Impact Journalism

Sauberes Wasser aus dem Tontopf

In Uganda haben 10 Millionen Menschen kein sauberes Trinkwasser. Ein einfaches Filtersystem erleichtert Zehntausenden nun das Leben.

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Von Andrew Kaggwa, «Daily Monitor», Uganda

Mit einem bunten Plastikbecher in der Hand rennen Schülerinnen und Schüler der Bright-Little-Angel-Primarschule zum blau-weissen Wasserspender. Es ist einer von vier Purifaaya, die auf dem Schulgelände verteilt sind. In dieser Schule in Nakawuka, südwestlich der Hauptstadt Kampala in Uganda, gibt es keine Kantine. Deshalb ist kostenloses Trinkwasser besonders wichtig. «Wir betonen, wie wichtig Trinkwasser ist», sagt Basajja Kirinya, Direktorin der Schule. «Wir wollen, dass sich die Schülerinnen und Schüler das zu Herzen nehmen.»

Mehr als 800 Millionen Menschen weltweit haben keinen Zugang zu sauberem Wasser, sagt die Weltgesundheitsorganisation WHO. In Uganda gehören Krankheiten, die durch Wasser übertragen werden, zu den führenden Ursachen für die hohe Sterblichkeit von Kindern unter fünf Jahren. Durchfallkrankheiten aufgrund von schlechter Hygiene und der Zeitaufwand für das Wasserholen verursachen dem Land jedes Jahr Kosten von 170 Millionen Franken, wie die Weltbank berechnet hat.

Früher haben die Lernenden an der Schule gekochtes Wasser getrunken, bevor ein Gönner der Schule die Purifaaya-Wasserspender schenkte. «Manchmal war das Wasser zur Mittagspause noch heiss oder wir mussten es im Offenen stehen lassen, damit es abkühlt», erzählt Kirinya. «Die Purifaaya haben das geändert.»

Die Purifaaya werden in Kampala hergestellt von Spouts of Water, einer Hilfsorganisation aus den USA. Deren Mitbegründerin, Kathy Ku, hatte einen Sommer in Uganda verbracht und bemerkt, dass sauberes Wasser oft kaum zu finden war. Zusammen mit John Kye, einem Mitstudenten an der Harvard-Universität, gründete sie 2012 die Organisation. Im Juli 2015 bestätigte Ugandas Ministerium für Wasser und Umwelt, dass der Purifaaya zu 99,9 Prozent wirkt und sauberes Trinkwasser produziert.

Aus örtlichem Material hergestellt

Im Gegensatz zu anderen Systemen, die in Entwicklungsländern Trinkwasser produzieren, enthält der Plastikbehälter des Wasserspenders einen Keramikfilter, der ausschliesslich aus örtlich verfügbarem Material hergestellt wird: Ton, Sägemehl und eine dünne Schicht Silbernitrat, um die antibakterielle Wirkung zu verbessern. Das Wasser sickert durch den Tontopf, behält seinen Geschmack und Duft, während Viren, Verunreinigungen und organisches und anorganisches Material grösser als etwa ein Mikrometer herausgefiltert werden. Der Filtervorgang produziert etwa drei Liter Trinkwasser pro Stunde.

Dieser Artikel ist Teil unserer Berichterstattung zum Impact Journalism Day 2018. Hier gehts zur Collection.

Für Spouts of Water arbeiten 35 Menschen in einer örtlichen Fabrik. Ein weit verzweigtes Partnernetzwerk verteilt die Geräte auch in entlegene oder arme Gegenden. Ein Purifaaya für eine Familie kostet 27 Franken. Spouts of Water will mindestens zehn Millionen Menschen in Uganda erreichen, die noch kein sauberes Wasser haben. Auch in den benachbarten Kongo liefert es inzwischen.

Während die Purifaaya-Filter eine einheitliche Grösse haben, werden die Plastikbehälter in zwei verschiedenen Grössen produziert: 20-Liter-Behälter werden meist von Familien genutzt, während die 65-Liter-Grösse für Institutionen und Firmen gedacht ist. Seit November 2015 wurden dank einer Partnerschaft mit der Hilfsorganisation Save the Children mehr als 1600 Filter an Schulen verteilt. 30'000 Schülerinnen und Schüler werden damit mit sauberem Wasser versorgt.

Teure Holzkohle

Annet Nakabinge, eine Politikerin in Nakawuka, gehört zu den 110'000 Menschen in Uganda, die sauberes Wasser erhalten haben, seit Spouts of Water in Uganda arbeitet – sie benutzt seit fünf Monaten einen Purifaaya. In ihrer neunköpfigen Familie hat es vorher viel Geld und Zeit gekostet, alle zwei Tage Wasser zu kochen, um es zu desinfizieren. «Früher haben wir Wasser gekocht und von Hand gefiltert», sagt sie. «Wir brauchen etwa zehn Liter für zwei Tage.» Die dafür notwendige Holzkohle kostete etwa einen Franken – durchaus teuer in einem Land, in dem etwa zehn Millionen Menschen weniger als 1.25 Franken pro Tag verdienen.

In Nakabinges Wohnquartier stammt das Wasser aus einem Brunnen und einem Bohrloch. Doch das Wasser im Brunnen ist meistens verschmutzt, weil er von zu vielen Menschen genutzt wird. Das Wasser aus dem Bohrloch sieht zwar sauberer aus, enthält aber oft Metallrückstände und Rostpartikel.

Nakabinge hat sich dafür eingesetzt, dass die meisten Familien in ihrer Nachbarschaft Wasserspender erhalten haben. Sie organisierte Treffen, bei denen erklärt wurde, wie wichtig sauberes Wasser ist – und wo die Purifaayas mit einem Rabatt von 15 Prozent angeboten wurden. Sie können auch mit monatlichen Ratenzahlungen gekauft werden.

Aus dem Englischen übersetzt von Hans Brandt

(Andrew Kaggwa/«Daily Monitor», Uganda)

Erstellt: 15.06.2018, 16:38 Uhr

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