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Mord an First Lady erschüttert Lesotho

Der Premierminister des kleinen Königreichs im südlichen Afrika muss vor Gericht erscheinen. Seine dritte Ehefrau soll ihre Vorgängerin beseitigt haben.

Premier Thomas Thabane mit seiner dritten Frau Maesaiah. Foto: AP
Premier Thomas Thabane mit seiner dritten Frau Maesaiah. Foto: AP

Als seine Frau im Juni 2017 ­umgebracht wurde, sprach Tom Thabane von einem «sinnlosen Verbrechen». Zwei Tage später wurde er in Anwesenheit seiner neuen Partnerin zum Premierminister Lesothos vereidigt, des kleinen Königreiches im südlichen Afrika. Zwei weitere Monate später heiratete der Premier Maesaiah, die mit 42 Jahren etwa halb so alt ist wie der Regierungschef.

Bald begannen in der Bevölkerung Gerüchte zu kursieren, dass der Tod der früheren First Lady Lipolelo Thabane womöglich gar nicht so sinnlos war, kein Werk unbekannter Krimineller, wie die Polizei erst behauptete – sondern von höchster Stelle befohlen, damit Thabanes neue Frau auch das Amt der First Lady antreten kann, das in Lesotho finanziell recht üppig entschädigt wird, mit Leibwächtern, Dienstwagen und Angestellten.

Kabale und Liebe

Aus den Gerüchten wurde ein konkreter Verdacht, als die Polizei Ende 2019 bekannt gab, dass sich ein Anruf vom Tatort auf ein Telefon des Premiers verfolgen lasse. Erst wurde seine Frau Maesaiah des Mordes an ihrer Konkurrentin angeklagt, und am Montag musste nun auch der ­Regierungschef das erste Mal vor Gericht erscheinen, wo er über seinen Anwalt verkünden liess, als Premierminister Immunität zu geniessen.

Es ist eine Affäre von shakespearhaftem Ausmass, die seit dem Mord im Juni 2017 das grösste Gesprächsthema Lesothos ist – und die das ganze Land zu destabilisieren droht. Lesotho ist sehr klein, schafft es aber ­immer wieder, seinem Ruf als grossem Unruheherd in der ­Region gerecht zu werden. Seit Jahrzehnten wechseln sich Staatskrisen, Putsch und Neuwahlen ab. Politische Morde sind nicht selten, zuletzt waren ein amtierender und ein ehemaliger Armeechef unter den Opfern. Die Südaf­rikanische Staatengemeinschaft schickte zweimal Truppen, die Wahlen überwachen oder die Lage stabilisieren sollten, die letzten zogen 2018 ab.

Rücktritt angekündigt

Nun drohen erneut unruhige Zeiten, Premier Thabane will bis Ende Juli wegen seines Alters zurücktreten. Die Ankündigung erfolgte aber kurz nach dem ­Besuch eines Abgesandten der südafrikanischen Regierung, die offenbar deutlich gemacht hat, dass sie keinen des Mordes ­Verdächtigten an der Spitze des Nachbarstaates duldet.

Lesotho hat 2,2 Millionen Einwohner, ist komplett von Süd­afrika umgeben und produziert kaum etwas ausser sauberes Wasser, dessen Export die wichtigste Einnahmequelle ist. Jobs in der Privatwirtschaft sind rar, die Politik gilt als beste Möglichkeit, ein gutes Auskommen zu erreichen, entweder über Armee und Polizei oder über den Aufstieg in einer Partei. Am besten über ­beides. Da die Ressourcen des Staates aber kleiner sind als die Wünsche der zahlreichen kor­rupten Politiker, befindet sich die ­Elite des Landes seit Jahren in einem aggressiven Verteilungskampf – während die Mehrzahl der Bevölkerung verarmt.

Maesaiah Thabane, die Mordverdächtige und dritte Ehefrau des Premiers, kommt aus der ärmlichen ländlichen Region und drängte ihren Mann, sich endlich von seiner zweiten Ehefrau zu scheiden zu lassen, von der er seit Jahren getrennt lebte, damit sie die Annehmlichkeiten einer First Lady in Anspruch nehmen konnte. Lipolelo Thabane aber weigerte sich, weil sie ebendiese nicht verlieren wollte. Daraufhin sollen der Premier und seine künftige Frau Auftragskiller angeheuert haben, die Lipolelo in ihrem Auto erschossen.

Lange sah es so aus, als würde das Paar damit durchkommen. Maesaiah Thabane gewann als neue First Lady aber wenig Freunde, sie soll immer mitentschieden haben, wenn ihr Mann neue Posten zu vergeben hatte, ein von ihr eingerichteter Fonds zur Unterstützung von Armen und Waisen soll letztlich nur der Geldwäsche gedient haben. Wie es weitergeht, ist unklar.

Der mächtige Nachbar Südafrika ist zunehmend genervt. ­Finanzminister Tito Mboweni hat die Hoffnung aufgegeben, dass sich das kleine Land selber helfen kann, und würde es gerne Südafrika angliedern. «Wer glaubt, dass politischer guter Wille diese Krise lösen werde, versteht die politische Ökonomie der Gesellschaft in Lesotho nicht», sagte Mboweni. Es geht nur ums Geld.

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