Zum Hauptinhalt springen

Noch traut er dem Iran nicht ganz

Die Atomvereinbarung mit dem Iran ist eng verknüpft mit Obamas Platz in den Geschichtsbüchern. Entsprechend gibt sich Obama nach der Einigung von Lausanne misstrauisch.

Barack Obama fackelte nicht lange. Kaum hatten die Unterhändler in Lausanne den Durchbruch bei den Atomverhandlungen mit dem Iran verkündet, schreitet der US-Präsident in den Rosengarten des Weissen Hauses. In Washington ist es früher Nachmittag, die Sonne strahlt, es ist einer der ersten Frühlingstage in der US-Hauptstadt.

Full video: President Obama delivers a statement on #IranTalks: //t.co/e94eTqLJNO— The White House (@WhiteHouse) April 2, 2015

Rede von Obama zum Atomdeal, 2. April 2015. (Video: White House)

Wohlgefällig, entspannt blickt Obama in die Runde. Die vergangenen Monate waren hart gewesen - Wahlniederlagen, Krach mit Russland, Terrormilizen in Nahost. Es war ein langer, dunkler Winter für den Mann im Weissen Haus. Doch jetzt spürt Obama, dass er vor dem womöglich grössten Erfolg seiner Amtszeit stehen könnte.

Erfolgreiche Verhandlungen in Lausanne, 2. April 2015. (Video: Reuters)

Obama ist die Erleichterung über die «historische Einigung» anzusehen, dennoch gibt er sich demonstrativ vorsichtig, meidet jeden Triumph. Es sei ein «guter Deal», den man da erreicht habe, dem Iran werde der Griff zur Atomwaffe untersagt, die Welt werde sicherer werden. Doch das ist nur die eine Seite, die Obama anspricht.

Rede voller Konjunktive

Die andere Seite sind die gehörigen Zweifel, die noch bleiben. Hätte, sollte, könnte - die Rede des Präsidenten ist gespickt mit Konjunktiven, mit Unsicherheiten, ob das Regime in Teheran tatsächlich Wort hält, ob der Iran tatsächlich bereit ist, dem Wunsch nach Atomwaffen abzuschwören.

Jubel in den Strassen von Teheran über das Lausanner Abkommen, 2. April 2015. (Video: Masih Alinejad/Storyful)

Offen stellt Obama die Frage, ob man dem Regime tatsächlich trauen könnte, ob Iran nicht wie so oft in der Vergangenheit zu Tricks und Täuschungen zurückkehren könnte. Mehrfach fällt das Wort Betrug. «Wenn der Iran betrügt, wird es die Welt erfahren», meint Obama mit Blick auf die künftigen scharfen Inspektionen in den iranischen Atomanlagen.

Obama weiss: Viel steht auf dem Spiel, längst ist der Deal nicht im Kasten, der Teufel steckt im Detail. Das Risiko, dass das Ganze bei den Detailverhandlungen bis Juli doch noch den Bach runter geht, ist durchaus vorhanden.

Widerstand der Republikaner

Dabei liegt das Risiko des Scheiterns nicht nur im fernen Teheran, auch in Washington gibt es Kräfte, die der Einigung nicht trauen. Es wäre «naiv» zu meinen, dass Teheran sein Nuklearprogramm aufgeben werde, meint etwa John Boehner, der starke Mann der Republikaner im Abgeordnetenhaus.

Selbst Harry Reid, der demokratische Senator, sagte, er sei lediglich «vorsichtig optimistisch» und mahnt zur Wachsamkeit gegenüber Teheran.

Viele Parlamentarier bestehen darauf, bei der Aufhebung der Sanktionen gegen den Iran ein Wort mitzureden. Sollte der Iran in den nächsten Monaten nur geringste Neigungen zum Tricksen zeigen, könnte das den Kongress zum Nein veranlassen - Obama stünde vor einer Katastrophe.

Sehnsucht nach Erfolg

Doch sollte alles klappen wie derzeit geplant, steht Obama vor dem grössten Triumph. Er hat in den bisher gut sechs Jahren im Weissen Haus wenig Glück gehabt: Die Gesundheitsreform brachte ihm nicht den erhofften Zuspruch, sein Anlauf zum Nahost-Frieden scheiterte kläglich, dann führte ihn Kremlchef Wladimir Putin noch im Ukraine-Konflikt vor, die Liste der Misserfolge ist lang.

Im Dezember war Obama allerdings mit dem Ende der Eiszeit mit Kuba auch ein echter Coup gelungen. Sollte die Einigung mit dem Iran klappen, ist Obama ein grosser Platz in den Geschichtsbüchern sicher.

Zwar betont er an diesem Frühlingstag, noch sei das Misstrauen gross. Noch ist die Demütigung Amerikas durch das Geiseldrama 1980 nicht vergessen, als Studenten in Teheran über 50 amerikanische Diplomaten über ein Jahr in ihrer Gewalt hatten.

Unschlüssigkeit über Konsequenzen für die Region

Doch die Folgen eines gelungenen Abkommens könnten beträchtlich sein - für den gesamten Nahen Osten. «Experten sind sich unsicher über die Folgen des Nukleardeals», kommentiert etwa die «New York Times» das Grossereignis von Lausanne. Die Frage sei, so fragt das Blatt, ob hier das Ende des «35-jährigen Kalten Krieges» zwischen Washington und Teheran eingeläutet werde.

Schliesslich gebe es durchaus gemeinsame Interessen, meinen Experten schon seit längerem. Angefangen bei Kampf gegen die Terrormilizen des Islamischen Staates (IS). Doch das ist noch Zukunftsmusik für Obama, darüber will er derzeit nicht einmal spekulieren.

SDA/bru

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch