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Libyens neuer Freund

Der Iran hat dem libyschen Übergangsrat zum Sturz von Ghadhafi gratuliert. Die beiden autokratischen Regierungen konnten es nie gut miteinander. Eine Entführungsaffäre ist der Grund dafür.

jak
Stellt sich gut mit dem neuen Libyen: Der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad.
Stellt sich gut mit dem neuen Libyen: Der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad.
Keystone

«Die heroische libysche Nation ist gegen ihre repressiven Führer aufgestanden und beweist damit, dass es in der Zeit des Erwachens der Nationen keinen Platz für Tyrannei gibt und die Forderungen der Menschen respektiert werden müssen», beglückwünschte der iranische Parlamentssprechers, Ali Larijani, letzte Woche die Rebellen. Irans Aussenminister Ali Akbar Salehi doppelte nach:«Salehi gratuliert in einem Telefongespräch mit dem Übergangschef Mustafa Abdul Jalil zum Sieg des libyschen Volkes und hofft die bilateralen Beziehungen zu vertiefen», hiess es in einer offiziellen Stellungnahme aus Teheran.

Es war das erste offizielle Gespräch zwischen den beiden Nationen seit dem Sturz von Machthaber Muammar al-Ghadhafi. Jalil bedankte sich im Gegenzug bei Aussenminister Salehi für die humanitäre Hilfe. Die Regierung im Iran, die selbst im Zuge der Aufstände im Nahen Osten zu repressiven Massnahmen griff, hat den libyschen Übergangsrat zwar bis heute offiziell nicht anerkannt, doch die Kontakte mit den Rebellen haben gemäss dem iranischen Staatssender «Presstv» bereits vor dem Sturz Ghadhafis bestanden. Salehi spricht von «diskreten humanitären Hilfsmassnahmen».

Der Fall Sadr

Die Annäherung kommt nicht überraschend. Denn die Beziehungen zwischen Teheran und Muammar al-Ghadhafi waren von Anfang an von Feindseligkeiten geprägt, obwohl die beiden Nationen mit den USA einen gemeinsamen Feind hatten. Grund für den Zwist ist der 1928 im Iran geborene schiitische Geistliche Moussa al-Sadr, der seit August 1978 vermisst wird. Der damals im Libanon tätige Imam war mit zwei Begleitern auf Einladung Ghadhafis in Libyen unterwegs. Die libysche Regierung betonte stets, dass al-Sadr und seine zwei Begleiter Ende August 1978 das Land in Richtung Rom verlassen hatten. Die italienischen Behörden konnten dessen Ankunft in der Hauptstadt aber nie bestätigen. Der Iran und Libanon gehen davon aus, dass Ghadhafi den schiitischen Geistlichen ermorden liess.

Bereits im August 2008 stellte Beirut wegen mutmasslicher Entführung von Moussa al-Sadr einen Haftbefehl gegen Ghadhafi und 11 weitere libysche Offizielle aus. Im Zuge des Konflikts in Libyen kam auch das Gerücht auf, dass al-Sadr noch am Leben sein könnte. Mit dem Sturz des libyschen Machthabers hoffen nun beide Länder das Schicksal von al-Sadr klären zu können.

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