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Mugabe schickt seine berüchtigte 5. Brigade los

Zimbabwes Präsident befürchtet, dass die Unruhen in Nordafrika auf sein Land übergreifen könnten. Deshalb lässt er eine gefürchtete Brigade wüten – eine tödliche Einheit, die von Nordkorea ausgebildet wurde.

Inspektion der Streitkräfte: Robert Mugabe schreitet die Ehrengarde ab.
Inspektion der Streitkräfte: Robert Mugabe schreitet die Ehrengarde ab.
Keystone
Der Nachwuchs wird schon früh trainiert: Schuljunge am 30. Unabhängigkeitstag von Simbabwe am 18. April 2010.
Der Nachwuchs wird schon früh trainiert: Schuljunge am 30. Unabhängigkeitstag von Simbabwe am 18. April 2010.
Keystone
Duldet keinen Widerstand: Diktator Robert Mugabe.
Duldet keinen Widerstand: Diktator Robert Mugabe.
Keystone
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Das Schicksal des libyschen Machthabers Muammar al-Ghadhafi macht manchen anderen Diktatoren in Afrika nervös. Simbabwes Präsident Robert Mugabe will um jeden Preis Unruhen im Land vermeiden und schickt deshalb seine berüchtigte 5. Brigade auf die Strasse, wie die «Welt» in ihrer Online-Ausgabe berichtet. Mugabes Schergen sind der Bevölkerung in schlechter Erinnerung. In den 80er-Jahren hetzte sie der Machthaber auf seine Gegner. Rund 20'000 Menschen kamen in den Dörfern und Städten, in denen die 5. Brigade wütete, ums Leben.

Mugabe liess die Elite-Soldaten, die rote Kappen tragen, von den Nordkoreanern ausbilden. Ende 1980 unterzeichnete Mugabe ein Abkommen mit dem nordkoreanischen Präsidenten Kim Il-sung. 106 nordkoreanische Soldaten reisten daraufhin nach Afrika, um die 5. Brigade auszubilden. Mugabe hielt diese für notwendig, um «mit Dissidenten und anderen Sorgen im Land fertig zu werden». Zu diesem Zeitpunkt schöpfte noch niemand Verdacht, zu welch blutigen Taten der Präsident die Sondereinheit einsetzen wollte. Im Gegenteil: Dass es eine Miliz gegen die «Bekämpfung von Missmut» brauchte, erschien zunächst noch vielen legitim.

Zimbabwe steht vor dem dritten Aufstand

Der erste Kommandant der 5. Brigade, Oberst Perence Shiri, war nur Mugabe unterstellt. Seine Einheit war nicht in die übrige Armee integriert. Entsprechend galten für die 5. Brigade auch keine Gesetze, sie konnten tun und lassen, was sie wollten. Die Elite-Soldaten gingen vor allem gegen Zivilisten vor, die unter Verdacht standen, die Dissidenten zu unterstützen. Die Milizen machten dabei nicht Halt vor völlig unbeteiligten Menschen. Mugabe soll 1983 gesagt haben: «Wir werden alle ausrotten. Wir machen im Kampf keinen Unterschied, weil wir nicht sagen können, wer ein Dissident ist und wer nicht.»

Nun ergreift Mugabe offenbar wieder ähnliche Massnahmen wie in den 80er-Jahren. Der Diktator fürchtet sich von den «Chimurenga». Das Wort aus der Sprache der simbabwischen Mashona bezeichnet die Aufständischen, die sich Ende des 19. Jahrhunderts gegen die Weissen auflehnten. Auch Mugabe und seine Anhänger waren «Chimurenga», als sie 1966 die weisse Minderheitenregierung bekämpften.

Nun aber droht ein Aufstand, der sich gegen Mugabe selber richtet. Die Unzufriedenheit in Zimbabwe ist gross. Die Zahl der Menschen, die von Lebensmittelverteilungen abhängig sind, hat sich laut UNO-Währungsprogramm seit 2006 verdoppelt. Die Wirtschaft leidet unter Hyperinflation. 2006 wurden zwar alle weissen Farmer entschädigungslos enteignet, die Bevölkerung aber hat von dieser umstrittenen Landreform nicht profitiert: Das Land kam grösstenteils in den Besitz von Mugabe-Anhängern.

Mugabe schickte Ghadhafi Kämpfer

Ein Unternehmer sagt gegenüber der «Welt»: «Das Mass ist schon lange voll. Vielleicht stehen die Leute nun endlich auf.» Mugabe blickt deshalb bang auf die Entwicklungen in Nordafrika und hofft, dass die Unruhen nicht auf sein Land übergreifen. Und er hat den nordafrikanischen Despoten sogar Unterstützung angeboten, um die Revolutionen im Keim zu ersticken. Er soll Ghadhafi Kämpfer geschickt haben. Eine Eliteeinheit – möglicherweise Mitglieder der 5. Brigade – soll das Leben des libyschen Diktators schützen. Diese Gerüchte sind aber unbestätigt, denn nicht nur in Libyen ist es schwierig, unabhängig Informationen zu erhalten: Auch Mugabe hat in Zimbabwe einen Propaganda-Apparat aufgebaut, wie man ihn in Diktaturen kennt.

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