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Nato flog fast 10'000 Angriffe in Libyen

Das Militärbündnis bezeichnet seinen Einsatz in Libyen als den erfolgreichsten seiner Geschichte. Jetzt will die Nato Libyen aber nicht mehr unterstützen – trotz ausdrücklichen Wunsches des Übergangsrats.

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Einer von über 26'000 Flügen: Ein Rafale-Jet der französischen Streitkräfte auf dem Flugzeugträger Charles de Gaulle.
Einer von über 26'000 Flügen: Ein Rafale-Jet der französischen Streitkräfte auf dem Flugzeugträger Charles de Gaulle.
AFP

Sieben Monate nach den ersten Angriffen beendet die Nato am Montag ihre Libyen-Mission. Den Beschluss fasste der Nato-Rat heute Freitag. Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen bezeichnete die Operation «Unified Protector» als «eine der erfolgreichsten in der Geschichte der Nato». Acht Tage nach der Tötung Muammar al-Ghadhafis sei «die militärische Arbeit nun erledigt».

Die Vorentscheidung für den Stopp der Angriffe, mit denen das Bündnis den Rebellen zum Sieg gegen das Ghadhafi-Regime verholfen hatte, war bereits vor einer Woche gefallen. Nachdem der UN-Sicherheitsrat am Donnerstag den Beschluss gefasst hatte, das Mandat zur Überwachung der Flugverbotszone zum 31. Oktober aufzuheben, formalisierte die Nato heute ihre Entscheidung. Schliesslich nahm der Weltsicherheitsrat in New York auch die Genehmigung von Militäreinsätzen zum Schutz von Zivilpersonen zurück. Der Rat hatte diese am 17. März nach einem Antrag der Arabischen Liga autorisiert.

Nato will keine grosse Rolle mehr spielen

Den Wünschen des libyschen Übergangsrates, die Nato solle weiterhin eine wichtige Rolle spielen, will die Allianz aber nicht nachkommen. Er sehe «keine grosse Rolle», hatte Rasmussen in Berlin betont. Heute erläuterte er in Brüssel, der Pakt stehe weiter zur Hilfe bereit. Aber nur, um der neuen Regierung bei der Reform der Sicherheits- und Streitkräfte zu helfen.

Die erste Attacke auf ein libysches Militärfahrzeug hatte am 19. März ein französischer Kampfjet geflogen – nur wenige Minuten, nachdem 22 Staats- und Regierungschefs sowie die UN und die Arabische Liga auf einem Sondergipfel in Paris die Intervention besiegelt hatten. Deutschland hatte sich bei der vorangegangenen Abstimmung über die UN-Resolution enthalten und eine Beteiligung am Militäreinsatz seither abgelehnt – genau wie Russland und China. Daraufhin sah sich die Bundesregierung international und seitens der Opposition massiver Kritik ausgesetzt.

Alliierte setzten Flugverbotszone durch

Unter dem Namen «Unified Protector» («Vereinigte Schutzmacht») flog die Nato Luftangriffe auf Ziele am Boden, setzte eine Flugverbotszone über dem nordafrikanischen Land durch sowie ein Verbot von Waffenlieferungen über das Mittelmeer. Deutschland beteiligte sich nicht aktiv an dem Militäreinsatz.

Seit Ende März flog die Nato nach eigenen Angaben über 26'300 Lufteinsätze, davon mehr als 9650 Angriffsflüge. Am Tag des Todes von Ghadhafi, dem 20. Oktober, griffen Nato-Flugzeuge in der Küstenstadt Sirte einen Konvoi an, in dem sich der Ex-Machthaber befand. Das Bündnis erklärte tags darauf, es habe von dessen Anwesenheit nichts gewusst und erst später erfahren, dass es «wahrscheinlich» zur Gefangennahme des dann getöteten Ghadhafi beigetragen habe.

(AFP)

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