Netanyahu will Teile des Westjordanlands annektieren

Bei seiner Wiederwahl werde Israel die Souveränität auf alle Siedlungen ausdehnen, sagt der israelische Ministerpräsident.

Benjamin Netanjahu (rechts) und US-Präsident Trumps Sicherheitsberater John Bolton auf einem alten Armeeposten mit Blick über das Jordantal. (Archivbild) Bild: Abir Sultan/Reuters

Benjamin Netanjahu (rechts) und US-Präsident Trumps Sicherheitsberater John Bolton auf einem alten Armeeposten mit Blick über das Jordantal. (Archivbild) Bild: Abir Sultan/Reuters

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Eine Woche vor der Parlamentswahl in Israel hat Ministerpräsident Benjamin Netanyahu erklärt, bei seiner Wiederwahl das Jordantal im besetzten Westjordanland zu annektieren. Israel werde seine Souveränität auf das Gebiet an der Grenze zu Jordanien ausdehnen.

Das sagte Netanyahu am Dienstag. Schon vor der Parlamentswahl im April hatte Netanyahu die Einverleibung israelischer Siedlungen im Westjordanland angekündigt, dies aber nicht in die Tat umgesetzt. Vor gut einer Woche wiederholte er seine Ankündigung. Der Ministerpräsident hatte sich in der Vergangenheit noch für die Einrichtung eines entmilitarisierten Palästinenserstaates ausgesprochen.

Das Jordantal verläuft entlang der Grenze zu Jordanien und macht nach Angaben der israelischen Menschenrechtsorganisation Betselem insgesamt rund 30 Prozent des Westjordanlandes aus. 90 Prozent des Jordantales stehen demnach entsprechend der Osloer Friedensverträge unter israelischer Verwaltung. Insgesamt leben im Jordantal rund 60'000 Palästinenser und rund 5000 israelische Siedler. Israel hatte in der Vergangenheit bereits auf die strategische Bedeutung des Jordantales für die eigene Sicherheit verwiesen.

«Nicht Teil von Netanyahus Wahlkampagne»

Der palästinensische Ministerpräsident Mohammed Schtaje hatte bereits vor Netanyahus Rede vor einem solchen Schritt gewarnt. «Das palästinensische Gebiet ist nicht Teil von Netanyahus Wahlkampagne», sagte Schtaje laut einer Stellungnahme seines Büros. «Wenn er glaubt, dass er durch die Annektierung der Siedlungsblöcke die Wahlen kurzfristig gewinnen wird, langfristig werden er und Israel die Verlierer sein. (...) Netanyahu ist der zentrale Saboteur des Friedensprozesses.»

Israel wählt am 17. September ein neues Parlament. Dabei zeichnet sich ein knappes Rennen zwischen Netanyahus rechtskonservativem Likud und dem oppositionelle Bündnis der Mitte, Blau-Weiss von Ex-Militärchef Benny Gantz, ab.

Israel hatte 1967 im Sechstagekrieg unter anderem das Westjordanland und Ost-Jerusalem erobert. Dort leben heute mehr als 600'000 israelische Siedler in mehr als 200 Siedlungen. Die Palästinenser beanspruchen das Gebiet als Teil eines künftigen eigenen Staates.

(red/sda)

Erstellt: 10.09.2019, 21:33 Uhr

Raketenangriff unterbricht Wahlkampfrede

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu ist am Dienstagabend während einer Wahlkampfrede von Raketenalarm unterbrochen worden. Die israelische Armee teilte mit, militante Palästinenser hätten zwei Raketen auf Israel abgefeuert.

Auch in der Hafenstadt Aschdod, wo Netanyahu gerade seine Rede hielt, heulten die Warnsirenen. Ein Video zeigte, wie der 69-Jährige in Begleitung von Bodyguards rasch den Saal verliess. Später setzte er seine Rede fort.

Nach Angaben der Armee wurden beide Raketen von dem Abwehrsystem Iron Dome (Eisenkuppel) abgefangen. Der israelische Rettungsdienst Magen David Adom teilte mit, es habe keine Verletzten gegeben. Eine 46 Jahre alte Frau in Aschdod habe einen Schock erlitten und sei ins Spital gebracht worden.

Israel wählt am 17. September ein neues Parlament. Nach Meinungsumfragen liefern sich Netanyahus rechtskonservativer Likud und das Bündnis der Mitte, Blau-Weiss, bei der Wahl ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Netanyahus politische Rivalen werfen ihm immer wieder vor, er gehe nicht entschlossen genug gegen die im Gazastreifen herrschende Hamas vor.

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