Um Zivilisten könne man sich da nicht kümmern.
«Wenn du beschossen wirst, dann feuerst du zurück», sagt Ghadhafi-Söldner Mohammed Wanighi. Um Zivilisten könne man sich da nicht kümmern.
Screenshot: BBC

Agadez, die staubige Stadt im Süden Nigers, hat in den vergangenen Wochen wohl mehr Schlagzeilen gemacht als in den letzten Jahrzehnten zusammengenommen. Die Flucht verschiedener Generäle des gefallenen libyschen Regimes sowie von Muammar al-Gadhafis Sohn Saadi rückte das Land zwischen Libyen und Nigeria für kurze Zeit in den Fokus der globalen Aufmerksamkeit.

Mit den Ghadhafi-Getreuen verliessen auch zahlreiche nigrische Söldner das sinkende libysche Schiff in Richtung Heimat. Nicht für Geld, sondern aus Dankbarkeit gegenüber dem langjährigen libyschen Diktator habe er zur Waffe gegriffen, sagt der 32-jährige Mohammed Wanighi im Interview mit dem britischen TV-Sender BBC, der ihn in seiner Heimatstadt Agadez, rund 1000 Kilometer von der libyschen Grenze aufgespürt hat.

«Was ist ein Zivilist?»

Mohammed kämpfte in Misrata, wo die Ghadhafi-Kräfte zahlreiche Zivilisten getötet haben sollen. «Wir hatten Order, die Strassen zu säubern, eine nach der anderen», erzählt Mohammed. «Wenn du unter Beschuss kommst, dann schiesst du zurück. Und wenn die sich hinter Zivilisten verstecken: Kann man dann noch von Zivilisten sprechen?», erkärt er seine Sicht der Dinge.

Die Ausrüstung, die sie von Ghadhafis Truppen erhalten haben, sei der Traum jedes Kämpfers. «Jeder kriegte eine Kalaschnikow, einige hatten Panzerfäuste, andere tragbare Raketenwerfer», schwärmt Mohammed, der auch in einer der zahlreichen Tuareg-Revolten in Niger kämpfte. Dass Ghadhafi das rebellische Volk finanziell unterstützt hat, ist ein weit verbreitetes Gerücht in Afrika.

Ghadhafi, der Wohltäter

«Ghadhafi hat vieles für uns getan, was unsere Politiker nicht taten: Er hat ein Spital hier in Agadez finanziert, hat Strassen bauen lassen und Laternen für deren Beleuchtung bezahlt», erklärt Mohammed die Verbundenheit zum Langzeit-Diktator. Deshalb habe er sich freiwillig gemeldet, als die Revolution gegen den Bruder Revolutionsführer begann. «Was sollten wir tun», fragt er rhetorisch. «Mit verschränkten Armen zusehen, wie er untergeht?»

Dass Ghadhafi den Krieg verloren hat, glaubt Wanighi nicht. Dass er Tripolis verlassen habe, bedeute noch gar nichts: «Das ist ja nicht einmal seine Heimatstadt. Wenn die Rebellen Sirte und Bani Walid einnehmen, dann können wir von einer Niederlage sprechen.» Noch hat Wanighi also etwas Grund zur Hoffnung: Sirte ist zwar zu einem grossen Teil erobert, aber eben noch nicht ganz. Und in Bani Walid dauern die Kämpfe weiter an, ohne dass die Truppen des Nationalen Übergangsrates substanzielle Fortschritte machen.

Aber auch wenn die Rebellen dereinst alle Städte kontrollierten und Ghadhafi tatsächlich gestürzt sei, werde das Land nicht zur Ruhe kommen, ist der freiwillige Söldner Wanighi überzeugt: «Libyen wird wie Somalia oder der Irak, jeder dort hat eine Knarre.» Er und seine Freunde jedenfalls denken bereits darüber nach, zurück zu gehen und weiter zu kämpfen.

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