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«Mursi geht es gut»

Während ihres Besuchs in Ägypten hat die EU-Aussenbeauftragte Ashton den abgesetzten Präsidenten Mursi getroffen. Dieser wird an einem geheimen Ort festgehalten. Ashton hatte zuvor seine Freilassung gefordert.

Bestand auf einem Treffen mit Ex-Präsident Mursi: EU-Aussenbeauftragte Catherine Ashton beim ägyptischen Vizepräsidenten Mohammed al-Baradei. (29. Juli 2013)
Bestand auf einem Treffen mit Ex-Präsident Mursi: EU-Aussenbeauftragte Catherine Ashton beim ägyptischen Vizepräsidenten Mohammed al-Baradei. (29. Juli 2013)
Keystone

Bisher wusste man fast gar nichts über den vom Militär inhaftierten Ex-Präsidenten Mursi. Die EU-Spitzendiplomatin Ashton durfte ihn jetzt besuchen. Ägyptens Top-Häftling geht es demnach gut. Er darf fernsehen und Zeitungen lesen.

Der bisher glaubwürdigste Befund über den Zustand des ägyptischen Ex-Präsidenten Mohammed Mursi seit seinem Sturz am 3. Juli stammt von der EU-Aussenbeauftragten Catherine Ashton. «He's well» - «Es geht ihm gut», stellte bei einer Pressekonferenz in Kairo fest.

In der Nacht zuvor war sie die erste ausländische Besucherin, der es das ägyptische Militär gestattet hat, Mursi zu treffen. Der islamistische Politiker sitzt in einer Haftanstalt des Militärs an einem unbekannten Ort in Ägypten.

Kein Zugang für Verwandte

Nicht einmal Anwälte, Verwandte oder Vertraute hatten bislang Zugang zum prominentesten Gefangenen im Lande. Eine Delegation von ägyptischen Menschenrechtsexperten erhielt nach Medienberichten am 7. Juli Zugang zu seinem Verbannungsort - doch Mursi verweigerte ein Treffen.

Vor Ashton dürfte ausser Wächtern, Militärs und Untersuchungsrichtern niemand weiteres mit ihm gesprochen haben. Offiziell verlautete in den fast vier Wochen seit seiner Gefangennahme fast gar nichts, abgesehen von Floskeln der Armeesprecher, dass Mursi gemäss seinem letzten Amt «würdig» behandelt und zu seiner «eigenen Sicherheit» festgehalten werde.

Diskrete Diplomatie

Die Neugierde war deshalb gross, als Ashton in Kairo vor die Presse trat, um über ihren Besuch beim prominenten Gefangenen zu berichten. «Er hat Zugang zu Informationen in Form von Fernsehen und Zeitungen, so waren wir in der Lage, über die Situation zu sprechen», sagte sie in ihren knapp gehaltenen Ausführungen.

Die Hafteinrichtung habe sie gesehen, doch wisse sie nicht, wo sich diese befinde. Nach ägyptischen Medienberichten flog sie ein Militärhelikopter zu dem ausserordentlichen Termin.

Naturgemäss wollten die Journalisten wissen, was Mursi bei der Begegnung gesagt hat. Ashton blieb zurückhaltend: «Ich sagte zu ihm, dass ich seine Ansichten nicht referieren werde, denn unter diesen Umständen kann er mich nicht korrigieren, wenn ich sie falsch wiedergebe.»

Die Spitzendiplomatin der EU agierte betont diskret. Das Treffen, von den neuen Machthabern ermöglicht, sollte den Beginn einer Vermittlungsmission markieren.

Erst seit Freitag offiziell angeklagt

Eine Anklage gegen Mursi liegt erst seit letztem Freitag vor - in der Zeit davor sass er ohne Rechtsgrundlage in Haft. Jetzt wirft ihm ein Untersuchungsrichter Landesverrat vor.

Mursi und andere führende Muslimbrüder hätten mit der palästinensischen Hamas konspiriert, um aus dem Gefängnis Wadi al-Natrun am Westrand des Nildeltas zu fliehen. Das war während der Revolution Anfang 2011, als Langzeitmachthaber Hosni Mubarak stürzte.

Die Anschuldigungen wirken konstruiert. Denn bereits im April 2011 hatte eine Expertenkommission der Übergangsregierung festgestellt, dass Mubaraks Innenminister Habib al-Adli auf dem Höhepunkt der Revolution einige wichtige Gefängnisse bewusst öffnen liess, um Chaos zu erzeugen.

In einer dieser Haftanstalten sassen Mursi und die anderen Islamisten, die die Polizei ein paar Tage davor dort ohne Haftbefehl eingesperrt hatte. Mursis neuer Inhaftierungsort bleibt auch nach Ashtons Visite ein Geheimnis.

SDA/chk

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