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Palästinenser fordern französische Ermittlungsergebnisse

Die Führung der Palästinenser verdächtigt Israel, Yassir Arafat ermordet zu haben. Zur Klärung des Todesfalls hoffen sie auf Frankreich.

Der frühere PLO-Chef war 2004 gestorben: Eine Künstlerin malt in Nablus ein Wandgemälde von Yassir Arafat.
Der frühere PLO-Chef war 2004 gestorben: Eine Künstlerin malt in Nablus ein Wandgemälde von Yassir Arafat.
Keystone

Erstmals äussert sich die Palästinenserführung zu den neuen Erkenntnissen über die mögliche Todesursache ihres 2004 verstorbenen Anführers Yassir Arafat. Und zeigt mit dem Finger auf einen Verdächtigen.

Die PLO sieht sich durch wissenschaftliche Gutachten in ihrem Verdacht bestätigt, dass Palästinenserführer Arafat vergiftet worden sein könnte – und geben Israel die Schuld. «Israel ist der erste und einzige Verdächtigte, Arafat ermordet zu haben», sagte der Leiter der Untersuchungskommission zum Tode Arafats, Tawfik Tirawi, in Ramallah.

Brief an Frankreich

«Wir haben ausreichend Beweise, Fakten und Daten für die Richtigkeit unserer Theorie und sind der Wahrheit schon ganz nahe», sagte der Funktionär. Weitere Anstrengungen seien aber noch notwendig. Dann werde die Wahrheit ans Licht kommen, betonte Tirawi.

Der Schlüssel zur Lösung und «vollen Wahrheit» über den Tod Arafats liege in Frankreich. «Wir haben einen Brief an die Franzosen geschickt, um die beschleunigte Weitergabe der Untersuchungsergebnisse zu verlangen», erklärte Justizminister Ali Mhanna. «Und wir warten noch immer», da Frankreich hartnäckig auf die fehlende Justizkooperation mit den Palästinensern verweise.

Arafat war im November 2004 in einem Militärspital bei Paris im Alter von 75 Jahren verstorben. Auf Bitte von Arafats Witwe wurde damals keine Autopsie vorgenommen. Die genaue Todesursache blieb daher unklar.

Keine eindeutigen Beweise für Giftmord-Theorie

Im November 2012 wurden die sterblichen Überreste Arafats dann doch in Ramallah exhumiert. Experten aus Frankreich, Russland und der Schweiz durften Stichproben nehmen.

Die Untersuchungen dieser Proben erbrachten bisher aber keinen eindeutigen Beweis für einen Giftmord. Zwar stellten Wissenschaftler vom Institut für Radiophysik der Uni-Klinik von Lausanne (CHUV) einen 18 mal höheren Anteil des hochgiftigen Poloniums 210 in einigen der Proben fest.

Sie betonten auch, dass es höchst unwahrscheinlich sei, dass Arafat die radioaktive Substanz zufällig zu sich genommen haben könnte. Doch könne wegen der schnellen Zerfallszeit von Polonium 210 so lange nach dem Tod nicht mehr mit letzter Sicherheit gesagt werden, dass Arafat daran auch gestorben sei, hatte François Bochud, Chef der Strahlenphysik am CHUV am Vortag in Lausanne betont.

Die russischen Experten hätten zunächst nicht genügend Polonium 210 in den Proben feststellen können, um eine Aussage über die Todesursache zu treffen, sagte der medizinische Leiter der Kommission, Abdullah Baschir. Die Wissenschaftler in Moskau seien deshalb gebeten worden, ihre Untersuchungen fortzusetzen.

Im Oktober hatte es aus Moskau geheissen, ein Giftmord mittels Polonium 210 könne nicht bestätigt werden. Das französische Gutachten steht laut palästinensischen Angaben noch aus.

Täter müsste aus engstem Umfeld stammen

Klar ist jedoch, dass Arafat nur von einem Mitglied seines engsten Umfeldes vergiftet worden sein könnte, da niemand sonst Zugang zu ihm hatte und er stets dasselbe Essen wie seine Mitarbeiter bekam.

Israel hat stets jede Verbindung zum Tod Arafats bestritten. Aussenministeriumssprecher Jigal Palmor äusserte Zweifel an den neuen Untersuchungsergebnissen und bezeichnete die Bemühungen um eine Klärung der Todesursache als «Seifenoper».

Arafats in Paris lebende Witwe Suha vermutet die Täter Medienberichten zufolge eher im Kreis der damaligen palästinensischen Führungsriege.

SDA/kpn

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