Massive Cyberattacke auf al-Jazeera

Unbekannte haben in einer gross angelegten Aktion die katarische Mediengruppe sowie mehrere saudische Webseiten gehackt.

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Im Zuge der Spannungen zwischen Katar und seinen Nachbarstaaten kommt es offenbar zunehmend zu Hackerangriffen. Inmitten der diplomatischen Krise in der Golfregion ist der katarische Sender al-Jazeera nach eigenen Angaben Opfer eines breit angelegten Hackerangriffs geworden. «Mediengrupppe al-Jazeera unter Cyberattacke auf alle Systeme, Websites und soziale Onlineplattformen», teilte das Unternehmen am Donnerstag im Kurzbotschaftendienst Twitter mit.

Auf mehreren saudischen Webseiten posteten Hacker zudem Nachrichten auf Farsi sowie Fotos des iranischen Ajatollahs Ali Khamenei und von dessen verstorbenem Vorgänger Ruhollah Chomeini. Der schiitische Iran ist der grosse Erzfeind des sunnitischen Saudiarabien in der Region.

Der Hackerangriff wurde von einer Quelle in dem Sender bestätigt. Derzeit werde versucht, den Angriff abzuwehren, hiess es. Die Website www.aljazeera.com war am Donnerstag zeitweise nicht aufrufbar. Einige Fernsehzuschauer in der Region berichteten, sie könnten al-Jazeera nicht mehr empfangen.

Die Cyberattacke trifft den katarischen Sender inmitten der schweren diplomatischen Krise zwischen Katar und mehreren arabischen Staaten. Saudiarabien und seine Verbündeten Ägypten, Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate hatten die diplomatischen Beziehungen zu Katar am Montag abgebrochen.

Katarische Bürger müssen diese Länder innerhalb von 14 Tagen verlassen. Ausserdem stellten die Länder den Flugverkehr von und nach Katar ein. Saudiarabien schloss auch Katars einzige Landgrenze.

al-Jazeera soll Zwietracht in der Region säen

Hintergrund sind Vorwürfe an Katar, das Land unterstütze Terroristen. Eine Rolle spielt allerdings offensichtlich auch das relativ gute Verhältnis Katars zum Iran. Auch al-Jazeera wurde als Stein des Anstosses genannt, Saudiarabien schloss die Büros des Senders auf seinem Staatsgebiet.

Katars Nachbarländer hatten dem einflussreichen Sender mit knapp 80 Büros in aller Welt in der Vergangenheit wiederholt vorgeworfen, mit voreingenommener Berichterstattung Zwietracht in der Region zu säen.

Ein Hackerangriff war womöglich auch der Auslöser für die gegenwärtige diplomatische Krise. Der US-Sender CNN hatte kürzlich berichtet, dass russische Hacker eine «Fake-News»-Geschichte bei der staatlichen Nachrichtenagentur Katars platziert hätten.

Laut CNN gab die Regierung Katars an, dass der Medienbericht vom 23. Mai falsche Informationen hinsichtlich der katarischen Führung beinhaltet habe, die dem Iran und Israel gegenüber freundlich schienen. Überdies soll in dem Bericht in Frage gestellt worden sein, dass sich US-Präsident Donald Trump im Amt halten könne. Russland wies den Bericht zurück. (sep/sda/ap)

Erstellt: 08.06.2017, 23:18 Uhr

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