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Rebellen sichern sich Nachschubroute nach Aleppo

Das Assad-Regime hat einen wichtigen Kontrollposten nahe der Grenze zur Türkei verloren. Istanbul hat derweil damit begonnen, weitere Truppen an die syrische Grenze zu verlegen.

Augenzeugen berichten von mindestens zwei Explosionen: Rauch steigt über beschädigten Häusern in Aleppo auf. (3. Oktober 2012)
Augenzeugen berichten von mindestens zwei Explosionen: Rauch steigt über beschädigten Häusern in Aleppo auf. (3. Oktober 2012)
AFP
Zwei bis drei Detonationen: Stark beschädigtes Gebäude nach Bombenexplosionen in Aleppo. (Bild von der offiziellen syrischen Nachrichtenagentur Sana veröffentlicht) (3. Oktober 2012)
Zwei bis drei Detonationen: Stark beschädigtes Gebäude nach Bombenexplosionen in Aleppo. (Bild von der offiziellen syrischen Nachrichtenagentur Sana veröffentlicht) (3. Oktober 2012)
Keystone
Unter Beschuss: Ein beschädigtes Gebäude in Aleppo. (24. Juli 2012)
Unter Beschuss: Ein beschädigtes Gebäude in Aleppo. (24. Juli 2012)
Keystone
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Die Rebellen in der umkämpften nordwestsyrischen Stadt Aleppo haben einen Kontrollposten unter ihre Kontrolle gebracht, der ihnen eine Nachschubroute aus der Türkei sichert. Der strategisch wichtige Ort fiel nach rund zehnstündigem Kampf am frühen Morgen an die Aufständischen, wie ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP berichtet. Der betreffende Kontrollpunkt Anadan liegt etwa fünf Kilometer nordwestlich von Aleppo und rund 45 Kilometer von der türkischen Grenze entfernt.

Während in der syrischen Wirtschaftsmetropole Aleppo die Kämpfe andauern, sind laut Angaben aus der Türkei erneut zwölf Offiziere der syrischen Armee desertiert und in der Nacht in die Türkei geflohen. Unter ihnen befand sich den Angaben zufolge ein Brigadegeneral, der zuvor als stellvertretender Polizeichef in der Region Latakia im Nordwesten Syriens stationiert war. Damit stieg die Zahl der seit dem Beginn der Proteste gegen Staatschef Bashar al-Assad vor 16 Monaten in die Türkei geflohenen Generäle auf 28. Insgesamt leben mehr als 43'000 syrische Flüchtlinge in türkischen Lagern in der Grenzregion.

Türkei verstärkt Präsenz

Die türkische Armee verstärkt indes weiter ihre Präsenz in Grenznähe. Es seien mehr Panzer und Raketen sowie Munition und Soldaten in die südtürkischen Provinzen Kilis und Hatay entsandt worden, berichtete die Nachrichtenagentur Anadolu. Die syrischen Rebellen kontrollieren unter anderem den Grenzposten Al-Salama zur Provinz Kilis. In vielen Orten im Norden Syriens vermutet die Türkei hingegen Verbündete der von Ankara als Terrororganisation verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) an der Macht und droht mit Angriffen.

In der nordwestsyrischen Industriemetropole Aleppo wurde auch heute weiter gekämpft. Vor allem werde das südwestliche Viertel Salaheddin, wichtigster Stützpunkt der oppositionellen Freien Syrischen Armee, bombardiert, teilten Rebellen in der Region mit. Nach Angaben der Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London beschossen die Aufständischen ihrerseits ein Gebäude des Geheimdiensts der syrischen Luftwaffe im Stadtteil al-Sahira.

Widersprüchliche Angaben

Aus Kreisen syrischer Sicherheitskräfte in der Hauptstadt Damaskus hiess es, ein Teil von Salaheddin sei unter die Kontrolle der Armee gebracht worden. Die Rebellen in der Stadt bestreiten diese Angaben. Staatlichen Medien zufolge wurde das umkämpfte Viertel Salaheddine, eine Hochburg der Rebellen, von Aufständischen «gesäubert»

Die Armee sei «nicht einen Meter» vorgerückt, sagte einer ihrer Anführer telefonisch der Nachrichtenagentur AFP. «Wir haben einen neuen Angriff auf Salaheddin in der Nacht zurückgeschlagen und vier Panzer zerstört», fügte er hinzu.

Am Samstag hatten die syrischen Streitkräfte eine grosse Offensive auf Aleppo gestartet. Seither liefern sie sich dort erbitterte Kämpfe mit den Rebellen. Etwa 200'000 Einwohner der Millionenstadt befinden sich nach UNO-Angaben auf der Flucht.

Lebensmittel und Trinkwasser sind knapp

Es sei unklar, wie viele Menschen noch in Gegenden eingeschlossen seien, wo die Kämpfe weitergingen, sagte Amos gestern unter Berufung auf Zahlen des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) und des Syrisch-Arabischen Roten Halbmonds. Die Flüchtlinge seien dringend auf Lebensmittel und Trinkwasser angewiesen, betonte die Nothilfebeauftragte.

Amos forderte die Konfliktparteien in Syrien auf, Opfer unter der Zivilbevölkerung zu vermeiden. Sie sei «äusserst besorgt über die Folgen von Beschuss und des Einsatzes von Panzern und anderer schwerer Waffen» nicht nur für die Menschen in Aleppo, sondern auch in der Hauptstadt Damaskus und umliegenden Ortschaften, erklärte Amos.

Frankreich fordert Sondersitzung

Frankreich fordert angesichts der anhaltenden Gewalt in Syrien eine Sondersitzung des UNO-Sicherheitsrats. Paris werde noch vor Ende der Woche den Antrag stellen, dass das Gremium möglichst auf Ministerebene zusammenkomme, sagte Aussenminister Laurent Fabius heute dem Radiosender RTL.

Der Rat, in dem Frankreich am Mittwoch den Vorsitz übernimmt, müsse «alles unternehmen», um die Gewalt in Syrien zu stoppen, fügte Fabius mit Blick auf China und Russland hinzu, die Sanktionen gegen Staatschef Bashar al-Assad seit Monaten blockieren.

dapd/sda/AFP/mrs

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