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Niamey verspricht Festnahme Saadi al-Ghadhafis

Die nigrische Regierung will einen in das Land geflüchteten Sohn Muammar al-Ghadhafis offenbar verhaften. Anhänger des Ex-Diktators haben sich unterdessen Gefechte mit den Rebellen geliefert.

Die Schlinge zieht sich zu: Saadi al-Ghadhafi in einer Archivaufnahme vom 7. Februar 2005 in Sydney.
Die Schlinge zieht sich zu: Saadi al-Ghadhafi in einer Archivaufnahme vom 7. Februar 2005 in Sydney.
Reuters

Es sei vereinbart worden, Saadi Ghadhafi in der Hauptstadt Niamey in Gewahrsam zu nehmen, sagte die Sprecherin des US-Aussenministeriums Victoria Nuland am Montag in Washington. Er werde zwar nicht auf der Grundlage einer Resolution der Vereinten Nationen gesucht, aber die nigrische Regierung habe zugesagt, mit dem Nationalen Übergangsrat in Libyen zu kooperieren.

Neben Saadi Ghadhafi setzten sich in den vergangenen Tagen nach Angaben aus Niamey 31 weitere Angehörige Muammar al-Ghadhafis in den Niger ab. Sie reisten nach Regierungsangaben seit dem 2. September in vier Gruppen in das westafrikanische Nachbarland Libyens ein und wurden aus «humanitären Gründen» aufgenommen.

Der Niger hatte zuvor versichert, er werde seine Verpflichtungen gegenüber der internationalen Justiz einhalten. Nach Ghadhafi wird mit internationalem Haftbefehl gefahndet. Seine Ehefrau, eine Tochter und zwei Söhne fanden in Algerien Zuflucht.

Ghadhafi-Treue stürmen Ölraffinerie

Drei Wochen nach ihrem Einmarsch in der Hauptstadt Tripolis stossen die libyschen Rebellen weiterhin auf erbitterten Widerstand. Truppen des ehemaligen Machthabers Muammar al-Ghadhafi haben heute unweit der Hafenstadt Ras Lanuf eine Ölraffinerie angegriffen.

Bei der Attacke auf die Anlage seien 15 Wachleute getötet worden, berichtete ein verletzter Raffineriearbeiter. Eine Gruppe legte zunächst Feuer in der Anlage Ras Lanuf, später stürmten bewaffnete Männer in einer Kolonne aus bis zu 40 Fahrzeugen den Komplex. 15 Angreifer wurden getötet, wie ein Kommandeur der ehemaligen Rebellen, Fadl Allah Harun, erklärte.

Ein anderer Kommandeur, Oberst Hamid al Hasi, sagte, eine Gruppe aus 15 Mitarbeitern habe die an der Mittelmeerküste gelegene Anlage, rund 615 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Tripolis, in Brand gesteckt. Fünf der Saboteure seien getötet, der Rest festgenommen worden. In einem möglicherweise koordinierten Angriff wurde der Ölhafen anschliessend von der Kolonne aus bewaffneten Männern angegriffen, die offenbar in einem Flüchtlingscamp rund 30 Kilometer südlich von Ras Lanuf stationiert waren.

Familien flüchten aus umkämpfter Wüstenstadt

In einer Hochburg der Ghadhafi-Getreuen, Bani Walid, hatten die Rebellen ebenfalls mit erbittertem Widerstand zu kämpfen. In der Wüstenstadt lieferten sie sich heftige Strassenkämpfe mit rund 1000 Soldaten Ghadhafis. Die Rebellen brachten aber den nördlichen Teil der Stadt weitgehend unter ihre Kontrolle. In Erwartung weiterer Gefechte flüchteten Familien in Dutzenden Fahrzeugen aus Bani Walid. Augenzeugen sagten, es gebe keinen Strom und kein fliessendes Wasser in der Wüstenstadt. Den Geschäften gingen die Nahrungsmittel aus.

Ein Kommandeur der ehemaligen Rebellen sagte, Scharfschützen Ghadhafis hätten sich auf Dächern stationiert. Truppen des Exmachthabers hätten auch Grad-Raketen und Mörser auf Revolutionstruppen am nördlichen Stadtrand von Bani Walid abgefeuert. Dort hätten sich rund 2000 ehemalige Rebellen versammelt. Über Bani Walid waren auch Kampfflugzeuge der Nato zu hören. Die Allianz unterstützt die Rebellen im Kampf gegen das Ghadhafi-Regime.

Unterdessen wurden auch Kämpfe in der Stadt Sirte gemeldet. Dort seien bei Gefechten zwischen Ghadhafi-Anhängern und Anhängern der Opposition mindestens drei Menschen getötet worden, teilte der Militärrat von Misrata mit.

Geldschein mit Ghadhafi-Bild

Nach dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar Ghadhafi entfernen die Libyer sein Antlitz aus ihrem Alltag: Die libyschen Banken beschlossen, eine Banknote mit dem Bildnis Ghadhafis aus dem Verkehr zu ziehen. Die Geldscheine würden eingesammelt und der Zentralbank übergeben, sagte ein Vertreter einer Filiale der National Commercial Bank in Tripolis.

Der Schein über 50 Dinar (rund 36 Franken), die höchste Banknote des Landes, zeigt Ghadhafi mit einer grossen Brille in einem traditionellen Gewand. Er wurde 2008 zum Gedenken an den Jahrestag des Staatsstreichs unter Ghadhafis Führung im Jahr 1969 eingeführt. Libyer in Tripolis begrüssten die Entscheidung der Banken. «Wir können nicht Ghadhafi verjagen und sein Bild auf unserem Geld behalten», sagte der Notar Raschid Ratibi.

Auch die Ein-Dinar-Note trägt ein Abbild Ghadhafis, doch bislang sind keine Pläne bekannt, auch sie einzuziehen. Andere Geldscheine zeigen das Bild des libyschen Volkshelden Omar el Mochtar, der gegen die italienische Kolonialherrschaft kämpfte, oder historische Bauten des Landes.

dapd/ sda/ afp/rub, ami

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