Nach dem Militärputsch flog er zurück in die Elfenbeinküste

Der neue CS-Chef Tidjane Thiam war in den 90er-Jahren Minister der Elfenbeinküste. Schuldgefühle hatten ihn dazu gemacht. Später hörte er als Politiker auf – trotz bester Angebote.

«Ich habe immer gesagt, dass ich kein Politiker bin. Ich liebe die Welt des Business»: Tidjane Thiam.

«Ich habe immer gesagt, dass ich kein Politiker bin. Ich liebe die Welt des Business»: Tidjane Thiam. Bild: Keystone

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Der künftige CEO der Credit Suisse, Tidjane Thiam, kann auf eine glanzvolle Laufbahn in der Versicherungsbranche zurückblicken. Er hätte aber auch in seinem Herkunftsland, der Elfenbeinküste, eine grosse Politikerkarriere machen können. Der 52-jährige französisch-ivorische Topmanager gehörte immer zu den Besten. Und er entstammt einer politisch einflussreichen Familie, deren Vorfahren mütterlicherseits die Namensgeber der ivorischen Hauptstadt Yamoussoukro sind. Die Mutter, Marietou Thiam, war eine Nichte von Felix Houphouët-Boigny, der das westafrikanische Land 1960 in die Unabhängigkeit geführt hatte und bis zu seinem Tod 1993 Staatspräsident gewesen war. Und der aus Senegal stammende Vater, Amadou Thiam, ein Journalist, amtierte viele Jahre als ivorischer Informationsminister. Der designierte CS-CEO hat zudem einen Onkel, Habib Thiam, der in den 90er-Jahren Premierminister des Senegal war.

Modernisierung der Infrastruktur und Privatisierung der Wirtschaft

Wie seine prominenten Familienangehörigen trat auch Tidjane Thiam in den Staatsdienst ein. Allerdings nicht aus Begeisterung, sondern aus einem Pflichtgefühl heraus, wie er viele Jahre später in einem Interview erklärte. Dass er in Frankreich im Wohlstand, aber seine ivorischen Landsleute im Elend gelebt hätten, habe bei ihm Schuldgefühle ausgelöst. Er wollte dem Land, in dem er geboren wurde, helfen.

Nach der Ausbildung an französischen Elite-Hochschulen und acht Berufsjahren als McKinsey-Berater in Paris und New York folgte er 1994 dem Ruf des neuen ivorischen Präsidenten Henri Konan Bédié. 32-jährig übernahm er die Leitung einer Behörde mit 4000 Mitarbeitenden, die den Auftrag hatte, die Infrastruktur des Landes zu modernisieren. Zu seinen Leuchtturmprojekten gehörten die Sanierung des nationalen Stromnetzes, der Bau einer Grossbrücke und die Renovation des Flughafens in Abidjan, der Wirtschaftsmetropole der Elfenbeinküste. In dieser Zeit führte er für die ivorische Regierung auch die Verhandlungen mit der Weltbank und dem Internationalen Währungsfonds.

Gleichzeitig präsidierte Thiam eine staatliche Kommission, die die Privatisierung der Wirtschaft vorantreiben sollte, etwa bei der Telekommunikation, der Stromversorgung, dem Eisenbahnnetz und der Landwirtschaft. Nach vier Jahren folgte der nächste Karrieresprung: Thiam erhielt zusätzlich das Regierungsamt als Minister für Planung und Entwicklung. Im selben Jahr nahm das WEF in Davos den jungen Minister in die Gemeinschaft der «Global Leaders for Tomorrow» auf.

Angebote als Regierungsberater und Ministerpräsident abgelehnt

An Weihnachten 1999 setzte ein Militärputsch der Politikerkarriere von Thiam ein Ende. Nach dem gewaltsamen Machtwechsel mit Toten und Verletzten wollte Thiam nichts mehr mit der Politik zu tun haben. Als General Robert Guéï die Macht übernahm, befand sich der junge Minister mit seiner Familie gerade in den USA. Trotz der politischen Wirren kehrte Thiam in die Elfenbeinküste zurück, denn er habe sich verpflichtet gefühlt gegenüber seinen Mitarbeitenden. In seinem Herkunftsland wurde er – wie auch die anderen Regierungsmitglieder – zunächst einige Wochen unter Hausarrest gestellt. Die Putschisten boten ihm später einen hochrangigen Job als Regierungsberater an, was er aber ablehnte. Thiam verliess das Land und kehrte nach Frankreich zurück. Und er liess sich nicht umstimmen, als ein Jahr später der neue ivorische Präsident Laurent Gbagbo ihm das Amt des Ministerpräsidenten anbot.

«Ich habe immer gesagt, dass ich kein Politiker bin», erklärte Thiam ein paar Jahre später in einem Interview. In der Politik verliere man den Glauben an die Menschen, und das habe er nicht gewollt. Vor allem betonte Thiam, dass er die Welt des Business liebe. Nach seinem Rückzug aus der Politik machte Thiam rasch eine steile Karriere mit Spitzenjobs bei McKinsey sowie den Versicherungskonzernen Aviva und Prudential. Und ab nächstem Sommer ist er CEO der Schweizer Grossbank Credit Suisse.

Erstellt: 11.03.2015, 15:40 Uhr

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