Zwei Tote bei neuen Spannungen in Jerusalem

Neue Spannungen in Jerusalem: Messerattacken von Palästinensern und Todesopfer bei israelischen Einsätzen lassen die Lage eskalieren. Beobachter fürchten eine dritte Intifada.

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Bei Zusammenstössen zwischen der israelischen Armee und Palästinensern im Westjordanland sind zwei junge Palästinenser getötet worden. Ein Junge sei an einer Schussverletzung in der Brust gestorben, teilte ein Spital bei Bethlehem mit. Der nach unterschiedlichen Angaben 12 oder 13-jährige Junge sei bei Zusammenstössen tödlich im Oberkörper getroffen worden, hiess es seitens Polizei und palästinensischem Halbmond.

Erst am Sonntag hatte die Armee einen 18-jährigen Palästinenser bei Unruhen in Tulkarem im Nordwesten des Westjordanlandes erschossen. Dort kam es nach den Anschlägen in Jerusalem mit vier Toten zu Zusammenstössen zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften. Einem Bericht der «Jerusalem Post» (Online) zufolge bewarfen 250 Palästinenser im östlich von Jerusalem gelegenen Abu Dis die Regierungstruppen mit Steinen und Brandsätzen.

Israelische Siedler blockierten demnach in einigen Orten Strassen. Die offizielle palästinensische Nachrichtenagentur Wafa berichtete von vielen Verletzten im Raum Hebron, die Tränengas eingeatmet hätten.

Im Süden Israels schlug unterdessen eine vom palästinensischen Gazastreifen aus abgefeuerte Rakete ein. Das Geschoss traf unbewohntes Gebiet, verletzt wurde nach Angaben der israelischen Armee niemand.

Zwei Palästinenser hatten am Samstag in Jerusalem Israelis mit Messern angegriffen, dabei wurden zwei Israelis getötet. Die Angreifer wurden von der israelischen Armee erschossen. Israel sperrte daraufhin die Jerusalemer Altstadt für Palästinenser.

Bereits seit drei Wochen ist die Lage in der Altstadt rund um den für Juden und Muslime heiligen Tempelberg besonders angespannt, immer wieder gibt es Unruhen. Hintergrund ist eine Häufung religiöser Feste, die am Montagabend enden.

Angespannte Lage

Auch im Westjordanland war die Lage stark angespannt. Dort war am Donnerstagabend ein jüdisches Siedlerpaar in seinem Auto erschossen worden. Bei nachfolgenden Racheakten israelischer Siedler sowie Razzien und Kontrollen der Armee erlitten am Wochenende 77 Palästinenser Schusswunden durch scharfe Munition und Gummigeschosse, wie der Rote Halbmond mitteilte.

Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas hatte sich am Mittwoch von den Friedensverträgen mit Israel losgesagt. Angesichts eines Streits um die Nutzung des Tempelbergs in Jerusalem hatte es zuvor bereits immer wieder Konfrontationen zwischen Palästinensern und Israelis gegeben.

Die Einsamen Wölfe

Angesichts der sich häufenden Attacken sogenannter Einsamer Wölfe befürchten israelische Kommentatoren bereits einen dritten palästinensischen Aufstand. Israels führender Kommentator Nahum Barnea schrieb in der Zeitung «Jediot Achronot» sogar, dass die jüngsten Auseinandersetzungen die «dritte Intifada» markiert hätten. «Dieses nicht beim Namen zu nennen, erlaubt dem politischen und militärischen Establishment, der Verantwortung auszuweichen und sich davor zu drücken». Dem widersprach der palästinensische Politologe Hani al-Masri. Um eine Intifada zu sein, bedürfe es einer Führerschaft, und die palästinensische Führung sei gegen die Gewalt, sagte er.

Viele Palästinenser glauben mittlerweile, dass ein eigener Staat für sie auf dem Verhandlungswege mit Israel nicht zu erreichen sein wird. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hatte in der Vergangenheit grössere Gewaltausbrüche verhindert. Vergangene Woche hatte er vor der UNO erklärt, er fühle sich an die Vereinbarungen mit Israel nicht mehr gebunden.

1967 von Jordanien erobert

Das zweitägige Zugangsverbot zur ummauerten Altstadt gilt für Palästinenser aus Ostjerusalem. Palästinenser, die in der Altstadt leben, arbeiten oder studieren, dürfen aber hinein. Auch Israelis und Touristen bleibt der Zugang gestattet.

Die Altstadt hatte Israel 1967 von Jordanien erobert. Es sei das erste Mal seit jenem Datum, dass Palästinensern der Zugang zu dem historischen Kern untersagt werde, meinte Jerusalem-Experte Danny Seidemann. Normalerweise haben sie freien Zugang zu der in Ostjerusalem gelegenen Altstadt, wo sich die für Muslime, Christen und Juden heiligen Stätten befinden, darunter die Klagemauer und der Tempelberg mit der Al-Aksa-Moschee und der Grabeskirche. Dort hatte sich der Konflikt zwischen Juden und Muslimen um die Nutzung des Tempelbergs zuletzt wieder zugespitzt. (fal/chk/sda)

Erstellt: 04.10.2015, 20:20 Uhr

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