Israel zeigt Härte gegen jüdische Extremisten

Israel hat mehrere Männer verhaftet, die für den Tod eines Kleinkinds und dessen Vater im Westjordanland verantwortlich sein sollen.

Anschlag im Westjordanland: Palästinenser betrauern den Tod der Brandopfer. (8. August 2015)

Anschlag im Westjordanland: Palästinenser betrauern den Tod der Brandopfer. (8. August 2015) Bild: Stringer/Keystone

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Nach dem Tod eines zweiten palästinensischen Terror-Opfers geht Israel verstärkt gegen radikale Ultra-Nationalisten vor. Verteidigungsminister Mosche Jaalon ordnete die sogenannte Administrativhaft für zwei jüdische Extremisten an.

Verteidigungsminister Mosche Jaalon verhängte eine sechsmonatige Verwaltungshaft gegen Meir Ettinger, einen der bekanntesten Vertreter der radikalen «Hügel-Jugend» aus den Siedler-Aussenposten.

Anschläge auf Kirchen verübt?

Ettinger war am vergangenen Montag auf Drängen des Inlandgeheimdienstes festgenommen worden. Dieser hält den Enkel von Rabbiner Meir Kahane, verstorbener Gründer der verbotenen Rassistenbewegung Kach, für den Kopf einer Gruppierung, die unter anderem für die jüngsten Anschläge auf Klöster und Kirchen in Israel verantwortlich ist.

Der jüdische Ultranationalist Eviatar Slonim kam am Sonntag ebenfalls für ein halbes Jahr in Administrativhaft, wie schon vergangene Woche ein dritter Rechtsextremist, Mordechai Meyer. Alle drei werden laut Minister Jaalon verdächtigt, einer «jüdischen Extremistengruppe» anzugehören.

Die Verwaltungshaft, die mit Zustimmung eines lokalen Gerichtspräsidenten ohne Anklage und Verfahren unbegrenzt wiederholt werden kann, wird in Israel äusserst selten gegen Juden, dagegen regelmässig gegen palästinensische Aktivisten angewendet.

Razzien in jüdischen Siedlungen

Die Razzien gegen radikale jüdische Siedler begannen in der Nacht zum Sonntag und dauerten bis in den Vormittag. Durchsuchungen und Festnahmen stünden «in direktem Zusammenhang mit den Ermittlungen zur Tat in Duma», erklärte die Polizei, die keine Angaben zur Zahl der Verdächtigen machen wollte.

Nach übereinstimmenden Berichten in israelischen Medien wurden in der illegalen Siedlung Adei Ad, in der direkten Nachbarschaft von Duma, zwei Personen festgenommen. In einem illegalen Aussenposten der einige Kilometer weiter südlich gelegenen Siedlung Kochav Haschachar seien sieben junge Siedler-Aktivisten in Polizeigewahrsam genommen worden, hiess es.

Familienvater erliegt seinen Verletzungen

In dem palästinensischen Dorf Duma waren am 31. Juli Brandanschläge auf zwei Häuser verübt worden, ein Kleinkind verbrannte bei lebendigem Leibe. Sein Vater erlag am Samstag seinen Verletzungen. Auch die Mutter und ein vierjähriger Bruder erlitten schwerste Brandwunden.

«Als ich die Familie vergangene Woche im Spital besucht habe, habe ich versprochen, dass wir alle uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten nutzen werden, um die Mörder zu fassen», sagte der israelische Regierungschef Benjamin Netanyahu am späten Samstagabend einer Mitteilung seines Büros zufolge. «Und das tun wir.» (dia/sda)

Erstellt: 09.08.2015, 14:57 Uhr

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